Sie waren selbst Energie- und Wirtschaftsminister, haben in dieser Funktion im Jahr 2006 auch den kurzfristigen, aber markanten Gaslieferausfall miterlebt – sind die Sorgen über die Gasversorgung berechtigt?
MARTIN BARTENSTEIN: Wenn uns unsere Experten sagen, dass wir mit den Gasreserven kurzfristig einmal auskommen, gut so. Aber man wird sich ernsthaft auf den nächsten Winter vorbereiten müssen. Die letzten Tage haben uns gezeigt, dass man auch mit dem Schlimmsten, dem Worst Case, rechnen muss. Man muss schon festhalten, dass sich Russland immer verlässlich an die Lieferverträge gehalten hat, auch während des Kalten Krieges. Doch Putin ist nicht zu trauen, das mussten wir lernen. Er hat zwar die Welt in den vergangenen Wochen beispiellos zum Narren gehalten, er kann aber kein Interesse daran haben, dass Erdgaslieferungen gestoppt werden. Natürlich nicht aus Sympathie gegenüber Europa ...
Ex-Minister Martin Bartenstein
"Als Unternehmer sollte man derzeit dick und warm angezogen sein"
Unternehmer Martin Bartenstein, früherer Wirtschafts- und Energieminister, fordert die "Putin-Versteher" im Land auf, "zu schweigen und in sich zu gehen". Die Sanktionen gegen Russland seien wichtig und notwendig, wiewohl sie auch in Europa und Österreich Schmerzen verursachen.
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