Es wird teuerRohstoffmangel spitzt sich zu: Verbraucher werden zur Kasse gebeten

Ein Ende des Preisanstiegs für Rohstoffe ist nicht absehbar, für Konsumenten werden viele Produkte teurer. Der Wirtschaft bleibt die Hoffnung auf eine baldige Normalisierung.

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Auch Brauereien sind besorgt: Beim für Kronenkorken unerlässlichen Weißblech zeichnen gibt es Engpässe am Markt
Auch Brauereien sind besorgt: Beim für Kronenkorken unerlässlichen Weißblech zeichnen gibt es Engpässe am Markt © Herbie
 

Ob Stahl, Glas, Holz, Plastik oder Halbleiter: Bei vielen Rohstoffen und Vorprodukten übersteigt die Nachfrage das Angebot bei weitem - der Mangel spitzt sich zu und belastet Industrie und Handwerk. Und schlussendlich die Verbraucher. Nach Expertenmeinung gehen die schon deutlich gestiegenen Preise weiter nach oben - ein Ende ist nicht absehbar. "Leere Lager, ein eingeschränktes Angebot und eine anhaltend hohe Nachfrage führen zur langfristigen Überstrapazierung der Rohstoffmärkte", sagt Danilo Zatta vom Beratungsunternehmen Horváth.

Stahl wurde deutlich teurer, Europas größtem Stahlhersteller Thyssenkrupp spricht bereits von einem "Stahlengpass in Europa". Die höheren Stahlpreise treffen nicht nur den Bau, die Autoindustrie oder den Maschinenbau. Auch relativ simple Produkte wie Konservendosen verteuerten sich kräftig - der Preisaufschlag beträgt 30 bis 80 Prozent bei Blechdosen und Deckeln.

Selbst ein Mangel an den Verpackungen aus Weißblech - also dünn gewalztem Stahl - wird nicht ausgeschlossen. Auch Brauereien verfolgen die Entwicklung mit Sorge. Bei dem für Kronenkorken unerlässlichen Weißblech sind Engpässe am Markt zu erkennen.

KK Rohstoffexperte Helmut Antrekowitsch
Rohstoffexperte Helmut Antrekowitsch, Montanuniversität Leoben © KK

Für Konsumenten wird es teurer

Bei Autoreifen müssen sich Verbraucher auf höhere Kosten einstellen - sie werden diese spätestens beim Umrüsten auf Winterreifen spüren. Die Kosten für Naturkautschuk, eines der Hauptmaterialien bei der Reifenproduktion, stiegen im ersten Halbjahr um 57 Prozent. Auch bei Holz gibt es weiter eine "Ausnahmesituation". Das Beratungsunternehmen Horvath rechnet mit einem weiteren Preisanstieg bis Jahresende um bis zu einem Drittel.

Die Preise für Plastik-Rohstoffe haben seit Jänner ebenfalls stark angezogen - bei weit verbreiteten Kunststoffen, den Polyolefinen, um bis zu 80 Prozent. Es geht zum Beispiel um Plastiksackerln, Lebensmittelschachteln und Folien.

Die Betriebe bemühen sich dennoch sehr, alle Aufträge abzuarbeiten und so gut wie möglich die Situation für die Kunden zu entschärfen.

Renate Scheichelbauer-Schuster

"Die Nachfrage nimmt nach der Pandemie rasch Fahrt auf", erklärt Rohstoff-Experte Helmut Antrekowitsch, Professor für Nichteisenmetallurgie an der Montanuniversität Leoben. Während der Pandemie wurden die Produktionen häufig zurückgefahren, die Lager geleert. Dazu kommt der gesellschaftliche Wandel, der den Bedarf nach neuen Produkten steigert. So geht der Verbrauchertrend weg vom Kunststoff und treibt damit die Glaspreise, Konserven- und Marmeladengläser werden teurer. Probleme in den Lieferketten und die globale Konzentration verknappen das Angebot weiter und treiben die Preise. Dazu kommt der Bauboom, der verschiedenste Rohstoffe extrem verteuert.

Klimawandel treibt Nachfrage

Unmittelbar mit der Pandemie hängt auch die hohe Nachfrage nach Halbleitern zusammen, zusätzlich getrieben vom Klimawandel und dem wachsenden Bedarf an klimaneutraler Energieproduktion und Mobilität. "Bei wichtigen Rohstoffen wie seltenen Erden sind wir von Monopolen abhängig", erklärt Antrekowitsch. Metalle seien zudem Spekulationsgeschäften unterworfen. Wenngleich dem Rohstoffexperten zufolge "wir über viele Jahre betrachtet keinen Rohstoffmangel haben", so kommt es doch auf kürzere Betrachtungszeiträume zu massiven Engpässen. Die Folge: teilweise heftige Preisausschläge.

Wenn ich kurzfristig mehr Energie benötige, ist es deutlich einfacher ein kalorisches Kraftwerk zu befeuern als ein Wasserkraftwerk zu errichten.

Helmut Antrekowitsch

Das gilt auch für die Kohle, die sich seit Jahresbeginn um bis zu 80 Prozent verteuerte: "Wenn ich kurzfristig mehr Energie benötige, ist es deutlich einfacher ein kalorisches Kraftwerk zu befeuern als ein Wasserkraftwerk zu errichten."

Recycling wird attraktiver

Massiv steigende Rohstoffpreise haben aber auch positive Folgen: Das Recycling von Wertstoffen lohnt sich eher, je höher deren Preise sind. "Außerdem kann durch diese sekundäre Produktion die Volatilität der Rohstoff-Preise eingedämmt werden", sagt Antrekowitsch. Wann sich die Lage entspannt? "Momentan haben wir es mit einer Überhitzung zu tun. Es werden aber neue Kapazitäten entstehen, das Ganze wird sich einpendeln". Was bleibt, ist der Fachkräftemangel - ein weiterer und wohl deutlich länger wirkender Flaschenhals für die Konjunktur.

