Arbeitsbedingungen AK kritisiert Amazon: Verantwortung an Subunternehmer ausgelagert

Rund 130 Subunternehmen mit 400 Fahrern für den US-Konzern in Österreich tätig. Arbeiterkammer und vida fordern Subunternehmer-Haftung. Razzia im Vorjahr mit zahlreichen Verstößen. Amazon: Studie basiert auf nur 15 Interviews, "wir ergreifen Maßnahmen, falls ein Lieferpartner die Erwartungen nicht erfüllt".

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
© APA/Hans Klaus Techt
 

Arbeiterkammer (AK) und Wirtschaftsuniversität (WU) Wien haben die Arbeitsbedingungen migrantischer Zusteller beim US-Onlinekonzern Amazon hierzulande unter die Lupe genommen - ihr Fazit: Diese arbeiten unter besonders schlechten Arbeitsbedingungen, wenig Anerkennung und extra geringer Bezahlung. Dies zeige sich auch in der arbeitsrechtlichen Beratung der AK Wien und der Gewerkschaft vida.

Die Arbeiterkammer wie die vida fordern eine Subunternehmerhaftung, wie es sie beispielsweise am Bau gibt. "Ohne eine gesetzliche Versenderhaftung können Dumpingpreise im Hintergrund und ohne Verantwortung weiter von Konzernen diktiert werden und das Ausbeuterkarussell kann sich weiterdrehen", so vida-Bereichsexperte Karl Delfs.

400 Fahrer für 130 Subunternehmer tätig

"Die häufigsten Anliegen, mit denen sich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem Bereich Kleintransportgewerbe an uns gewandt haben, waren Lohnrückstände, unberechtigte Abzüge von Beträgen, unbezahlte Überstunden, nicht eingehaltene Ruhezeiten oder fehlendes Tagesgeld. Der Druck auf die Beschäftigten ist immens, die Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes groß", so AK-Arbeitsrechtsexpertin Bianca Schrittwieser heute vor Journalisten.

Amazon würde sich durch das Auslagern der Zustellung an Subunternehmen im Kleintransportgewerbe der Verantwortung entziehen. Darum fordere die AK auch schon lange eine Haftung des Erstauftraggebers für Löhne. Rund 400 Fahrer seien für 130 Subunternehmer im Bereich Amazon tätig, wobei die Zahlen aufgrund der Fluktuation stark schwanken würden.

Amazon: "Wir erwarten erstklassiges Arbeitserlebnis"

Ein Sprecher von Amazon hielt heute zu den Vorwürfen von AK und vida fest: "Die Studie basiert auf nur 15 Interviews von handverlesenen Personen, die für ihre Teilnahme bezahlt wurden. Sie kann daher gar nicht die Erfahrungen der Hunderten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kleiner und mittlerer Zustellunternehmen in ganz Österreich widerspiegeln, die jeden Tag Pakete zu Kunden bringen. Wir erwarten ein erstklassiges Arbeitserlebnis, führen eigene Nachforschungen durch und ergreifen Maßnahmen, falls ein Lieferpartner die Erwartungen nicht erfüllt."

Er betonte, dass Amazon in Österreich mit weniger als 30 Lieferservicepartnern zusammenarbeite, die wiederum aktuell rund 500 Arbeitsplätze sicherten. Zu der Razzia der Finanzbehörden 2020 nahe Wien meinte der Sprecher zur APA, dass bei einer zweiten Untersuchung "fast keine Verstöße" mehr festgestellt worden seien.

Genaue Arbeitszeitaufzeichnungen fehlten oft

Als Beispiel für die Arbeitsbedingungen wurde heute bei einem Pressegespräch von AK und WU angeführt: Wartezeiten im Lager oder die Zeit, die benötigt wird, um die leeren Amazon-Taschen wieder zu retournieren, würden weder als Arbeitszeit gewertet noch bezahlt. Auch genaue Arbeitszeitaufzeichnungen fehlten oft. Außerdem würden Dienste kurzfristig gestrichen oder angeordnet. Arbeitnehmern würden willkürlich Beträge vom Lohn abgezogen. In einigen Fällen sei Urlaub abgezogen worden, obwohl für den Zeitraum eine ordentliche Krankmeldung vorgelegen habe.

Im Februar 2020 fand eine Großrazzia bei einem Amazon-Verteilzentrum Großebersdorf bei Wien statt. Im Visier stand nicht Amazon selbst, sondern die Subfirmen, die im Großraum Wien die Pakete ausliefern. Die Finanzpolizei ging dem Verdacht der gewerbsmäßigen Schwarzarbeit nach. Laut Ermittlungsergebnissen der Finanzpolizei von Jahresbeginn heuer gab es 987 Beanstandungen, darunter Schwarzarbeit und Abgabenhinterziehung. "Ich kann mich an keine Kontrolle erinnern, bei der wir auf derartig viele Gesetzesübertretungen gestoßen sind", sagte der Leiter der Finanzpolizei im BMF, Wilfried Lehner. "Das ist einmalig. Bei einem korrekten Beschäftigungsverhältnis geht sich die Kalkulation fast nicht aus", fasste Lehner zusammen.

Delfs fordert, dass wie bei Lkw und Bussen auch in gewerblich genutzten Kleintransportern unter 3,5 Tonnen ein digitales Kontrollgerät zur Aufzeichnung von Lenkzeiten eingebaut werden muss. Zur Kontrolle von Sozialbetrug und Scheinselbstständigkeit sei zudem dringend eine personelle Aufstockung der Finanzpolizei notwendig, so Delfs und Schrittwieser.

Kommentare (5)
Hazel15
0
4
Lesenswert?

Subunternehmer

Ist auf dem Bau gang und gäbe. Fragen sie da mal, was es hier für Arbeitsbedingungen gibt. Die durch gewollte Schikanen und Strafzahlungen nach beendigung der Baustelle mit minus aussteigen. Ganz legal, durch österr. Baufirmen. Das ist gang und gäbe. Wo sind die Berichte darüber. Nicht Amazon, bei uns wird das gleiche vollzogen.

jaenner61
0
6
Lesenswert?

und wo ist jetzt der unterschied

zu vielen anderen paketzustelldiensten die uns tagtäglich beliefern? auch dort ist es gang und gäbe, dass die fahrer nicht das unternehmen dessen name groß am auto zu lesen ist fahren, sondern für einen subunternehmer zu ähnlichen bedingungen arbeiten.

SoundofThunder
6
2
Lesenswert?

😏

Komisch. Wo sind denn unsere altbekannten Kritiker? Schweigen im Walde?😏😏😏😉

SoundofThunder
8
3
Lesenswert?

PS

Die bauen im Süden von Graz ein Logistikcenter. Und mit Hilfe des AMS werden dort sicher viele Zwangsverdonnert.Aber solche Arbeitsverhältnisse sind doch das Nonplusultra für die Türkisen.

Balrog206
0
5
Lesenswert?

Mit

Den 300000 die jetzt beim Ams sind gewinnst du nicht einmal die goldene Ananas ! Probierst doch mal aus