Fast auf den Tag genau drei Jahre ist es her, als der Grazer Stefaniensaal zum letzten Mal der prunkvolle Rahmen für die traditionelle steirische Meisterbriefverleihung war. Nach pandemiebedingter Pause war es gestern Abend wieder so weit. Rund 1400 Gäste feierten die 253 neuen Meisterinnen und Meister sowie die 343 erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen von Befähigungsprüfungen.

Hinter den Zahlen stehen Jahr für Jahr Hunderte bemerkenswerte Berufskarrieren. Eine, die ganz besonders rasant verläuft, ist jene von Stella Ochabauer – ihr wurde nach einem Publikumsvoting der Titel "Meisterin des Jahres" verliehen. Die 20-jährige Feldbacherin hat im Vorjahr ihre Meisterprüfung als Kfz-Technikerin mit Bravour abgeschlossen. Fahrzeuge dominieren nicht nur ihren Berufsalltag – Ochabauer ist mit ihrem eigenen "Stella's Racing Team" auch im Rennsport erfolgreich und absolviert seit ihrem 15. Lebensjahr Bergrallyes und ist Staatsmeisterin im Autoslalom. Die Zuschreibung "Multitalent" rundet der Umstand ab, dass Ochabauer im Februar nun auch noch mit der Matura startet.

Josef Herk, Hermann Talowski, Landesrätin Barbara Eibinger-Miedl und Landeshauptmann Christopher Drexler gratulierten Stella Ochabauer
Josef Herk, Hermann Talowski, Landesrätin Barbara Eibinger-Miedl und Landeshauptmann Christopher Drexler gratulierten Stella Ochabauer
© Fischer

Für Raunen und Staunen im Saal sorgte aber auch der Werdegang von Manuel Kmentt, der ebenfalls für die Wahl nominiert war. Der 27-Jährige stand an diesem Abend gleich doppelt im Rampenlicht. So hat er zum einen den Meisterbrief als Spengler in Empfang genommen, er hat im Vorjahr aber auch die Befähigungsprüfung zum Wertpapiervermittler absolviert. Kmentt spricht selbst von einer "atypischen Karriere". Er hat sowohl eine Konditoren-Lehre abgeschlossen als auch eine Dachdecker- und Spenglerlehre. Den Spengler-Meister hat er in der Tasche, in drei Wochen folgt die Dachdecker-Meisterprüfung. Mittlerweile hat er – als vierte Generation – im Familienbetrieb mit Sitz in Seiersberg die Prokura inne, in fünf Jahren sei die Betriebsübernahme geplant.

Spitzen-Trio bei der Wahl zum Meister des Jahres: Manuel Kmentt, Stella Ochabauer und Philipp Müller mit Moderator Oliver Zeisberger
Spitzen-Trio bei der Wahl zum Meister des Jahres: Manuel Kmentt, Stella Ochabauer und Philipp Müller mit Moderator Oliver Zeisberger
© Fischer

Das Trio der Nominierten komplettierte Philipp René Müller, der ebenfalls in die Kategorie "Serienmeister" fällt. Der 26-Jährige, der 2017 die "Dekorationsmalerei Philipp Müller" in Sankt Marein bei Graz gegründet hat, hat bereits die Berufsmeistertitel in den Bereichen Tapezierer und Dekorateur, Maler sowie Schildermacher inne und zuletzt auch noch die Meisterprüfung als Stuckateur abgeschlossen.

Sie dürfen sich "zu Recht zur Elite in ihrem jeweiligen Beruf zählen", betonte Wirtschaftskammerpräsident Josef Herk. Nur Qualifikation sei die richtige Antwort auf die zentralen Herausforderungen der Zukunft, unterstreicht Hermann Talowski, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk. Hervorgehoben wird auch die Bedeutung für den Wirtschaftsstandort. Viele Meisterinnen und Meister von heute sind die Gründer und Arbeitgeber von morgen. Laut Absolventenbefragung steigt der Anteil von Führungsfunktionen durch den Abschluss dieser höchsten beruflichen Ausbildung von 13 auf 31 Prozent, der Anteil von Selbstständigen von 14 auf 34 Prozent.