20 Jahre sind vergangen und auch der Kleiderschrank dieser Modezarin ist mit der Zeit gegangen. Die Rede ist von Miranda Priestly, der teuflischen Chefin des in dieser Erzählwelt stilprägenden Fashion-Magazins „Runway“. Oscargewinnerin Meryl Streep erweckte sie 2006 mit Eiseskälte zum Leben. Wer Täschchen und Designerschuhe von Prada trage, mit der – das gab der Titel schon vorweg – sei nicht gut Kirschen essen. Doch nicht nur in ihrer privaten Garderobe, auch sonst habe sich „so einiges“ in der Modeindustrie verändert, wie Schauspieler Caleb Hearon im Gespräch mit der Kleinen Zeitung verrät. Fast Fashion, Body-Positivity und der Aufstieg digitaler Medien sind nun mal auch am Redaktionsleben dieser Institution des „guten Geschmacks“ nicht spurlos vorbeigezogen. „Man sieht es daran, wie Miranda sich 20 Jahre später durchschlagen muss, um ihre Ziele zu erreichen. Man sieht es an den Menschen, die wir sehen, an den Vorbildern im Film, an den Diskussionen, die wir anzuregen versuchen.“ Die Fortsetzung sei eine „ehrliche Reflexion über die Entwicklungen in Journalismus, Medien, Mode, Arbeitsplatzkultur, Zeitschriften, Digitalisierung und Budgetkürzungen“, ergänzt Simone Ashley, auch Neuzugang in der New Yorker Glamour-Sphäre von „Der Teufel trägt Prada“.

Aufsteigender Stern in der amerikanischen Comedy- und Podcasting-Blase: Caleb Hearon
Aufsteigender Stern in der amerikanischen Comedy- und Podcasting-Blase: Caleb Hearon © Starpix/tuma/cp

Zwei neue Assistenten im Anmarsch

Für Caleb Hearon, ein aufsteigender Stern in der amerikanischen Comedy- und Podcasting-Blase, ist es die bislang größte Kinorolle. Der 31-Jährige spielt in der Fortsetzung Charlie, den neuen zweiten persönlichen Assistenten der gefürchteten Chefin – eine Funktion, die im ersten Teil, befeuert durch selbstdestruktiven Elan, Anne Hathaways Figur Andrea „Andy“ Sachs bekleidete. Sein komödiantischer Hintergrund hätte ihm geholfen, die Sensibilitäten des Drehbuchs zu erfüllen. „Der Humor im Original und in diesem Film ist für mich einfach absolut legendär, und ja, nur ein kleiner Teil davon zu sein, ist total aufregend.“

In die Fußstapfen von Emily Blunt, die als erste Assistentin Emily eifrig um die Gunst ihrer Vorgesetzten buhlte, tritt Serienmimin Simone Ashley, bekannt durch prominente Rollen in den Streaming-Hits „Bridgerton“ und „Sex Education“. Auch für sie sei es bis dato das größte Projekt gewesen. Und wohl das mit dem größten Nostalgiewert, denn – wie die Schauspielerin erklärt – Teil eins sei seit Kindheitstagen ein Lieblingsfilm. „Er gibt mir ein richtig gutes Gefühl der Stärke. Wenn man beide Filme sieht, merkt man, wie sehr Andy Sachs sich um die Zukunft von „Runway“ (das fiktive Modemagazin im Film, Anm.) und die Zukunft des Journalismus sorgt und wie dieser sich den Herausforderungen der neuen Zeit stellt.“ „Der Film begleitet uns schon so lange. Wir haben mit ihm mehr Zeit verbracht als ohne, und beim zweiten Teil dabei zu sein, ist einfach sensationell“, führt Kollege Hearon fort.

Trotz spärlicher Screentime und der Rückkehr einer Fuhr von Hollywood-Gigantinnen und -Giganten, bleiben die Neulinge im Team „Runway“ im Kopf. Vertraut man dem Wort von Caleb Hearon, sei der ausschlaggebende Punkt hierfür, dass sich in diesem Ensemble niemand krampfhaft in den Vordergrund dränge. „Man sollte der Szene dienen. Die lustigsten Momente entstehen immer dadurch, dass alle wirklich zusammenarbeiten.“

Simone Ashley, bekannt u.a. aus „Bridgerton“
Simone Ashley, bekannt u.a. aus „Bridgerton“ © IMAGO/Lounis Tiar / Avalon

Die Grande Dame Hollywoods

Von der gemeinsamen Zeit mit Meryl Streep habe man ausschließlich Positives zu berichten. Bei einem altgedienten Industriegestein, dessen Vita glatte 21 Oscar-Nominierungen zählt, ist Bescheidenheit nicht selbstverständlich. Der ehrfurchtgebietenden Miss Priestley sei die Grande Dame des Hollywood-Kinos keinen Deut ähnlich, versichert Simone Ashley. „Sie ist eine so nette, professionelle, wundervolle und witzige Frau. Eine absolute Ikone in ihrem Beruf.“ Man sei begeistert „von ihrer liebenswerten Art“, fügt Hearon der Lobhudelei hinzu. „Es ist so schön, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der so entspannt sein kann, wirklich alles erreicht hat, schon jetzt eine Legende ist und trotzdem mal einen Gang zurückschalten kann und sich auf wunderbare Art und Weise um den Prozess und die Menschen kümmert.“

Was bedeutet Mode?

Wie bereits Teil eins versucht dieses verspätete Sequel zu ergründen, ob es der Mühe wert sei, für große Karrierechancen große Opfer darzubringen. Welchen Preis hat Ehrgeiz? Der Film würde den Leuten „die Konsequenzen vor Augen führen und ihnen zeigen, was es kostet, in seinem Bereich herausragend zu sein“, meint Darsteller Hearon. Das sei nicht möglich, „ohne anderes dafür aufzugeben“. In der Welt der Laufstege und Luxustrachten ist nicht alles, das glänzt, Gold – vor dieser Wahrheit schreckt der Nachfolger nicht zurück. Weshalb manche aus dem Fashionbereich allerdings auch Zuversicht schöpfen, versucht der Film ebenso zu erläutern. Laut Simone Ashley könne Mode auch eine Form von „Selbstausdruck“ sein. Das bejaht ihr Schauspielkollege: „Es geht um Selbstausdruck und oft auch um Komfort. Es geht darum, worin ich mich am wohlsten fühle. Was gefällt mir? Selbst wenn ich mich mal schick machen muss, ist die bequemste Variante dabei. Das beschäftigt mich. Für manche ist Schönheit bekanntlich Schmerz, aber es gibt eben unterschiedliche Vorlieben. Manche mögen es, wenn die Taille betont ist, und das finde ich toll. Ich mag einfach die Individualität.“ Die empowernde Qualität – Fashion als Mittel der kreativen Selbstentfaltung – kommt in dieser Fortsetzung, gleich dem kultigen Vorgängerfilm, jedenfalls nicht zu kurz.