Also, was jetzt? Ein FH-Studium oder doch lieber an die Universität? Das ist keine grundsätzliche Haltungsfrage wie Taylor Swift oder Beyoncé, Burger King oder McDonald’s, Apple oder Microsoft. Es gibt kein allgemeingültiges Richtig oder Falsch. Vielmehr ist es eine pragmatische Entscheidung, deren Antwort zwar nicht dein gesamtes Leben, aber zumindest deinen nächsten Lebensabschnitt prägen wird.

Die groben Unterschiede

Im Vergleich zu Universitäten legen Fachhochschulen bekanntlich mehr Wert auf Praxis. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden hier meistens in einen beruflichen Kontext gesetzt. In Projektarbeiten, Praktika und Praxissemestern wenden die Studierenden ihr Wissen aktiv an und vertiefen es. Während an Universitäten vor allem die Grundlagenforschung einen hohen Stellenwert hat, liegt an Fachhochschulen der Fokus auf der anwendungsorientierten Forschung & Entwicklung.

Fachhochschul-Studiengänge sind außerdem straffer organisiert als die meisten Studiengänge an Universitäten. In vielen Fächern gibt es eine Anwesenheitspflicht, die zwar weniger individuellen Spielraum, aber mehr Planungssicherheit und einen geregelteren Alltag bietet.

Wie lange dauert das?

Im Schnitt benötigen Studierende an Universitäten in Österreich 13 Semester für ihren Erstabschluss. Ein Bachelorstudium an einer FH dauert in der Regel 6 Semester, ein Masterstudium 4 Semester. Das liegt nicht an Intelligenz oder Ehrgeiz, sondern an den straff geregelten Lehrplänen der FHs, die es kaum erlauben, über die Mindeststudienzeit hinaus zu studieren.

Offen für alle?

Die Voraussetzung für ein Studium an der Universität ist die Matura oder Studienberechtigungsprüfung. Für einige Fächer wie Medizin oder Psychologie gibt es zusätzliche Aufnahmetests, ebenso für besonders stark nachgefragte Fächer.

Für ein FH-Studium benötigt man ebenfalls die Matura, eine Berufsreifeprüfung oder eine Studienberechtigungsprüfung. Zudem ist ein Aufnahmeverfahren erforderlich, das oft aus einem Test und einem persönlichen Gespräch besteht.

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Praxis versus Theorie

Auch wenn Universitäten Praktika in ihren Lehrveranstaltungsplan integrieren, sind Fachhochschul-Studiengänge insgesamt praxisorientierter. Die Studierenden werden in Jahrgängen zu sogenannten „Kohorten“ zusammengefasst und arbeiten häufig in kleinen Gruppen an Projekten. Es gibt eine enge Zusammenarbeit mit Unternehmen und viele Lektor:innen kommen direkt aus der Wirtschaft.

Was kostet das?

Universitäten sind in Österreich grundsätzlich kostenlos, lediglich der Beitrag für die Hochschülerschaft (24,70 Euro pro Semester) muss entrichtet werden. Wer die Regelstudienzeit um mehr als zwei Semester überschreitet, muss jedoch Studiengebühren zahlen. Die Studiengebühr an den meisten österreichischen Fachhochschulen beträgt 363,63 Euro pro Semester.

Was ist man dann?

Nach sechs Semestern erhalten Studierende den akademischen Grad „Bachelor“. In einigen Studienrichtungen ist damit eine konkrete Berufsberechtigung verbunden. Daran kann ein Masterstudium angeschlossen werden, das in der Regel vier Semester dauert und mit dem Grad „Master“ abschließt.

Universitäten haben das Promotionsrecht, Fachhochschulen hingegen nicht. Ein Doktorat kann jedoch prinzipiell mit einem FH-Abschluss an einer Universität erworben werden.

Jobaussichten

Ein Universitätsstudium ist eine wissenschaftliche Vorbildung, keine direkte Berufsausbildung. Um nach dem Studium einen guten Job zu finden, sind oft fachspezifische Praktika notwendig.

Zwischen 15 und 30 Prozent der FH-Absolvent:innen bekommen hingegen bereits während ihres Praktikums ein Jobangebot und ersparen sich die Jobsuche. Was die Einstiegsgehälter betrifft: Laut Erhebung des ÖPWZ (Österreichisches Produktivitäts- und Wirtschaftlichkeits-Zentrum) gibt es keine nennenswerten Differenzen zwischen FH- und Uni-Abgänger:innen. Die Gehaltsunterschiede hängen vom Studiengang ab. Technische Fächer bieten hohe Verdienstmöglichkeiten, unabhängig davon, ob man an einer FH oder Uni studiert hat.

Speaker giving a talk on scientific conference. Audience at the conference hall. Business and Entrepreneurship concept.
Speaker giving a talk on scientific conference. Audience at the conference hall. Business and Entrepreneurship concept. © Adobe Stock/kasto
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Abschluss eines FH-Studiums

Zum Abschluss des Studiums ist es notwendig, alle vorgesehenen Lehrveranstaltungen erfolgreich zu absolvieren. Ein zentraler Bestandteil ist das Berufspraktikum, das verpflichtend ist. Gegen Ende des Studiums muss zudem eine fachbezogene Abschlussarbeit verfasst werden. Je nach Abschlussgrad (Bachelor, Master, Diplom) unterscheiden sich die inhaltliche Tiefe und der Umfang dieser Arbeit.

Nach erfolgreichem Abschluss der Studienleistungen ­dürfen die Studierenden zur Abschlussprüfung ­antreten, die je nach Studienart als Bachelor-, Master- oder ­Diplomprüfung bezeichnet wird. Die verliehenen akademischen Grade sind mit jenen universitärer Studien gleichgestellt. Der frühere Zusatz „(FH)“ entfällt heute.

Diplomabschlüsse gibt es heute nur noch im technischen Bereich auf Master-Niveau. Der Abschluss lautet dann „Diplom-Ingenieur“ (DI oder Dipl.-Ing.) .Ein Doktortitel kann an einer Fachhochschule nicht erworben werden. Absolvent:innen eines FH-Master- oder ­Diplomstudiums können jedoch ein Doktorats­studium an einer Universität absolvieren.