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17,19 ProzentPaukenschlag: Novomatic verkauft Casino-Anteile an Sazka

Novomatic verkauft ihren Anteil über 17,19 Prozent an die tschechische Sazka-Gruppe. Damit übernimmt die Sazka-Gruppe die Mehrheit an den Casinos.

© (c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)
 

Die Ermittlungen zur Bestellung des - inzwischen abgelösten - Casinos-Finanzvorstands Peter Sidlo (FPÖ) haben die Fronten im Streit der drei Großaktionäre Sazka, Republik Österreich (ÖBAG) und Novomatic verschoben. Am Dienstag ist es dann Schlag auf Schlag gekommen: Die tschechische Sazka-Gruppe übernimmt den Novomatic-Anteil und ebnet damit den Weg zum Mehrheitseigner der Casinos Austria (Casag).

"Die Novomatic AG hat heute eine Vereinbarung über den Verkauf ihres 17,19 Prozent großen Casag-Anteils mit der Sazka Group geschlossen", teilte Novomatic am Dienstag zu Mittag mit, während zur gleichen Zeit wegen der Causa Sidlo eine außerordentliche Hauptversammlung geplant war - diese wurde aber kurzfristig abgesagt. Ursprünglich wollte Sazka mit dem Aktionärstreffen Sidlo das Vertrauen entziehen.

Aktionäre mit Vorkaufrecht

Wie es in der Aussendung weiter heißt, steht die Transaktion "unter bestimmten aufschiebenden Bedingungen, einschließlich behördlicher Genehmigungen und geltender Rechte anderer Casag-Aktionäre". Bei den Casinos haben die übrigen Aktionäre ein Vorkaufsrecht. Das heißt, sie dürfen im Verhältnis ihrer Beteiligung zum gleichen Preis Aktien aufgreifen. Sie haben dafür ein Monat Zeit.

Mit dem Vorkaufsrecht könnten die ÖBAG und die anderen, kleineren Aktionäre ihre Anteile aufstocken und so die Sazka-Mehrheit auf ersten Blick verhindern. In Gefahr sieht Sazka ihre Mehrheit aber trotzdem nicht, weil es nebenbei noch einen zweiten Deal gibt. Es gibt, wie zu hören ist, eine entsprechende Vereinbarung zwischen Sazka und dem Bankhaus Schelhammer & Schattera. Die Tochterbank der Grazer Wechselseitigen (Grawe) hält noch 5,31 Prozent an den Casinos. Inklusive diesem Anteil dürfte die Mehrheit der Sazka-Gruppe gesichert sein.

Sazka strebte schon seit längerem die Mehrheit an den Casinos Austria an, ein Stimmrechtsvertrag mit Novomatic endete aber im Streit. Nun scheint der hinter Sazka stehende tschechische Milliardär Karl Komarek am Ziel zu sein. Er hält, wenn der Kauf über die Bühne ist, mehr als 50 Prozent und hat damit die alleinige Kontrolle. Somit kann Sazka die österreichischen Casinos auch in ihrer Konzernbilanz konsolidieren.

Die Republik Österreich, die über die Staatsholding ÖBAG einen Minderheitsanteil von 33 Prozent hält, kann mit ihrer Sperrminorität zwar wichtige Entscheidungen blockieren, ist in ihrem Einfluss gegenüber dem neuen Mehrheitseigentümer aber eingeschränkt. Sazka will die ÖBAG trotzdem weiterhin einbinden, wie sie in der Pressemitteilung erklärte. "Die Sazka Group sichert der ÖBAG öffentlich eine faire Vertretung in Aufsichtsrat und Vorstand für die Zukunft zu - unabhängig von der Höhe der Beteiligung der Sazka Group an der Casag."

Wertvolle Monopol-Stellung

Die ÖBAG kündigte an, die neue Situation zunächst einmal bewerten zu wollen. "Die ÖBAG wird die nächsten Wochen nutzen, um gemeinsam mit den anderen Aktionären eine nachhaltige und tragbare Lösung im Sinne der Casag zu finden", hieß es in einer Stellungnahme. Gleichzeitig freute sich die ÖBAG über den Anteilsverkauf ins Ausland: "Unser erstes Ziel der Streitbeilegung zwischen Novomatic AG und Sazka Group ist erreicht."

Ein Kaufpreis für den Novomatic-Anteil wurde weder von Sazka noch Novomatic genannt. Aufgrund der Marktstellung dürfte der Anteil aber viel wert sein. Der Casinos-Austria-Konzern hat seit jeher das Monopol für die 12 heimischen Spielbanken inne. Im Online-Glücksspiel hält die Tochter Win2Day das Monopol.

"Die bisherige Eigentümerstruktur hat zu keiner zufriedenstellenden Entwicklung der Casinos Austria geführt", begründete Novomatic-Chef Harald Neumann den Verkauf. Als kleinster Großaktionär habe man sich entschlossen, die Anteile zu verkaufen, um den Casinos Austria eine klare Eigentümerstruktur zu ermöglichen.

