Die Zinsen steigen wieder, doch mit der Rekordinflation steigt der reale Wertverlust in lichte Höhen. Was Finanzprofis jetzt raten. Eine Umfrage in den Chefetagen steirischer Banken.

Nachhaltige Fonds weiter sehr gefragt

Martin Schaller, Raiffeisen Landesbank: Die Sparzinsen beginnen bereits wieder zu steigen. Wir gehen davon aus, dass dieser Trend noch einige Zeit anhalten wird. Aus diesem Grund ist es wichtig, auch andere Veranlagungsformen mit höherer Verzinsung zu überlegen. Aus unserer Erfahrung ist Online-Sparen für den sogenannten Notgroschen immer sinnvoll. Dieser sollte zumindest zwei bis drei Monatsgehälter betragen. Zudem interessant sind für Kundinnen und Kunden weiterhin Anleihen. Aktuell bieten wir etwa in der Raiffeisen-Landesbank Steiermark eine dreijährige Anleihe mit einer Fixverzinsung von drei Prozent jährlich an.
Darüber hinaus sind Nachhaltigkeitsfonds weiterhin sehr beliebt. Diese bieten die Chance auf höhere Erträge und fördern gleichzeitig nachhaltige Unternehmen. Gleichzeitig kann es sinnvoll sein, in energiesparende Maßnahmen beim Eigenheim zu investieren. Denn das senkt langfristig über viele Jahre die Betriebskosten.


Breit gestreuter Mix bei der Veranlagung bleibt wichtig

Gerhard Fabisch, Steiermärkische Sparkasse: Eine Monatsinflation von mehr als zehn Prozent lässt sich abmildern, aber nicht gänzlich ausgleichen. Doch mit einer breiten Streuung ist einiges möglich. Auf Spareinlagen gibt es wieder Zinsen, das ist auch psychologisch sehr wichtig. Wir erwarten hier auch, dass Spareinlagen mit längerer Bindung wieder stärker nachgefragt werden, weil es hier die Chance auf höhere Zinsen gibt. Auch Anleihen werden wieder attraktiver, wir haben rund um den Weltspartag neben Sparprodukten auch ein Anleihenprogramm aufgelegt, hier gibt es je nach Veranlagungshorizont zwischen 2,5 und 3,5 Prozent. Die Entwicklungen und Kursrückgänge auf den Kapitalmärkten, die wir in den letzten sechs Monaten gesehen haben, haben niemandem Freude bereitet, dennoch ist Gelassenheit angebracht. Daher ist auch individuelle Beratung ein so entscheidender Faktor. Gemischte Fonds und für jene Kundinnen und Kunden mit etwas mehr Risikoappetit auch Aktienfonds können sinnvolle Beimischungen sein. Anhaltend hohe Nachfrage registrieren wir bei Nachhaltigkeitsfonds. Ein möglichst breit gestreuter Veranlagungsmix bleibt auch weiterhin die einzig sinnvolle Maßnahme, um das Risiko ordentlich zu managen und auszusteuern.

Chancen mit Aktien und Anleihen

Christian Jauk, Grawe-Bankengruppe: Die Tradition des Weltspartages ist in Österreich stark verankert. Der Gedanke der Gründungsväter war es, das Sparen und die Finanzbildung in der Bevölkerung zu fördern. Fast 100 Jahre später sind beide Gedanken aktueller denn je. Sparen dient dem Schutz und der Vorsorge des Individuums und erfüllt eine nicht überschätzbare gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Manche Sparer sind aber verunsichert, weil die negativen Realzinsen sich weiter fortsetzen. Waren es zuerst die Minuszinsen, ist es jetzt die Inflation, die sich durch Sparvermögen frisst. Alternativen zum Sparbuch finden sich am Kapitalmarkt. Hier ist die augenblickliche Volatilität für unerfahrene Anleger zwar herausfordernd. Erfahrene und langfristig orientierte Anleger sehen im aktuellen Umfeld aber zahlreiche Chancen. Nicht nur Qualitätsaktien sind langfristig interessant. Auch mit Anleihen lassen sich wieder positive Renditen erzielen. Mittlere Laufzeiten bieten Anlegern bereits positive Realzinsen. Am besten lassen sich diese Chancen mit dem richtigen Profi an der Seite nutzen.

Äußerst breit diversifizieren

Herta Stockbauer, BKS Bank: Die Zinsschritte zeigen kleine Effekte, reichen aber nicht zur Inflationsbekämpfung, da die Inflation derzeit vor allem von den Energiepreisen getrieben wird. Bei Spareinlagen sind erste Zinsanhebungen erfolgt, auch auf den Kapitalmärkten sind Auswirkungen sichtbar. So bietet das aktuell hohe Renditeniveau bei Euro und US-Staatsanleihen und Unternehmensanleihen bessere Ertragschancen als im gesamten letzten Jahrzehnt. Die Renditen eines gemischten Anleihen-Portfolios liegen im Moment zwischen vier Prozent und fünf Prozent. Mussten Anleger bis vor Kurzem noch für einen Kaufkrafterhalt verstärkt Aktien in ihr Portfolio legen, finden sie nun auch bei konservativen Anlagen eine breite Spielwiese mit attraktiven Bewertungen vor. Aber: Auch weiterhin sollte jedes Portfolio äußerst breit diversifiziert sein und im Vorhinein ein Veranlagungshorizont von fünf bis zehn Jahren eingeplant werden.


