Keine Trendwende in SichtHistorischer Tiefstand: Automarkt in Deutschland bricht ein

Chipkrise und ihre Folgen: Pkw-Neuzulassungen fielen im Dezember um 26,9 Prozent. Neuregistrierungen 2021 um zehn Prozent gesunken. Experten sehen keine Trendwende.

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Der Chipmangel hat den Autoabsatz in Deutschland auf den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung gedrückt. 2021 kamen nur 2,62 Millionen Neuwagen auf die Straßen. Das waren 10 Prozent weniger als im coronabedingt bereits schwachen Vorjahr, wie das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Mittwoch mitteilte und damit Informationen der Nachrichtenagentur Reuters bestätigte. Im Dezember fielen die Neuzulassungen um 27 Prozent auf knapp 228.000 Fahrzeuge.

Damit schrumpfte der Automarkt im letzten Monat des Jahres zwar nicht mehr ganz so rasant wie beim Einbruch um 32 Prozent im November. Insgesamt lag er aber auf dem niedrigsten Niveau seit 1990.

Teilemangel und Lieferengpässe

In der Statistik der Flensburger Zulassungsbehörde stand bei den meisten Herstellern im vergangenen Jahr ein Minus. Unter den deutschen Automarken verbuchten lediglich Opel und Smart Zuwächse. Auch Porsche legte zu. Gefragt waren vor allem Elektroautos, deren Kauf durch staatliche Prämien gefördert wird. Tesla steigerte die Zulassungen um 138 Prozent. Autos mit Verbrennungsmotoren fielen weiter zurück. Der Anteil von Dieselautos an den Neuzulassungen sank auf 20 (Vorjahr 28) Prozent. Ähnlich stark war der Rückgang bei Benzinern, deren Anteil um fast zehn Prozentpunkte auf 37 Prozent fiel.

Insgesamt war die Stimmung in der durch Teilemangel und Lieferengpässe gebeutelten Autobranche so schlecht wie seit Langem nicht. Die Lage hat sich laut Ifo-Institut im Dezember bereits den fünften Monat in Folge verdüstert. "Diese abermalige Verschlechterung ist von den Herstellern getrieben, nicht von den Zulieferern", sagte Oliver Falck, der das Ifo-Zentrum für Industrieökonomik und neue Technologien leitet. Die Geschäftserwartungen der Zulieferer sind zudem so pessimistisch wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. "Die jüngsten Ankündigungen von Autoherstellern, ihr Engagement in China weiter auszubauen, drückt sicherlich auf die Stimmung insbesondere mittelständischer Zulieferer, die stark von der Automobilproduktion in Deutschland abhängen", sagte Falck.

Keine rasche Besserung

Im Gleichschritt mit dem schrumpfenden Pkw-Absatz sank auch die Produktion. Von den Bändern der deutschen Autohersteller liefen im vergangenen Jahr mit 3,1 Millionen Fahrzeugen zwölf Prozent weniger Autos als im Vorjahr. Auch der Export stockte. Mit rund 2,4 Millionen Fahrzeugen gingen nach VDA-Angaben zehn Prozent weniger ins Ausland. Branchenexperten erwarten nach dem rabenschwarzen Jahr 2021 keine rasche Besserung: "Eine Trendwende ist nicht in Sicht", sagt Peter Fuß, Autoexperte der Unternehmensberatung EY. Er geht davon aus, dass die Engpässe bei Halbleitern und anderen Vorprodukten das gesamte Jahr über zu spüren sein werden. Auch 2022 werde ein Krisenjahr sein.

Angesichts des hohen Auftragsbestandes und einer leichten Entspannung in der Chipversorgung dürften 2022 allerdings mehr Fahrzeuge ausgeliefert werden als im vergangenen Jahr. Der Importeursverband VDIK rechnet mit einem Anstieg der Zulassungen um 15 Prozent auf rund drei Millionen. Der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) plant seine Jahrespressekonferenz nun voraussichtlich Anfang Februar und wird dann wahrscheinlich auch eine Prognose bekannt geben.

