Im Paracelsussaal des Villacher Rathauses stand am Dienstag die Frage im Mittelpunkt, wie mehr Menschen für Pflege und Betreuung gewonnen werden können. Das Land Kärnten, die Stadt Villach und der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) luden zur Karriereplattform „Ausbildungsmöglichkeiten von Pflegekräften in Kärnten“. Rund 90 Besucherinnen und Besucher, darunter arbeitssuchende ukrainische Vertriebene und Flüchtlinge aus ÖIF Deutschkursen, informierten sich über Wege in Gesundheits- und Pflegeberufe.
Kooperationspartner, wie das Landeskrankenhaus Villach, das BFI Kärnten, das AMS Kärnten, die Abteilung für Gesundheit und Pflege des Landes Kärnten, sowie die Schulen für Gesundheits- und Krankenpflege in Villach und Klagenfurt und die Schulen für Sozialbetreuungsberufe in Waiern, Klagenfurt und Wolfsberg informierten über offene Stellen sowie Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten im Gesundheits- und Pflegebereich.
Der Beruf soll Perspektiven eröffnen
Vizebürgermeisterin Gerda Sandriesser (SPÖ) bei der Begrüßung: „Pflege ist mehr als ein Beruf. Es geht um Chancen und Perspektiven und darum, Brücken zu bauen.“ Gerade weil der Bedarf an Pflegekräften weiter steigt, brauche es Menschen, die diesen Beruf ergreifen und langfristig bleiben. Sie komme selbst ursprünglich aus der Pflege und würde den Beruf immer wieder wählen.
In kurzen Vorträgen wurden Ausbildungsmöglichkeiten und Praxis vorgestellt. Thema waren die Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflege, die Pflegefachassistenz, die Pflegeassistenz sowie die Heimhilfe. Christine Schaller Maitz, Pflegedirektorin des LKH Villach beispielsweise, gab Einblicke in die Praxis der Klinik mit ihren 649 Betten und mehr als 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Pflege ist ein Beruf und gelebte Menschlichkeit“, erklärte sie. Sie stellte in ihrem Vortrag klar, dass es Menschen brauche, die gern und gut arbeiten und Empathie mitbringen.
Pflege- und Gesundheitslandesrätin Beate Prettner (SPÖ) dankte dem ÖIF für das Format der Karriereplattform: „Der Pflegeberuf ist nicht nur sinnstiftend, er ist auch existenzsichernd, zukunfts- und krisensicher. Auch in Kärnten ist der Bedarf an Fach- und Hilfskräften enorm – wir müssen jährlich rund 400 Menschen in diesen Beruf bringen. Ohne Mitarbeitende aus dem Ausland würde dies nicht gelingen. Gute Deutschkenntnisse in der Pflege sind eine Schlüsselqualifikation, denn sie erleichtern die Kommunikation und erhöhen die Qualität der Betreuung.“
Dass die Veranstaltung als Brücke genutzt wird zeigen die Erfahrungen bei vorherigen Veranstaltungen dieser Art. Laut ÖIF konnten bei der letzten Karriereplattform in Kärnten mehrere Personen für eine Ausbildung an den Caritas Schulen für Sozialbetreuungsberufe (SOB) gewonnen werden.
200.000 Pflegende fehlen bis 2050
Der ÖIF bringt mit solchen Formaten Pflegeeinrichtungen mit Arbeitskräftebedarf und arbeitssuchende Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschkursen zusammen. Laut Prognosen fehlen bis 2050 in Österreich rund 200.000 Pflege und Betreuungspersonen. Der 1960 gegründete ÖIF unterstützt Integration, Deutschlernen und berufliche Orientierung. 2025 wurden österreichweit 56.000 Deutschkurse gefördert und 6500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen bei Werte- und Orientierungskursen teil.