Beratung von Profis nutzen

Daniela Barco, UniCredit Bank Austria: Wir sind davon überzeugt, dass trotz der sehr volatilen Kapitalmärkte mittel- und langfristig nur chancenreiche Investments in Wertpapiere das Potenzial haben, Vermögen zu erhalten und die hohe Inflation zu schlagen. Denn auch weitere Zinserhöhungen durch die Notenbanken werden auf absehbare Sicht nicht das Potenzial haben, mehr Rendite zu erzielen als die Inflation kostet. Wichtig ist aus unserer Sicht dabei aber in erster Linie professionelle Beratung, um keine vermögensgefährdenden Fehltritte zu begehen. Für Einsteiger in den Kapitalmarkt bieten wir mit unserem Anlagepaket eine interessante Kombination aus Sparen und Veranlagen in Wertpapiere mit überschaubarem Risiko: Bereits ab 5000 Euro Veranlagungssumme kann man damit 50 Prozent der Anlagesumme auf einem fix verzinsten Sparkonto mit 1,5 Prozent per anno bei einer Bindung von sechs Monaten ansparen und 50 Prozent längerfristig in ausgewählte Wertpapiere veranlagen.


Höhere Rendite am Kapitalmarkt

Monika Cisar-Leibetseder, Volksbank Steiermark: Nach vielen Jahren sehr lockerer Geldpolitik hat die EZB begonnen, ihre Leitzinsen wieder anzuheben, und damit sind auch die Marktzinsen spürbar angestiegen. Dennoch bleibt der Interbankensatz (Drei-Monats-Euribor) noch immer hinter dem Hauptrefinanzierungssatz zurück, da die Banken gut mit Liquidität versorgt sind. Auch langfristige Renditen sind im Vergleich zur Inflation niedrig, insbesondere für sehr lange Laufzeiten und sehr gute Bonitäten. Die Geldentwertung wird dadurch zwar etwas gelindert, aber keinesfalls eingedämmt. Je nach Anlagehorizont, Sicherheitsbedürfnis und persönlicher Einschätzung der weiteren Entwicklung bieten sich verschiedene Sparprodukte an. Eine mögliche höhere Rendite und damit eine annähernde Abgeltung der Inflation – jedoch verbunden mit höheren zwischenzeitlichen Risiken – stellt nur der Kapitalmarkt in Aussicht. Eine individuelle Auswahl kann ausschließlich im Rahmen professioneller Beratung gewährleistet werden.


Gelegenheit bei trüber Stimmung

Heimo H. Haidmayer, Schoellerbank: Die hohe Inflation und nach wie vor niedrige Sparzinsen machen Börseninvestments zum Vermögenserhalt weiterhin alternativlos. Wir raten daher dazu, je nach Risikoneigung einen bestimmten Anteil des Vermögens in hochqualitative Aktien zu investieren. Auf den ersten Blick motivieren die aktuellen Schlagzeilen und die Krisenstimmung nicht gerade zur Geldanlage. Tatsächlich zeigen jedoch sowohl die historischen Daten als auch unsere Erfahrung seit 1992 in der Schoellerbank Vermögensverwaltung, dass sich gute Investment-Gelegenheiten in der Regel dann ergeben, wenn die Stimmung auf dem Börsenparkett trüb ist und die Bewertungen zugleich attraktiv sind. Auf mittlere Sicht sehen wir deshalb derzeit viele günstige Signale für selektive Aktienkäufe von Unternehmen mit herausragenden Geschäftsmodellen und soliden Bilanzen. Anlegerinnen und Anleger sollten diese jetzt vorhandenen Chancen zur Absicherung ihres Wohlstands nutzen.

Neubewertung aller Assetklassen

Ernst Albegger, Hypo Vorarlberg: Die Zinswende hat einen Bärenmarkt eingeleitet, bei dem sowohl Aktien- als auch Anleihekurse starke Rücksetzer erleiden mussten. Strukturell hat die neue Zinslandschaft zu einer Neubewertung aller Assetklassen geführt, ein Vorgang, welcher aus unserer Sicht bereits weit fortgeschritten ist. Entsprechend wird der Kapitalmarkt für mutige Investoren attraktiver. Aktuell ist Diversifikation angesagt. Das heißt, international ausgerichtete Allokationen bestehend aus Aktien, Anleihen und alternativen Investitionen sind im Trend. Besser bekannt ist dieses Phänomen unter dem Begriff "Asset Price Inflation". Europa befindet sich im Wandel, darum setzen viele Investoren auf eine globale Aufstellung.