Kommentare (9)
wischi_waschi
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AUTOJAHR

Meine Meinung ist, die Politiker haben aber überhaupt keine Ahnung von der Autoindustrie.......
Elektrofahrzeuge sind sicher nicht die Zukunft........
Ich, habe einen kleinen Diesel und das wird auch so bleiben..........
Ich, hoffe das wir irgend wann mal mehr Intelligenz in der Regierung haben....
Schaut aber nicht danach aus..........

Miraculix11
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Man stelle sich vor

Die Kleine Zeitung will plötzlich nur mehr als E-Book verkaufen, Apple will nur mehr Uhrmodelle machen oder Red Bull nur mehr in Literflaschen vekaufen. Was würde das für den Absatz bedeuten? Nur die Autohersteller glauben sie können den Käuferwunsch ignorieren.

2ec0300a7a8d1760f5c4e7e09f3fe22
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Wer soll jetzt schon Autos kaufen?

Die E Autos noch unausgereift und für Langstrecken im Winter (noch) untauglich oder unerschwinglich.
Einen Verbrenner kaufen, ist wirtschaftlicher Wahnsinn, denn wer wird das gebrauchte Teil in ein paar Jahren noch kaufen und wenn zu welchem Spottpreis?
Also bleiben nur die Käufer über die absolut scharf auf ein neues Auto sind und die die eben unbedingt kaufen müssen.
War eben nicht ganz zu Ende gedacht, das Aus der Verbrenner zu verkündigen.
Letztlich für die Umwelt auch nicht gut, denn neue Verbrenner sind meist energieeffizienter als alte Autos.
Wird wohl wieder so wie bei der Energiesparlampe ein wirtschaftliches (zumindest für die Konsumenten) und umwelttechnisches Desaster.
Aber meist ist das Mundwerk bei Politikern schneller als ihr Hirn folgen kann.
Beim Strom bzw. Heizen wird es auch nichts anderes sein, das CO2 Ziel werden die meisten EU Staaten nur durch Neubau von Kernenergie erreichen können.
Umweltschutz ist immens wichtig, aber auch da muss man strategisch denken. (können)

haraldk1969
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Das

ganze wird von den Autobauern gesteuert,will man einen Verbrenner kaufen sind Lieferzeiten bis zu 1 Jahr,
kauft man einen Elektro kann man das Auto in ein paar Wochen haben .Da den Elektro keiner haben will, und man so viele vorgebaut hat.
Den wenn man einen Chip Mangel hätte könnte man auch keinen Elektro bauen .

Stratusin
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Ist aber auch logisch,

wenn man schon nicht genug Autos liefern kann, wird man nicht die liefern für die man Strafsteuer zahlt. Stichwort CO2-Steuer. Verbrenner verkauft man außerhalb der Eu. Wo es keine Strafe dafür gibt.

petera
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Ist ja eigentlich positiv diese Entwicklung

Vor allem hinsichtlich der Erreichung der Klimaziele.

Die Jobs wandern anscheinend so oder so in den fernen Osten.

Immerkritisch
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Porsche legte zu!

Keine Frage, durch die oft künstlich herbeigeführten Engpässe und auf Lager gelegten Waren - Spekulationsgeschäfte - haben sich viele eine GOLDENE NASE verdient.
Jede Krise hat ihre Gewinner!

helmutmayr
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Wenn die Chips alle

Verimpft werden, dann gibts keine Autos. Fragt mal die Impfverweigerer. Kickl hat da sicher eine Studie zur Hand.😂

egubg
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Verloren!

Wer mit China Geschäfte macht ist am Ende nur mehr Zaungast in seiner ehemals eigenen Fabrik oder Firma. China ist politisch dem nationalsozialistischen Deutschland ähnlich oder genauer ein Spiegelbild dieser ehem. deutschen Politik und vielleicht dämmert es den Managern und auch den Politikern, - wenn es bei vielen Dingen nicht zu spät ist.