Anfang des Monats lief die Kommunikation bei der Möbelhauskette Kika/Leiner etwas unrund. Da berichtete der "Standard", dass sich die Eigentümerin Signa Holding von René Benko von einigen der insgesamt 40 Standorten trennen wolle. Nur einen Tag später rückte Kika/Leiner-Chef Reinhold Gütebier aus, um das Gegenteil zu behaupten. Kein Standort werde geschlossen. Gleichwohl räumt Gütebier ein, dass die Situation "herausfordernd" sei und man das Unternehmen auf "stabile Beine" stellen wolle. Seither schweigt der eloquente Manager in der Öffentlichkeit, eine Anfrage der Kleinen Zeitung, wie man die Situation meistern wolle, lässt Gütebier unbeantwortet.

Die Situation? Sie war für den Möbelhandel schon besser. Dafür gibt es Gründe. In den Coronajahren 2020 und 2021 liefen die Geschäfte gut. Viele Haushalte renovierten ihr Heim oder richteten es neu ein. Nicht nur ist der Hype vorbei. Branchenbeobachter wie Andreas Kreutzer (Branchenradar) sagen, dass es 2020 und 2021 viele Vorziehkäufe gegeben habe. "Es war eine Fehlannahme, zu glauben, das geht so weiter." Für 2022 sieht Kreutzer zwar ein nominelles Umsatzplus der Branche von zwei Prozent auf rund 5,15 Milliarden Euro. Doch real komme unterm Strich ein inflationsbedingtes Minus von 3,5 Prozent heraus.

Sanierung nicht geglückt

Der Sprecher des Möbelhandels in der Wirtschaftskammer, Hubert Kastinger, geht bereits von einer Marktbereinigung aus. Damit meint er weniger die vielen Klein- und Mittelbetriebe, die hinter den Riesen XXXLutz, Ikea und Kika/Leiner werken – 6000 sind es in Summe – und größtenteils solide wirtschaften. Von einer erfolgreichen Sanierung könne man bei Kika/Leiner noch nicht sprechen, wenn in der Bilanz vom 30. 9. 2021 ein Verlust von knapp 84 Millionen Euro verbucht sei. Die Branche rechne mit dem Aus für einzelne Standorte. Um Mitarbeiter sorgt sich Kastinger dennoch nicht. "Bei dem Personalmangel werden sie rasch aufgesaugt werden."

In Brunn am Gebirge (NÖ) eröffnete Lutz im Oktober einen 36.000 Quadratmeter großen Flagshipstore
© XXXLutz

Marktführer Lutz gibt sich von den Entwicklungen nach außen völlig unbeeindruckt. Kürzlich eröffnete das Möbelhaus in Brunn am Gebirge auf 36.000 Quadratmeter einen elf Millionen teuren "Flagshipstore". Im Ausland legt der Konzern mit Sitz in Wels ein atemberaubendes Expansionstempo hin, zählt global zu den Top 5. Eine starke Säule bei Lutz ist allerdings der Online-Shop, der über alle Branchen betrachtet, zu den größten des Landes zählt.

Ikea jagt den Branchenprimus

Ikea Österreich bleibt auch trotz der jüngsten Lutz-Expansionsschritte bei seinem kürzlich ausgelobten Ziel, in drei Jahren die Nummer eins im Land zu werden. Das dürfte zwar nicht gegen die Lutz-Gruppe insgesamt mit den Tochtergesellschaften Möbelix und Mömax gelingen, gegen XXXLutz allein scheint der Plan aber nicht völlig illusorisch zu sein.

Denn während das Möbelhaus mit dem großen roten Sessel in Österreich keine weißen Flecken auf der Landkarte hat, ist Ikea mit den großen blauen Einrichtungshäusern nur auf die Landeshauptstädte beschränkt geblieben. Bei Ikea wird es nicht mehr die große Fläche mit den Megaparkplätzen sein, die zusätzlich aus dem Boden gestampft wird, um mehr Umsatz zu machen. Künftiges Wachstum wird klar den ambitionierten Nachhaltigkeitszielen unterworfen.

An welchen Schrauben die Schweden drehen

Schon jetzt spielt sich fast ein Drittel des Geschäfts – konkret knapp 29 Prozent – online oder über "Click und Collect" ab. Mit immer weiter verbesserten Werkzeugen, Möbel per App in die eigene Wohnung zu stellen, soll das noch massiv erweitert werden. In Kombination mit den sehr konkreten Zielen, wann und wo klimaschonend elektrisch ausgeliefert werden kann, ist das die nächste Stufe der Wachstumsprogrammierung.

Flankiert werden die Online-Wachstumspläne allerdings von Dutzenden "Kontaktpunkten", wie Ikea seine neuen Planungsstudios in Innenstädten oder auch seine Abholstationen nennt. In Zusammenarbeit mit Storebox und Billa sollen weitere Abholstationen dazukommen. "Wir wollen flächendeckend mit Abholstationen verfügbar sein", kündigte vor wenigen Wochen die für Transformation verantwortliche Ikea-Managerin Nicole Reitinger an. Auch mit Services wie Lieferung und Möbelaufbau will der Konzern stärker als bisher punkten – bisher eine Domäne der klassischen Möbelhäuser.