WKÖ WKOe-Gewerbe und Handwerk: Groszer Vertrauensbeweis fuer Bundesspartenobfrau
Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKO © WKÖ

"Markt wird sich wieder stabilisieren"

Von einer "massiven Belastung durch Rohstoffmangel und Preissteigerungen für heimische Betriebe" spricht Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKO: „Die Betriebe bemühen sich dennoch sehr, alle Aufträge abzuarbeiten und so gut wie möglich die Situation für die Kunden zu entschärfen." Experten gingen davon aus, dass sich die Situation in absehbarer Zeit entspannt. "Es gab immer wieder Knappheiten bei Rohstoffen, aber diese waren meist nur von kurzer Dauer. Daher sollte sich auch dieses Mal der Markt bald wieder normalisieren und dem Aufschwung dann nichts mehr im Wege stehen.“

Kommentare (15)
Laser19
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Derzeit haben wir die Verknappung/Teuerung aufgrund gestörter Lieferketten

Dann kommt der Preisanstieg wegen höherer Löhne augrund der Personalknappheit, dann kommt der Preisanstieg wegen des Ausbaues der Infrastruktur (USA) und dann kommt der Preisanstieg aufgrund der Investitionen gegen den Klimawandel (bis 2050)
Die Inflation ist gekommen um zu bleiben. Dabei ist von Überhitzung keine Rede, alle Investitionen sind alternativlos, also besteht auch keine Notwendigkeit das Zinsniveau anzuheben. Wegen der Verschuldung der Länder aber die Notwendigkeit sie nahe 0 zu belassen. Ist, bis auf Bargeldvermögen auch kein Problem, das möchte man ohnehin abschaffen. Alles bestens!

ChihuahuaWelpe56
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Das mit der Bargeldabschaffung unterschreibe ich sofort

letztens wollte ich in einer Filiale Bargeld abheben, da wurde mir gesagt, dass Kassatag nur noch an 2 Vormittagen statt findet! Sonst muss man das Bargeld am Bankomat abheben.
Und was ist, wenn der Bankomat leer ist? Oder das Limit erreicht?

ichbindermeinung
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Gehälter/Pensionen um 100,-- p.m. netto anheben

und werden dann gleichzeitig auch sofort die Nettogehälter/Pensionen um mindestens 100,-- pro Monat angehoben....

ronin1234
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Reaktion

Die Autoreifen sind das geringste Übel. Sie haben vor 30 Jahren ungefähr gleich viel wie heute gekostet.

harakari
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Preisausschläge. . .

. . . was ist das?

CIAO
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hat schon angefangen damit beim Euro

nach der Einführung heisst es - nicht mehr umrechnen.... warum wohl - damit man nicht mehr merkt wie m,an über den Tisch gezogen wurde und wird .
Beispiele an sich haben keinen Sinn....
im Gasthaus mal 5-10 Schilling für eine Suppe, also 30 - 50 cent - heute in einem bekannten Grazer Gasthaus am Lendplatz, die Suppe 4 - 5 Euro, also 55 - 70 SCHILLING

Da stimmen wohl keine Relationen mehr.

Ein bescheidenes Essen in selben Lokal zu zweit, ca. 35 Euro - also rund 500 Euro... no hätte mal in einem teurem Lokal 100 Schilling gekostet.

I h klenne einen bekannten Künstler (Maler) in Graz, in Schilling bekam er etwaq 3000-4000 Sc hilling für ein Auqaurell, (In Euro so etwa 200-250) heute in Euro sogar viel weniger......

Alos nicht umrechnen, wenn man sichs leisten kann

kukuro05
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Schluss mit Lustig

wurde ja auch Zeit.

Aber für Öster-reich eh kein Thema!

Erika007
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Hätte man sich vorher überlegen sollen

Bevor man Milliarden an Invests, die nicht nötig gewesen wären, subventioniert. Welche Firma hat nicht das Maximum an Investprämie rausgeholt, obwohl viel erst in den nächsten Jahren fällig gewesen wäre.
Gut für die Firmen, schlecht für den Endkunden. Der schluckt es jetzt doppelt und dreifach, denn was die Abschreibungen erst Kosten werden...:-/

Hildegard11
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Sind wir nur noch Verbraucher,....

....oder auch noch Menschen? (Verbraucher: ein grauslicher, technischer, menschenverachtender Ausdruck).

melahide
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Wir müssen

auf nichts verzichten. Technik und Innovation werden uns retten. Fürchtet euch nicht!

GordonKelz
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Die Suppe ist vor allem von uns mit niederem

Einkommen....es ist wie immer...hat man jemals erlebt das die Firmen mit ihren Aktionären einen Teil übernehmen würden?
Das wird auch jetzt nicht passieren!
Gordon Kelz

Wuffzack3000
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Perfekt

Das ist ja für jeden Klimaschützer die perfekte Nachricht!

Mitreden
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Hyperinflation

Ich fürchte, dass ist erst der Anfang...

Kristianjarnig
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Flaschen mit Bügelverschluß nutzen.

Einige machen es ja schon. Und schon gibt es kein Problem mit Kronkorken mehr.....

dude
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Dann sollte man Kronenkorken sammeln und recyceln!

Das denke ich mir schon so lange, so lange Metallabfälle im Haushalt gesammelt werden. Kronenkorken waren dort immer ausdrücklich ausgenommen!