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Plüsch reloaded: Das Wiener Cafe Museum hat wieder geöffnet

Ein Wiener Traditionskaffeehaus versucht den Neustart: Das 111 Jahre alte Cafe Museum am Karlsplatz hat nach monatelangem Umbau wieder geöffnet. Landtmann-Chef ließ Loos-Interieur entfernen und zeigt nun wieder rote Sitznischen und Kugellampen.

© APA
 

Das traditionsreiche Café Museum strahlt wieder Gemütlichkeit aus. "Wir haben uns entschlossen, zur typischen Wiener Kaffeehausatmosphäre zurückzukehren", so die neuen Pächter Irmgard und Berndt Querfeld. Der Landtmann-Chef ließ das vormalige, an Adolf Loos angelehnte Interieur entfernen und setzt auf Plüschbänke und Sitzkojen, die den Entwürfen von Josef Zotti nachempfunden sind. Diese haben bereits ab den 1930er Jahren das Lokal rund 70 Jahre lang geprägt. "Unser Ziel war es, wieder Gemütlichkeit reinzubringen", erläuterte Querfeld bei der Eröffnung am Montag sein Konzept.

Anders als nach dem Loos-Rückbau im Jahr 2003, der - wenig erfolgreich - auf freie Tischaufstellung und kühle Schlichtheit setzte, prägen jetzt wieder mit rotem Backhausen-Stoff überzogene, halbrunde Sitznischen und Wandbänke das Cafe. Marmortische, Thonetstühle - ein Modell aus dem Jahr 1911 - in klassischem Schwarz, 35 messingvernickelte Wandleuchten und neun große Metallkugellampen, in denen sich die Innenräume spiegeln, sollen darüber hinaus für authentische Wiener Kaffeehausatmosphäre sorgen.

Hochpreisig

Exakt 207 Gäste finden in dem rundum renovierten ehemaligen Künstler- und Literatentreff Platz. Man wolle frühere Stammgäste zurückgewinnen, auch Schachspielen - früher ein Dauersport im Museum - ist erlaubt, versicherte Hausherrin Irmgard Querfeld. Ob sich das alteingesessene Publikum, das in Folge des Loos-Umbaus teils ausgeblieben war, angesichts des durchwegs hochpreisigen Angebots wieder einfindet, wird sich weisen. Für eine Melange muss man jedenfalls 4,40 Euro berappen, eine Kanne Tee schlägt gar mit 4,60 Euro zu Buche und eine 0,33-Liter-Flasche Cola kommt immerhin auf 3,50 Euro.

Jahrhundertwende

Die Wiedereröffnung des Café Museums bringt der Wiener Kaffeehauskultur ein Juwel der Kaffeehaustradition zurück. Zahlreiche Persönlichkeiten gingen hier ein und aus. Gustav Klimt, Egon Schiele, Otto Wagner, Emmerich Kálmán, Elias Canetti, Egon Friedell, Alfred Gerstenbrand, Peter Altenberg, Robert Musil, Karl Kraus, Oskar Kokoschka, Franz Lehár und noch andere Künstler gaben sich im Café Museum einander die Klinke in die Hand.

Für die Rekonstruktion der Zotti-Einrichtung durchforsteten die Querfelds mit Architekt Hans-Peter Schwarz diverse Kellerräume sowie Garagen und Lager privater Sammler. Unter anderem seien 40 desolate Originalstühle, eine Reihe von Tischfüßen, die nun nachgegossen wurden, und 19 alte Wandlampen aufgetaucht, erzählte der neue Pächter, der auch Spartenobmann der Kaffeesieder ist.

Auch in Sachen räumliche Gegebenheiten sei man vor Herausforderungen gestanden. So steht dem Personal lediglich eine Küche von acht Quadratmetern zur Verfügung. Zudem "müssen unsere Lieferanten sehr fit sein", da sämtliche Waren im Keller gelagert werden müssen, der lediglich über eine äußerst schmale Treppe zugänglich sei, so Irmgard Querfeld.

Achtes Cafe

Laut Betreiber habe man die ursprünglich budgetierten 500.000 Euro deutlich überschritten. Querfeld nahm die Mehrkosten heute allerdings sichtlich gelassen. Er habe seiner Bank gesagt, dass es für das Lokal keinen Businessplan gebe: "Wie viel Umsatz wir machen werden? Keine Ahnung. Wir müssen nicht davon leben, wir haben Gott sei Dank noch andere Lokale." Das Cafe Museum ist der mittlerweile achte Standort des Wiener Kaffeehausmoguls. Neben dem Landtmann betreibt Querfeld etwa die innerstädtischen Cafes Mozart und Hofburg oder das Cafe Residenz in Schönbrunn.

Erstmals eröffnet wurde das Traditionscafe, das in einem der ältesten Gebäude der Ringstraßenzone beherbergt ist, im Jahr 1899. Für die Inneneinrichtung zeichnete Adolf Loos verantwortlich, der auf die damals übliche Plüschatmosphäre sowie auf Jugendstilornamente verzichtete. Zu den Stammgästen zählten etwa Otto Wagner, Egon Schiele, Joseph Roth oder Peter Altenberg. In den 1930er Jahren wurden die Räume nach Entwürfen des Josef-Hofmann-Schülers Josef Zotti umgebaut. 2003 entschied sich der damalige Betreiber für ein Revival der Loos-Variante, was jedoch von bescheidenem Erfolg gekrönt war und zur Schließung des Cafes im Vorjahr führte. Folglich kommt nun erneut Zotti zum Zug.

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