Auf dem Gelände einer ehemaligen Tischlerei in Mühlboden rollen Kartoffeln über Förderbänder, sie werden werden gewaschen, sortiert und verpackt. Die „Schaller-Anderwald KG“, ein Familienunternehmen aus dem Nachbarort Pobersach, investiert aktuell zwei Millionen Euro in den Bau von zwei neuen Hallen. Eine ist bereits fertig, beherbergt Waschanlage, Sortiermaschine und Verpackungslinie. Die zweite, eine reine Lagerhalle mit mechanischer Kühlung, soll im Juni in Betrieb gehen.
Seit vier Generationen der Knolle verschrieben
Auf Feldern unter anderem im mittleren Drautal, Wernberg, Liebenfels und Treibach wird im Vierjahresrhythmus angebaut. In der bestehenden Halle läuft ein durchgetakteter Prozess. Die Kartoffeln werden feldfallend in Holzkisten angeliefert, getrocknet, auf vier Grad heruntergekühlt und bei Bedarf wieder temperiert. Danach durchlaufen sie Enterdung, Entsteinung und schließlich eine optische Sortieranlage, die jede Knolle scannt und bewertet.
„Wir wollen nicht ewig wachsen, sondern den Kärntner Markt gut versorgen“, sagt Geschäftsführerin Hannah Strasser-Anderwald (30). Seit 2019 führt sie den Betrieb, der formal 2013 gegründet wurde, aber auf eine vier Generationen lange Geschichte zurückblickt. Der Doppelname ist auf die Urgroßmutter zurückzuführen, die damals bei ihrer Hochzeit darauf bestand, ihren Namen zu behalten. Der Ursprungshof liegt in Pobersach. Die Eltern Franz und Barbara stellten 1996 vom Mischbetrieb mit Rindern und Ackerbau vollständig auf Erdäpfel um und setzten so den Schritt, der heute den Kern des Unternehmens bildet.
Kilopreis stark gesunken
Rund 4000 Tonnen Kartoffeln werden jährlich auf 180 Hektar geerntet, gelagert und vermarktet. Bis zu 25 Sorten sind im Umlauf. „Vorrangig zählt der Geschmack“, sagt Strasser-Anderwald. Gleichzeitig steigt der Druck. Der Kilopreis ist von 40 Cent 2025 auf aktuell 15 bis 20 Cent gefallen. „Man darf nicht jammern, man muss auf fünf Jahre rechnen“, sagt sie. „Wir kennen das Spiel um den Preis und spielen es mit“, erklärt Schaller-Anderwald. Ihr Ziel ist es, weiterhin den Kärntner Markt mit Kärntner Kartoffeln zu bedienen. Geliefert werden die Kartoffeln an die Handelsketten Rewe und Hofer.
Direktvermarktung mit Pfandsystem
Parallel setzt der Betrieb auf Direktvermarktung. „Wir produzieren nach dem Motto: von da für da“, sagt Strasser-Anderwald. Rückmeldungen der Kunden fließen auch direkt in die Sortenwahl ein. Der Hofladen am Firmenstandort ist täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Dort gibt es neben Speisekartoffeln, aussortierte Kartoffeln als Futterware für die Bauern aus der Umgebung, jeden Donnerstag auch Fisch aus der Zucht des Onkels und andere Produkte wie schwarzen Knoblauch aus der weiteren Verwandtschaft. Bis die Produkte jedoch verkauft werden können, gilt es zahlreiche Herausforderungen zu meistern.
Bruder Simon zeigt den Alltag des Kartoffelbauers auf Instagram
Trockenheit, Starkregen und Schädlinge wie der Drahtwurm setzen der Ernte zu. „Jede Ernte ist ein Glücksspiel“, ergänzt Paul Schaller-Anderwald (24), der sich neben seinem Maschinenbau-Studium um die Projektplanung kümmert. Bruder Simon (32) verantwortet den Ackerbau und zeigt den Alltag auf Social-Media. Knapp 70.000 Menschen folgen ihm auf Instagram, wo er seinen Alltag am Feld mit dem Handy begleitet. Marketing, das wenig Kosten verursacht und den Weg der Kartoffel vom Anbau bis zum Verkauf zeigt.
„Wir wollen mutig vorangehen“
Dass es im Betrieb auch um Innovation und Optimierung der Abläufe geht, sieht man in der seit letztem Jahr betriebenen automatischen Waschanlage und Sortierung. Die Automatisierung soll Kosten abfedern, Energie bleibt der größte Preistreiber. Die Investition wäre ohne Förderung kaum möglich gewesen. Über das Programm „aws Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse“ erhalten Betriebe Zuschüsse für Investitionen in Verarbeitung und Vermarktung. Ziel ist es, Wettbewerbsfähigkeit und regionale Wertschöpfung zu stärken.