Dass nicht nur Pädagogen oder Bildungswissenschaftler, sondern etwa auch Juristen einer Pädagogischen Hochschule (PH) als Rektor vorstehen, ist eine recht neue Entwicklung und Ausdruck der Öffnung hiesiger "Bildungstempel". Bildungsthemen sind dem neuen Rektor der PH Kärnten, Sven Fisler, dennoch keineswegs fremd – im Gegenteil: Nahezu seine gesamte Laufbahn durchziehen zwei Konstante: intensive Beschäftigung mit Bildungsfragen sowie berufliche Veränderung.

Seit dem März in Klagenfurt

Nach Klagenfurt zog Fisler im März 2020, damals als frischgebackener Vizerektor für Forschung und Entwicklung. "Unmittelbar mit dem Lockdown", erinnert sich der sympathische Norddeutsche aus Kiel im Bundesland Schleswig-Holstein. Seine Aufnahme in Kärnten, erinnert er sich, war sehr herzlich – "gemeinsam wurde das Corona-Krisenmanagement bewältigt", denkt Fisler zurück. Gut 15 Jahre verbrachte er zuvor in Wien, die berufliche Stationen sind Ausdruck seiner vielfältigen Interessen. Seine Karriere startete er bei der die Arbeiterkammer; später arbeitete er als Bildungsreferent bzw. stellvertretender Kabinettschef für drei SPÖ-Bildungsministerinnen – Claudia Schmied, Gabriele Heinisch-Hosek sowie Sonja Hammerschied, – ehe er zum Vizerektor für an der PH Wien ernannt wurde. "Hier fing ich dann Feuer."

Unternehmer in Spanien

Einige Jahre früher schlug Fisler eine erfolgreiche unternehmerische Karriere ein. Vor fast 20 Jahren gründete der heute 51-Jährige das Unternehmen Lern:Raum im spanischen Irún, das den Fokus auf Weiterbildung legte. In Firmenkursen wurden etwa interkulturelle Trainings angeboten sowie Wissen zur Verhandlungsführung vermittelt. Nach drei Jahren verkaufte Fisler sein Unternehmen und sagte Spanien (und seiner damaligen Partnerin) Adios. Rückblickend bleibt "eine Horizonterweiterung. Ich habe ein Unternehmen gegründet, Mitarbeiter angestellt, einen Kredit aufgenommen – also Verantwortung für andere übernommen".

"Kommt noch was?"

Ähnlich wie zuvor in Spanien betrat Fisler auch in Kärnten 2020 Neuland. "Ich bin auf die 50 zugegangen und fragte mich: Kommt noch was?" Zwei Jahre nach dem Amtsantritt bewarb er sich um die Nachfolge von Gründungsdirektorin Marlies Krainz-Dürr als Rektor der PH Kärnten. Er bekam die Stelle.

"In Kärnten arbeiten und leben zu dürfen ist ein Privileg", sagt er, der den Alpen-Adria-Raum aber nicht nur zu privaten Erkundungen nutzt, sondern auch als den Entwicklungsraum für die Pädagogische Hochschule definiert. Zu Mittag ans Meer zum Wellenreiten wie einst in Irún ist hierzulande zwar eher schwer möglich, dafür ortet er eine andere, bedeutende Parallele – die Vorzüge hiesiger Zweisprachigkeit, so wie einst im Baskenland. "Sie ist unser Alleinstellungsmerkmal in Kärnten."

Vorgezeichnet war sein Weg nicht

Bildung und finanzieller Wohlstand waren Fisler keineswegs in die Wiege gelegt. Aufgewachsen ist der Neo-PH-Chef in einem kleinen Ort in Schleswig-Holstein mit kaum 100 Einwohnern. Der Vater Maschinenschlosser, die Mutter Erzieherin. "Ich war der Erste in der Familie, der ein Abitur absolvierte und studierte – in Kiel, Göttingen und Wien." Konkret Jus und Sozialwissenschaften, in Wien promovierte er zum Doktor der Rechtswissenschaften. Vorgezeichnet war der Weg aber nicht – Fisler beschreibt sich selbst als "schwierigen, rebellischen Schüler", der zum Glück sehr gute Lehrer hatte, "die an mich glaubten, mich ermutigt haben und meine Stärken erkannten."

Grundmotivation aus der Lebensgeschichte

Diese Erfahrung prägt Fisler: "Auch wir befähigen Lehrer, damit diese wiederum junge Menschen befähigen, ihren Weg zu gehen." Diese "Grundmotivation" ergibt sich aus seiner Lebensgeschichte. "Wir müssen unseren Absolventen bewusst machen, dass es hier um Lebenschancen geht." Er selbst habe sehr von seiner Schulausbildung profitiert.

Richter, Staats- oder Rechtsanwalt wollte er nie werden, sagt er. "Das erschien mir zu einseitig, ich wollte in gestaltender Rolle mit anderen Menschen tätig sein." Seine familiären Wurzeln in den Norden Deutschlands sind nach wie vor präsent. Ein- bis zweimal im Jahr besucht er Eltern und Freunde in Schleswig-Holstein

"Vorteil eines anderen Blicks"

Dass er nicht "aus dem System" kommt, sieht Fisler als Stärke. "Ich habe den Vorteil eines anderen Blicks. Ich stelle andere Fragen." Es sei aber zentral, im Führungsteam fachlich exzellente Personen zu haben – in seinem Falle sind dies Vizerektor Georg Sitter (Lehre und Schulentwicklungsberatung) sowie Elisabeth Windl (Forschung, Bildungskooperationen und Qualitätsmanagement).

Rektor Sven Fisler
Rektor Sven Fisler
© Thomas Hude

Mit seinem Team verfolgt er mehrere Stoßrichtungen – so soll die traditionelle Stärke in den Mint-Fächern ausgebaut und die Zweisprachigkeit weiter forciert werden. Den großen Humanisten Viktor Frankl, Namensgeber der Hochschule, will Fisler als Marke stärker nutzen und Führungskräfte besser qualifizieren. Lehrer sollen im Digitalbereich verstärkt unterstützt werden. Wert legt der Rektor auf internationale Kooperationen, vor allem im näheren Umfeld: "Der Alpen-Adria-Hochschulraum ist um 25 Prozent größer als der österreichische." Kärnten solle "die Pädagogische Hochschule im Alpen-Adria-Raum werden".

"Größer als manche glauben"

Rund 5000 Studierende sind an der PH Kärnten derzeit eingeschrieben, Fort- und Weiterbildung inklusive. "Wir sind größer, als manche glauben", meint Fisler. Der begeisterte Sportler und "Teamplayer" legt im Austausch mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern "viel Wert auf Offenheit". Und auf "Integrität, Transparenz und Fairness".

Obwohl er schon lange in Österreich wohnt, norddeutsche Vorzüge hat er sich erhalten: "Ich kommuniziere direkt und komme gerne auf den Punkt." Norddeutsche Klarheit signalisiert auch sein Büro – es punktet mit Purismus: "Das Büro ist ein Denkraum – da brauche ich klare Linien", sagt Fisler, der sich mit seiner Fernbeziehung ein Standbein in Wien erhalten hat – seine Lebenspartnerin, eine Managerin, lebt in der Bundeshauptstadt.