Österreichischer RekordGoStudent: Warum ein Start-up plötzlich 1,4 Milliarden Euro "wert" ist

"Unicorn": GoStudent ist ab sofort Österreichs wertvollstes Start-up. Wie aber kommt es zu einer milliardenschweren Bewertung? Und: Warum gerade jetzt so hoch investiert wird.

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GoStudent-Gründer Gregor Müller und Felix Ohswald
GoStudent-Gründer Gregor Müller und Felix Ohswald © APA
 

Das Prinzip ist simpel, die Technologie ausgefeilt: Mehr als 400.000 Nachhilfestunden werden Monat für Monat via GoStudent online gebucht. Die zentrale Funktion brachte der vielseitigen Wiener Plattform aber nicht nur Kunden, sondern auch Investoren und Kapital. 205 Millionen Euro investieren internationale Geldgeber wie DST Global, die Softbank oder Tencent jetzt, um die Expansion des Start-ups nach Kanada und Mexiko voranzutreiben.

Zudem führt die Investitionsrunde zu einer spektakulären Bewertung des Unternehmens mit 1,4 Milliarden Euro. Nach Kryptospezialist Bitpanda ist GoStudent damit erst das zweite österreichische „Unicorn“ („Einhorn“). So nennt man in der Start-up-Szene Unternehmen, die mit mehr als einer Milliarde bewertet sind.

Wie aber kam es dazu?

Beginnen wir mit dem Begriff „EdTech“. Darunter versammeln sich Jungunternehmen, die mit neuer Technologie das Lernen und Lehren umwälzen wollen. In diesem Feld agierende Start-ups diente die Corona-Krise tendenziell als enormer Beschleuniger. GoStudent etwa wächst zurzeit Monat für Monat um 30 Prozent, in der Coronakrise schoss die Nachfrage nach Nachhilfe per Webcam in die Höhe. Die Nachrichtenagentur Reuters führt die Wiener gar als „höchstbewertetes EdTech-Unternehmen Europas“.

Grazer App für 160.000 Studierende im Land

Zur Branche zählt auch das Grazer Jungunternehmen Studo, GoStudent-Mitgründer Felix Ohswald sitzt dort im Beirat. Und auch bei Studo – 160.000 Studierende in Österreich verwenden die App für die Organisation ihres Studiums – registrierte man zuletzt starken Zulauf. Einerseits konnte man „sehr viele neue Hochschulpartner gewinnen“, andererseits erfuhren neue Funktionalitäten viel Zuspruch. Etwa ein „Mental Health Chat“, der Studierende online mit professionellen Psychologen zusammenführt.

aaia-Chefin Laura Egg
aaia-Chefin Laura Egg Foto © AAIA

Ein zweiter wichtiger Punkt für die hohe Bewertung von GoStudent hat mit dem Zusammenspiel von Start-up und Investoren zu tun. „Es ist gerade viel VC-Geld im Umlauf“, erklärt Laura Egg, Geschäftsführerin der Austrian Angel Investor Association (aaia). Hinter dem Kürzel „VC“ verstecken sich „Venture Capitalists“, also Risikokapitalgeber, die einen vorgegebenen Zeitraum für ihre Investments haben. Weil „große Fonds im Vorjahr teils wenig investiert haben“, sagt Egg, würden sie heuer umso mehr Geld in die Hand nehmen. „Sie sind etwas im Stress“, erklärt die aaia-Chefin.

Das spielte wohl auch GoStudent in die Hände. Dass die Wiener in einer viel beäugten Branche zuletzt wirtschaftlich gute Leistungen ablieferten und zudem als möglicher Kandidat für einen Börsengang gelten, sorgte für viel Investitions-Interesse und eine gute Verhandlungsposition der Gründer. Geben diese dann im Rahmen der Investitionsrunde für hohen Kapitalbedarf – darunter fallen die 205 Millionen Euro – vergleichsweise wenige Anteile ab, steigt die Bewertung rasant.

In Summe flossen 2021 übrigens bereits mehr als 500 Millionen Euro in heimische Start-ups. Also doppelt so viel Geld wie noch 2020, dem bisherigen Rekordjahr.

2021: Jahr der großen Investitionen

GoStudent: 205 Millionen Euro
Bitpanda: 152 Millionen Euro
GoStudent: 70 Millionen Euro
Tractive: 28,6 Millionen Euro
Bitmovin: 20,7 Millionen Euro
Bluecode: 20 Millionen Euro
Create.io: 8,25 Millionen Euro
StoryBlok: 7,2 Millionen Euro

Kommentare (2)
zweigerl
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Lesenswert?

Ein scheißender Goldesel aaia

aaia! Ein goldscheißender Esel. Da wird schamlos abgecasht mit der Hilflosigkeit von Eltern, ihren Kindern Nachhilfe zukommen zu lassen. Das Fach "Mathematik" gehört abgeschafft. Mit dem Subunternehmen "Studo" haben die auch noch eine Plattform für Studierende geschaffen, die sich ihr Studium a la Aschbacher organisieren lassen! Zugute kommt ihnen, dass in der Pandemie heimische Startups überfüttert werden.
"Bildung" ist nur mehr ein Karrierefaktor, der irgendwann im Out endet - siehe die Plagiatsministerin Aschbacher und zahllose Studierende, die keinen richtigen Beistrich setzen können.

Zwiepack
7
14
Lesenswert?

Neoliberaler Bockmist

Zahlen vermutlich so viel Steuern wie Amazon oder AirnB.

Wenn die 15 € für die Lehrer dann noch korrekt versteuert und der Sozialversicherung gemeldet werden, bleibt dem Lehrer weniger als einer Reinigungskraft als Nettostundenlohn. Ergo läuft das aller Wahrscheinlichkeit nach schwarz.

Dass überhaupt so viel Nachhilfe gebraucht wird ist eher ein Armutszeugnis für das Schulsystem überhaupt.

Wo ist hier also der Grund zum Jubeln?