Sazka-Chef Robert Chvatal sagte: "Wir sind überzeugt, dass dies die beste Lösung für das Unternehmen ist. Wir wollen der Casag eine stabile positive Entwicklung in einer langfristigen Partnerschaft ihrer beiden größten Aktionäre sichern."

Ihren Anteil an der Österreichischen Lotterien GmbH wird die Novomatic behalten, wie es darüber hinaus hieß.

Kommentare (18)

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HB2USD
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Dieses

Szenario habe ich bereits am 2.12 . nach der Abberufung von Hr. Sidlo im Kleine Forum vorhergesagt.

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Robinhood
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Privatisierung

Wenn der Staat endlich als Gesellschafter ausscheidet, kann die Politik endlich die Gesetze für das Glückspiel verschärfen. Der derzeitige Interessenskonflikt existiert dann nicht mehr.

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5eb7da484beaee2a044a78a3cf8d3a1e
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Dank Fpö!!!

ausländische Firmen kaufen Österreich auf. Es würde mich nicht wundern, würde auch hier jemand mitkassiert haben.

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HB2USD
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Wenn Sidlo

nicht demontiert worden wäre hätte Novomatik nicht verkauft.

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HB2USD
1
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Der Dank gebührt

denn Gegnern der FPÖ die haben das verursacht.

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Balrog206
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Komisch

Regierte die FPÖ in Germany oder sonst wo auch schon ?

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gonde
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Sollte man da nicht einschreiten?

Alles wird verscherbelt! Ich sehe allerdings kaum Chancen, diesen Deal zu verhindern.

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reschal
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Staat und Glücksspiel...

Die eigenen Bürger bespielen u. anzapfen, z. T. in die Sucht treiben. Na i waß net... des passt net zam.

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ronny999
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Super

- das österreichische Glücksspielmonopol ist dann in ausländischen Händen! Wenn die Politik dies zulässt, ist Österreich noch viel mehr Bananenrepublik als jemals gedacht!

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ES52
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Gratulation

Zuerst verkauft die rote Wr. Städtische an Novomatik, vorher noch die roten Posten besetzt. Dann die brutale Besetzung auf blau.
AR-Vorsitzender in schwarz biegt sich in unglaublicher Weise (Sidlo zuerst bestellt, dann braucht er zwei Anwälte, der eine bestätigt die rechtskonforme Bestellung, der zweite bestätigt die Nichteignung), jetzt wird er selbst entsorgt.
Überall, wo die öffentliche Hand die Finger im Spiel hat, die selben ungustiösen Vorgänge.
Wo ist z. B. die ehemals größte Bank, wie haben sich die Roten gefreut, den Schwarzen die CA abgeluchst zu haben.
Und wo haben sie sie hinverscherbelt?
Hauptsache jede Menge Versorgungsposten, hier halt von Androsch bis Hampel und wie sie alle hießen.... dort die schwarze Reichshälfte um nichts besser

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Mr.T
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Schon interessant...


... kaum schwinden die Chancen, dass es Gesetztesbeschlüsse im Sinne von Novomatic geben wird... verkaufen sie ihre Anteile ins Ausland!

Und wenn das die Auswirkungen der kleinen FPÖ Politik sind... Was geht dann erst alles bei ÖVP ab, die mit der Wirtschaft auf du und du steht?

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HB2USD
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Da der GF

der Novomatik weggemoppt wurde haben sie sich revanchiert.

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wintis_kleine
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Schade, etwas zu spät

denn sonst wäre Hr. Sidlo ganz normal vom Mehrheitseigentümer "entsorgt" worden, der ihn von anfang nicht wollte.

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SoundofThunder
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🤔

Überall wo die Heimatverkaufende FPÖ involviert ist wird Österreichisches Eigentum ins Ausland verkauft. Da hat der Sidlo aber Glück 🍀 gehabt 😏

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HB2USD
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Da die Novomatik

ihren GF Hr.Sidlo durch Bashing verloren hat hat sie eben ihre Anteile verkauft.

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lebaer
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Sie scheinen sich ja auszukennen...

...Fakt ist aber, dass das Kartellamt der Novomatic bei den Casinos die Tour vermasselt hat, lange bevor die FPÖ in der Regierung gesessen ist. Türöffner für Sazka war die VIG = SPÖ, die ihre Casinos-Beteiligung an die Sazka verkauft hat, bevor das Kartellamt einschritt. ÖVP = Leipnik-Lundenburger und Uniqa hätten an Novomatic verkauft, durften aber nicht.

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KarlZoech
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@ lebaer: Danke für Ihre Hinweise! Meiner Ansicht nach hätte die Republik

immer 100 % haben und behalten sollen. Dank der Privatisierung landen Casag-Anteile möglicherweise irgendwann bei höchst zweifelhaften Eignern....

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sapientia
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Karl, sind Sie wirklich der Ansicht, dass

der österreichische Staat im Glücksspiel und damit in tausende Verarmungsgeschichten von österreichischen Familien involviert sein soll?

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