Preise explodieren"Einige Makler in Kärnten sind bereits ausverkauft"

Wohnungen werden für junge Menschen unleistbar, warnt der Immobilienfachmann Reinhold Lexer. "Der Anteil für das Wohnen am Einkommen ist viel zu hoch."

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Der Traum vom Eigenheim ist für viele unleistbar geworden
Der Traum vom Eigenheim ist für viele unleistbar geworden © Bernd Leitner - Fotolia
 

Was spielt sich derzeit am Immobilienmarkt ab – in Österreich sind Neubauwohnungen laut Deloitte sogar die teuersten in ganz Europa?

REINHOLD LEXER: Die Nachfrage nach Wohnungen des Großkapitals ist enorm – auf der Bank ergeben sich Minuszinsen und daher werden selbst bei einer Rendite von einem Prozent Wohnungen von Fonds gekauft. Und die niedrigen Zinsen erleichtern die Rückzahlungen. Dadurch explodieren die Preise. Das hat nichts mit Ferienimmobilien zu tun – dort geht es darum, dass Leute, die sich das leisten können, bereit sind, Preise zu zahlen, die für uns Fachleute zu hoch sind. Die jüngsten Teuerungen haben natürlich auch mit den steigenden Baukosten zu tun. Das ist aber nur ein Teil der Erklärung.

Welche Konsequenzen hat das für Wohnungssuchende?

Was mich als politischen Menschen beschäftigt: Wenn sich jetzt junge Leute Wohnung kaufen, müssen diese zwei, drei Generationen lang zurückgezahlt werden, während in der Bauwirtschaft enorme Gewinne gemacht werden. Gewinne ja, aber nicht auf Kosten der jungen Menschen.

KK Immobilienexperte Reinhold Lexer
Immobilienexperte Reinhold Lexer © KK

Zur Person

Reinhold Lexer (63), früherer Landtags- und Nationalratsabgeordneter der ÖVP und Chef der Kärntner Volkspartei, ist seit über 30 Jahren als Immobilienmakler tätig.

Lexer Immobilien betreibt Büros in Wien und Kärnten.

Wer streift diese enormen Gewinne ein?

Große Bauträger und die, die das organisieren. Ob die Politik es schafft, dagegenzuhalten, weiß ich nicht.

Droht das Ganze als Immobilienblase zu platzen?

Das passiert nicht, weil die Wohnkosten nicht ausschließlich fremdfinanziert sind, zumindest 30 Prozent sind eigenfinanziert, daher werden die Leute nicht sofort bei steigenden Zinsen in Schwierigkeiten kommen. Aber der Anteil für das Wohnen am Einkommen ist viel zu hoch. Die Kaufkraft für andere Bereiche wird dadurch eingeschränkt.

Was bedeutet das für Kärntner Immobilien?

In den Zentren wie Klagenfurt und Villach erwarte ich keine großen Änderungen mehr, mit Ausnahme von Exklusivimmobilien. Die Wohnungspreise können meines Erachtens nicht mehr steigen.

Und in Landregionen?

Die Speckgürtel um Klagenfurt und Villach wird weiterwachsen, die Leute wollen Einfamilienhäuser. Das reicht bis nach St. Veit und Moosburg, aber auch entlang der Bahnstrecken von Friesach ins Rosental und nach Bleiburg. In meiner Heimatgemeinde Lesachtal beobachtet man, dass vermehrt Holländer ordentliche Preise zahlen – Pensionisten, die sich das leisten können. Dafür gibt es in Kärnten einen gewissen Markt. Ansonsten ist es schwierig, eine Immobilie im hinteren Gurktal zu verkaufen – trotz des Trends zurück zur Natur.

Kaufen Ausländer also verstärkt Immobilien in Kärnten?

Das ist sicher so. Es gibt kaum ein Land mit solch guten Voraussetzungen wie Österreich. Viele überlegen sich, in ihrer Pension hierherzuziehen. Österreich hat ein sehr, sehr gutes Image. Einige Makler in Kärnten sind bereits ausverkauft. Weil niemand, der nicht verkaufen muss, jetzt verkauft – die Preise werden ja nicht mehr sinken.

Viele suchen nur einen Zweitwohnsitz in den Bergen, etwa in einem Chaletdorf.

Ein Chaletdorf ist gar nicht mehr das Ziel so vieler, die wollen jetzt eine Hütte in Alleinlage abseits vom Trubel.

Nicht nur am Wörthersee, auch an Millstätter, Faaker und Ossiacher See steigen die Preise in astronomische Höhen. Ist ein Ende absehbar?

Es wird keine Widmungen mehr geben. Wenn bestehende Immobilien verkauft werden, dann zu weiter steigenden Preisen - obwohl die schon extrem hoch sind.

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