13 Jahre leitete Christian Kresse die Kärnten-Werbung, Dienstag, 17. Jänner, ist sein letzter Arbeitstag. Damit geht eine Ära in der Anfang der 1990er-Jahre gegründeten Tourismusorganisation zu Ende. Am Mittwoch übernimmt Klaus Ehrenbrandtner. 

Zwei der drei Gesellschafter – Wirtschafts- und Arbeiterkammer – wollten Kresse um weitere fünf Jahre verlängern, durchgesetzt hat sich Martin Payer, der Chef der Kärntner Beteiligungsverwaltung (KBV), die 60 Prozent der Anteile an der Kärnten-Werbung hält. Für Kresse, der zu Payer und Tourismuslandesrat Sebastian Schuschnig (ÖVP) kein Wort mehr verlieren will, ist es ein Fehler, dass das Land allein bestimmen kann, während die Tourismusverbände nichts zu reden hätten. "Mindestens 30 Prozent der Kärnten-Werbung gehören in die Hände der Tourismusverbände."

"Politik kann über alles drüberfahren"

Auch in Tirol und Salzburg bestimmten die Unternehmer den Kurs der Landes-Tourismusorganisation. Die 30 Prozent sollte die KBV an die Tourismusverbände abgeben, meint Kresse. "Derzeit kann die Politik über alles drüberfahren." Das sei nicht hinzunehmen, zumal das 12-Millionen-Euro-Budget der Kärnten-Werbung zur Gänze aus Tourismusabgaben der Unternehmer gespeist werde, betont Kresse. Die landeseigene KBV, die maßgeblich den Tourismus bestimme, sei von diesem "völlig entkoppelt". Die Tourismusstrukturen gehörten "in die Hände der Hoteliers", sagt Kresse.

Scharfe Kritik übt er an fehlenden Investitionen in touristische Infrastruktur. Kärnten habe bei Bewertungen von Gästen in puncto Zufriedenheit in diesem Punkt die "mit Abstand schlechtesten Werte". Bei Rad- und Wanderwegen hinke es anderen Bundesländern 20 Jahre hinterher, sagt Kresse. Das Land müsse allein in Radwege 15 Millionen Euro jährlich investieren – ein Vielfaches von heute. Kresse tritt zudem für einen stark dotierten Fonds, um zum Verkauf stehende Seegrundstücke zu erwerben, ein. "Das ist wesentlich prioritärer als der Rückkauf des Flughafens." Sonst würden die Kärntner Seen bald "zu Privatseen mit ganz wenigen öffentlichen Zugängen."

"Im engsten Kreis möglicher Nachfolger"

Kaum jemand bestreitet Kresses Tourismus-Know-how. Viele haben ihm daher auch zugetraut, dass er sich für die Nachfolge von Lisa Weddig an der Spitze der Österreich-Werbung (ÖW) bewirbt – und auch reale Chancen zugestanden. Kresse hat mit dem Gedanken gespielt – und sich dagegen entschieden: "Ich gebe definitiv keine Bewerbung ab. Ich könnte bei der ÖW die nötigen Schritte nicht umsetzen", meint Kresse vage. "Ich wäre zum engsten Kreis möglicher Nachfolger zu zählen gewesen."

Stattdessen macht sich Kresse selbstständig – "Das Kresse C" nennt er sein Unternehmen. Der Name entstand aus einem Konflikt um Wetterprognosen des ORF in Wien und steht dafür, dass bei uneindeutigen Wetterlagen die Schönwetter-Prognose zum Zug kommt. Kresse drängte einst darauf. Kresse will sich nicht um Beratung, sondern um konkrete Entwicklung von Tourismusprojekten kümmern. Sein erster größerer Auftrag ist es, Schloss Pichlarn im Ennstal im Auftrag von Besitzer Georg Imlauer weiterzuentwickeln.

"Kein weinendes Auge"

Am Dienstag gehe "nach 13 harten Jahren" ein Kapitel zu Ende, sagt Kresse. "Erreichbarkeit Tag und Nacht, ständiges Troubleshooten. Die Lebensqualität litt enorm darunter." Es gebe daher auch kein weinendes Auge zum Abschied. "Ich arbeite jetzt weiter wie bisher – nur auf privatwirtschaftlicher Ebene."