Kärnten-Verkauf-Chef, Destinations-Manager und schlussendlich zehn Jahre lang Flughafen-Direktor: Weit über ein Jahrzehnt steuerte Johannes Gatterer die Geschicke des Klagenfurter Flughafens mit. Ende 2012 gab er den Steuerknüppel am Airport aus der Hand, der umstrittene Airport-Chef hatte sich nicht mehr um eine weitere Periode als Flughafen-Direktor beworben. Seither schwieg der Mallnitzer, unter dessen Lufthoheit der Flughafen Höhenflüge – 522.697 Passagiere im Jahr 2005 –, aber auch heftige Turbulenzen – Abflug der Billig-Airlines nach Streichung der Marketingbeiträge und folgende Sinkflüge – verzeichnete. Mit der Kleinen Zeitung sprach Gatterer nun darüber, ob der Klagenfurter Flughafen noch eine Chance hat, die Bruchlandung unter Mehrheitseigentümer Lilihill abzuwenden.

Klagenfurt sei in erster Linie ein Incoming-Flughafen – also "Landeplatz" für Touristen – "weshalb die touristische Schiene im Vordergrund stehen müsste", erklärt Gatterer. Dazu brauche es "entsprechende Angebotsentwicklung, ein massives Hinarbeiten auf eine Ganzjahresdestination und einen durchaus aggressiven Vertrieb".

Ähnlich wie sein Nachfolger Max Schintlmeister appelliert Gatterer an alle Interessensgruppierungen, jetzt den Schulterschluss zu vollziehen, dann hätte der Airport "prinzipiell", eine Zukunft: Politik, Eigentümer, Wirtschaft, Tourismus, Militär, Austro Control, Flugzeughalter und Flugsportvereine. Nur mit einem gemeinsamen Masterplan und der Bündelung der Kräfte könnte die Sicherung des Airports noch gelingen, meint Gatterer.

"Schöne Architektur zählt nicht"

Während seiner "Amtszeit" von 2002 bis 2012 boomte der Flughafen dank Billig-Fluglinien wie Ryanair und TUIfly. Ob das auch heute noch das passende Rezept ist? Gatterer: "Damals wurden die Netzwerk-Carrier von Low-Cost-Gesellschaften verdrängt, in der Zwischenzeit gab es eine Annäherung dieser Geschäftsmodelle." Faktum sei, "eine Airline interessiert nur der Ladefaktor mit entsprechenden Sitzplatzpreisen und damit der betriebswirtschaftliche Erfolg und nicht, ob ein Flughafen über eine schöne Architektur mit Marmor und Kristallglas verfügt".

Johannes Gatterer, Betreiber eines Ferienappartements in Mallnitz, war von 2002 bis 2012 Direktor des Klagenfurter Flughafens
Johannes Gatterer, heute Betreiber von Ferienappartements in Mallnitz, war von 2002 bis 2012 Direktor des Klagenfurter Flughafens
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Die Hoffnung auf Anbindung an einen weiteren Hub teilt Gatterer nicht: "Die Netzwerk-Carrier (wie etwa die Lufthansa, Anmerkung) haben sich den europäischen Markt mehr oder weniger aufgeteilt. Aufgrund der überschaubaren Marktgröße steht Kärnten sicher nicht ganz oben auf der Prioritätenliste. Die Anbindung an einen weiteren Hub sehe ich eher unrealistisch."

"Gründe sollten für Stadt und Land gesichert werden"

Über die Verwertung von nicht betriebsnotwendigen Grundstücken machte man sich schon zu seiner Amtszeit Gedanken, bestätigt Gatterer. "Die Variante war, dass es eine Betriebs- und eine davon getrennte Besitzgesellschaft gibt." Damit wären die nicht für den Flugbetrieb notwendigen Grundstücke für die strategischen Zukunftsprojekte der Eigentümer gesichert gewesen – parallel dazu hätte der Flugverkehr von und nach Klagenfurt weiterentwickelt werden sollen. Bis 2018 waren das noch Land Kärnten und Stadt Klagenfurt. Seither gehört der Flughafen mehrheitlich dem Investor Franz Peter Orasch (Lilihill).

Ob es den Flughafen Klagenfurt in zehn Jahren noch gibt? Gatterer findet klare Worte: Sollte das Interesse für den Airport-Betrieb, "und sei er auch nur in kleinerem Rahmen machbar", im Vordergrund stehen, "dann ja. Wenn es um Infrastrukturprojekte zulasten des eigentlichen Kernbereichs geht, dann nein."