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ARCHITEKTURIn Wien ist Otto Wagner allgegenwärtig

Otto Wagner schuf mit seinen Bauten Schlüsselwerke der Wiener Moderne. Drei Ausstellungen widmen sich 2018 zu seinem 100. Geburtstag dem Visionär und wichtigen Vertreter des Jugendstils.

Die Kirche am Steinhof wurde von Otto Wagner geplant © FOTOLIA
 

Von Mitstreitern verehrt, von Traditionalisten mit Schmähschriften bedacht: Bereits zu Lebzeiten zählte Otto Wagner weltweit zu den bedeutendsten Architekten. Seine Bauten, darunter die Wiener Postsparkasse oder die Kirche am Steinhof, gelten als Meilensteine auf dem Weg von Historismus zu Moderne. Zum 100. Todestag 2018 widmen sich einige Ausstellungen dem prominenten Vertreter des Jugendstils.

Otto Wagner, der am 13. Juli 1841 in Penzing (damals noch ein Vorort Wiens) geboren wurde, stammte aus einer großbürgerlichen Familie. Trotz des frühen Todes seines Vaters - der königlich-ungarische Hofkanzlist starb bereits fünf Jahre nach der Geburt seines Sohnes - erhielt Wagner eine gute Ausbildung. Bereits mit 16 maturierte er am damaligen Wiener Polytechnikum (heute TU Wien) und studierte anschließend bei Carl Ferdinand Busse in Berlin sowie in Wien bei den beiden Ringstraßenarchitekten und Erbauern der Wiener Staatsoper, August Sicard von Sicardsburg und Eduard von der Nüll.

Das Majolikahaus in der Linken Wienzeile Foto © FOTOLIA

Wagners Karrierebeginn fiel in eine Boomzeit des Wiener Baugeschehens. Als Mitarbeiter des Ateliers Förster - Ludwig von Förster war einer der treibenden Kräfte bei der Gestaltung der Wiener Ringstraße - war der junge talentierte Architekt ab 1862 bei der Entwicklung der Wiener Ringstraße dabei, die zum Inbegriff des Historismus wurde. Dieser Stilrichtung blieb Wagner bis in die 1880er-Jahre auch bereits als selbstständiger Architekt treu und wurde damit erfolgreich und berühmt.

Doch Wagner war ein Visionär: Im Laufe der Zeit entwickelten sich in ihm immer stärkere Widerstände gegen die traditionelle Art des Bauens. Er erkannte, dass der auf die Vergangenheit fixierte Historismus in krassem Widerspruch zur Aufbruchsstimmung der Zeit stand. "Kunst und Künstler müssen ihre Zeit repräsentieren", verkündete Wagner in seiner Antrittsrede als Professor der Meisterschule für Baukunst an der Akademie der bildenden Künste 1894. Dieser Auffassung blieb der bereits renommierte Baukünstler für den Rest seines Lebens treu. Eingang in sein Schaffen fanden fortan die Verbindung von Zweckmäßigkeit, funktioneller Nüchternheit und Schönheit der "Art nouveau", des Jugendstils. Durch zahlreiche Schriften etablierte sich Wagner zudem als wichtiger Theoretiker und Vordenker der Wiener Moderne.

Die Stadtbahnstation am Wiener Karlsplatz Foto © FOTOLIA

1899 trat der bereits 58-Jährige der von Gustav Klimt mitgegründeten Künstlervereinigung "Wiener Secession" bei. Es folgten einige seiner wichtigsten Bauten wie die Kirche am Steinhof, die Postsparkasse und die Stadtbahnbauten der Gürtel- und Vorortelinie. Seine radikalen Entwürfe fanden aber nicht nur Bewunderer. Für die Hüter der Tradition, allen voran Erzherzog Franz Ferdinand, waren sie reine Provokation. Aus diesem Grund blieben wohl viele seiner Projekte vor allem gegen Ende seines Lebens unausgeführt.

Wagners Liebesleben kann als bewegt beschrieben werden. Noch während seiner Studienzeit unterhielt der aufstrebende Baukünstler eine mehrjährige Beziehung zu der Bierbrauerstochter Anna Paupie, mit der er zwei uneheliche Söhne (Otto jun. und Robert) hatte. Auf Drängen seiner Mutter, zu ihr hatte Wagner eine überaus enge Beziehung, trennte er sich von Paupie und heiratete die reiche Juwelierstochter Josefine Domhart. Aus der unglücklichen Ehe entstammten die beiden Töchter Susanne und Margarete. Kurz nach dem Tod der Mutter (1880) ordnete Wagner sein Privatleben neu: Er legitimierte seine beiden Söhne, trennte sich von Josefine und heiratete 1884 seine große Liebe Louise Stiffel, der er bis zu ihrem Tod 1915 auf das Innigste verbunden blieb. Wagner selbst starb am 11. April 1918 76-jährig in Wien an den Folgen eines Rotlaufs. Er wurde in der von ihm entworfenen Familiengruft am Hietzinger Friedhof beigesetzt, wo auch seine ebenfalls 1918 verstorbenen Mitstreiter auf dem Weg in die Moderne, Gustav Klimt und Koloman Moser, begraben sind.

Wagner Villa I in Wien
Wagner Villa I in Wien Foto © FOTOLIA

Der 100. Todestag Wagners im kommenden Jahr hat zahlreiche Museen tätig werden lassen: Das Wien Museum widmet dem "Weltstadtarchitekten" und Städteplaner eine umfassende Ausstellung. Beleuchtet wird im Rahmen der Schau "Otto Wagner" von 15. März bis 7. Oktober die Beziehung Wagners zu seinen Wegbegleitern und Gegnern sowie das künstlerische und politische Umfeld des Visionärs. Zahlreiche Objekte werden zum ersten Mal öffentlich zu sehen sein. Wagners Einfluss auf Zeitgenossen, Schüler und nachfolgende Generationen steht im Zentrum der Ausstellung "Post Otto Wagner - Von der Postsparkasse zur Postmoderne", die von 30. Mai bis 30. September im MAK zu sehen sein wird.

Die Architekturstars der Wiener Moderne als Innenarchitekten und Möbeldesigner sowie ihre unterschiedlichen Positionen zu Wohnen und Einrichten können in der Schau "Wagner, Hoffmann, Loos und das Möbeldesign der Wiener Moderne. Künstler, Auftraggeber, Produzenten." erforscht werden. Sie steht von 21. März bis 7. Oktober im Hofmobiliendepot in Wien auf dem Programm.

Einem der bedeutendsten Werke Otto Wagners, den Bauten der Wiener Stadtbahn, widmet sich das im Oktober im Hatje Cantz Verlag erschienene Buch "Otto Wagner. Die Wiener Stadtbahn". Herausgeber Alfred Fogarassy und zahlreiche Autoren würdigen darin die architektonische, stadträumliche und verkehrsgeschichtliche Bedeutung der Stadtbahn sowie ihren Stellenwert in der Gegenwart mit zum Teil bisher nie publizierten historischen Aufnahmen und Plänen.

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