Großanlagen wie jene, die gerade im oststeirischen Neudau in Betrieb gegangen ist, oder jene in Bärnbach, die noch heuer folgen soll, sind erst der Anfang. Insgesamt sollen in der Steiermark in den nächsten Jahren – neben rund 250 zusätzlichen Windkraftwerken – so viele neue Fotovoltaikanlagen entstehen, dass sich die gesamte PV-Leistung im Bundesland bis 2030 vervierfacht. Dabei liege man mit 532 Megawatt Peak – das entspricht 19,1 Prozent der gesamten PV-Leistung Österreichs oder Leistung von 31 mittleren Murkraftwerken wie jenem in Graz – bereits heute im bundesweiten Spitzenfeld, so Martin Graf, Vorstand der Energie Steiermark. Der Ausbau im Erneuerbaren-Bereich sei aber zwingend nötig, „um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen“. Die Widmung von 960 Hektar Fläche in 40 steirischen Gemeinden, auf die sich die Landesregierung geeinigt hat, sei hier ein wesentlicher Schritt gewesen.

Eine Herkulesaufgabe sei nun aber rund um die Netzinfrastruktur zu stemmen, „wer Ja zu Ökostrom sagt, muss auch Ja zum Netzausbau sagen“, betont Graf. Insbesondere der Boom bei Fotovoltaikanlagen – auch im privaten Bereich – mache eine „völlig neue Architektur sowie Verstärkungen und einen teilweisen Ausbau unserer Stromnetze notwendig, weil der regionale Transportbedarf in den Netzen massiv ansteigt“. Dafür sei nun ein „Masterplan Stromnetzausbau“ ausgearbeitet worden, sagt Graf. Dieser sieht bis 2030 Netzinvestitionen von mehr als einer Milliarde Euro in der Steiermark vor.

Entkoppelung

Heuer wird der Zuwachs bei weiteren 80,6 Megawatt liegen. Die PV-Leistung in den Netzen wird sich bis 2030 vervierfachen, so die Prognose. Das derzeit insgesamt 32.000 Kilometer lange steirische Stromnetz hat sich in den vergangenen Jahren am jeweiligen regionalen Bedarf orientiert. Früher sei der Ausbau von Erzeugungskapazitäten und von Netzinfrastruktur weitgehend synchron erfolgt, so Graf. „Das ist jetzt anders, wir sehen eine Entkoppelung, PV-Anlagen sind viel schneller genehmigungsfähig und errichtbar als die Netze. Dort, wo auch aus der Historie heraus große Produktionsbetriebe beheimatet sind, ist die Netzinfrastruktur besser gerüstet. In der Oststeiermark ist das beispielsweise kaum der Fall, „daher liegt dort ein Schwerpunkt unserer Investitionen, wichtige Teilstücke werden bereits 2023 umgesetzt, bis 2027 erfolgen sukzessive weitere Ausbauschritte“. Auch im Mur- und Mürztal sowie in der Weststeiermark gibt es bereits Zeitpläne für die Umsetzungen bis 2027.

Unmutsbekundungen über Abweisungen

Mit den Anlagen steigen auch die Ansuchen um Netzeinspeisung – und hier gab es zuletzt immer wieder Unmutsbekundungen über Abweisungen. Kritik, die Graf nicht unwidersprochen lassen will. Zum einen verweist er darauf, dass allein heuer bereits fast 24.000 sogenannte Netzverträglichkeitsprüfungen durchgeführt worden sind (2021 waren es 12.178) – 73 Prozent der Kundinnen haben eine volle Einspeisezusage für ihren eigenen Anschlusspunkt erhalten, weitere 22 Prozent für den nächstgelegenen Trafo. Bei weiteren drei Prozent ist es aufgrund der technischen Gegebenheiten netzneutral zu gestalten, sie können also nicht zusätzlich einspeisen, „hier versuchen wir, entsprechende technische Lösungen zu finden und aufzuzeigen, bis wann die Netze so verstärkt sind, dass das möglich ist“. Bei zwei Prozent gehe es aufgrund der Größe der Anlagen nur in vorgelagerten Netzen. Allein heuer werden knapp 5800 zusätzliche Zählpunkte nur für PV-Anlagen hinzukommen – so viele, wie es 2020 und 2021 zusammengerechnet waren.

Zusagen im Umfang von rund 900 Megawatt

Aktuell gebe es gültige Zusagen im Umfang von rund 900 Megawatt für weitere Anlagen in den Energienetzen Steiermark. Der Prozess für die entsprechenden Ansuchen sei 2019 digitalisiert worden, dadurch habe sich die durchschnittliche Bearbeitungszeit von 42 auf drei Tage verkürzt, so Graf. Den Vorwurf, wonach zahlreiche dieser Verfahren bei der Schlichtungsstelle der Regulierungsbehörde anhängig seien, relativiert Graf: „Es sind genau 15 Fälle – und das bei fast 24.000 Netzverträglichkeitsprüfungen.“