Zu Jahresbeginn führte Kroatien die europäische Gemeinschaftswährung Euro ein, Mitte Jänner endete die Phase, in der noch mit der kroatischen Kuna, 30 Jahre die Währung des Nachbarlandes, gezahlt werden konnte. Ebenfalls mit Jahresbeginn trat Kroatien der Schengen-Zone bei, das bedeutet (theoretisch) freie Fahrt von Dubrovnik ohne Grenzkontrollen bis nach Lissabon oder ans Nordkap.

In der Praxis soll das Fallen der Kontrollen zu Slowenien und Ungarn vermehrt nähere und fernere Nachbarn ohne lästige Grenzstaus an die kroatische Adria locken. „Die im Sommer oft stundenlangen Staus sind damit Vergangenheit“, erklärt Sonja Holocher-Ertl, österreichische Wirtschaftsdelegierte in Zagreb. „Davon werden vor allem die Tourismuswirtschaft und der Güterverkehr profitieren.“

Aber nicht nur für Österreicher soll es attraktiver werden, ins beliebte Urlaubsland zu reisen; auch für Kroatinnen und Kroaten werden nun etwa Tagesausflüge in die Steiermark oder nach Kärnten einfacher möglich.

Österreichs Wirtschaftsdelegierte in Kroatien, Sonja Holocher Ertl
Österreichs Wirtschaftsdelegierte in Kroatien, Sonja Holocher Ertl
© Valeri Angelov/KK

Vor allem der Euro-Beitritt führt die kroatische Wirtschaft noch enger an die europäische heran. Wechselkurs-Risiken und -spesen fallen weg, Überweisungsgebühren und Kursabsicherungen sind Geschichte. „Darüber hinaus bringt die Euro-Einführung stabilere Zinssätze und höhere Krisenfestigkeit für den kroatischen Bankensektor“ erklärt Holocher-Ertl.

"Wettbewerbsfähiger und krisenresistenter"

Bereits jetzt gehen fast 70 Prozent der kroatischen Warenexporte in die EU, mehr als Hälfte in Euro-Länder, fast 80 Prozent der Importe kommen der EU. Die Exporte Österreichs stiegen bereits bis Ende September 2022 um 30 Prozent auf 1,45 Milliarden Euro. Auch bei Dienstleistungen ist die Verflechtung mit Österreich bzw. Europa eng. Österreichische Firmen sollen von Euro-Einführung und Schengen-Beitritt profitieren. Kroatiens Wirtschaft wird wettbewerbsfähiger und krisenresistenter und bietet mehr Chancen für Österreichs Unternehmen, ist die Wirtschaftsdelegierte überzeugt.

Für Investoren ist Kroatien aber noch immer keine „g’mahte Wies’n“, das Umfeld verbessere sich nur langsam. „Es gibt leider immer wieder problematische Entscheidungen für Investoren, wie die kürzlich beschlossene rückwirkende Sondersteuer für Übergewinne für Großunternehmen ohne Brancheneinschränkung“, erklärt Holocher-Ertl.

Wird der Euro zum Teuro?

Ob der Euro (auch) für Kroatien nach der Einführung zum Teuro wird? Die kroatischen Medien sind voll mit solchen Berichten; Holocher-Ertl warnt hingegen vor vorschnellen Urteilen: Durch die derzeitige Situation mit generell hoher Inflation – zuletzt lag diese bei 13,5 Prozent – sei es „schwierig zu sagen, was davon dem Euro zuzuschreiben ist.“ Österreichische Urlauber müssen sich jedenfalls auf höhere Preise gefasst machen.

Spitzenreiter auf der Liste brennender Probleme Kroatiens ist die Abwanderung junger, gut ausgebildeter Arbeitskräfte. Von 2011 bis 2021 schrumpfte die kroatische Bevölkerung um fast zehn Prozent. Unvermeidliche Folge: Steigende Überalterung und Arbeitskräftemangel. Eine Trendumkehr sei derzeit nicht in Sicht, aber ein Lichtblick: Firmen berichten immer wieder von Bewerbungen Rückkehrwilliger.

Die Chancen und Potenziale für Kroatien Wirtschaft seien jedenfalls enorm: Etwa im Logistiksektor, wo der Ausbau des Hafens Rijeka und dessen Anbindung an europäische Transportkorridore neue Möglichkeiten eröffne. Auch der kroatische IT-Sektor entwickle sich dynamisch. Und dann gibt es noch Kroatiens „Einhorn“ Rimac, das Elektro-Hypercars herstellt und sich zuletzt Bugatti einverleibte. Holocher-Ertl: „Rund um Rimac könnte in Kroatien ein Cluster für E-Mobilität entstehen.“