ContractingWie Sonnenstrom ohne Baukosten möglich wird

Im Kampf gegen den Klimawandel kann Sonnenenergie eine entscheidende Rolle spielen. Aufbau und Betrieb einer PV-Anlage sind jedoch nicht billig. Doch es gibt eine Lösung.

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Ein Kärntner Hühnerstall: Komplett mit Sonnenstrom versorgt
Ein Kärntner Hühnerstall: Komplett mit Sonnenstrom versorgt © Emerald Horizon
 

Bis 2030 soll der Stromverbrauch in Österreich zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Derzeit ist man von diesem Ziel allerdings noch weit entfernt. Von den rund 99.500 Gigawattstunden (GWh) Strom, die im Jahr 2019 in Österreich verbraucht wurden, wurden nur etwas mehr als 52.500 GWh im Inland mit erneuerbarer Energie erzeugt, wobei Wasserkraft die zentrale Rolle spielt.

Soll das Ziel 2030 wirklich erreicht werden, müssen nicht nur die 26 GWh an Importen ersetzt werden, sondern auch die rund 15 GWh an Leistung aus Öl- und Gaskraftwerken. Da die Wasserkraft in Österreich schon sehr gut ausgebaut ist, bleiben Windkraftanlagen und Fotovoltaik (PV), also Sonnenstrom.

Keine Baukosten

Vor allem die Energie aus der Sonne kann beim Ausstieg aus fossilem Strom eine zentrale Rolle spielen. Laut einer Erhebung der EU-Kommission sind in Österreich 151 Millionen Quadratmeter Dachfläche für PV-Anlagen geeignet. Genug um die Strom-Lücke zu schließen. Allerdings werden bisher nur rund zwei Prozent der Dächer für Solarstrom genutzt. Hauptgrund: Die hohen Investitionskosten.

Eine Lösung ist das sogenannte Contracting. Ein Geschäft auf das sich das Grazer Start-up Emerald Horizon spezialisiert hat. Das funktioniert wie folgt: Ein Unternehmen hat eine große Dachfläche, die ausreichend Sonneneinstrahlung hat. Emerald Horizon baut dort eine PV-Anlage. Das Unternehmen pachtet diese dann zu einem variablen Preis, der dem eigenen Stromverbrauch entspricht und deutlich unter dem Strompreis der Netzversorger liegt. Nach 21 Jahren geht die PV-Anlage in das Eigentum des Kunden über.

"Der Kunde hat gleich mehrere Vorteile", erklärt Franz Fuchs, Vertriebsleiter Emerald Horizon. "Wir übernehmen Versicherung und Wartung. Außerdem spart sich das Unternehmen die Baukosten und bleibt liquide." Die freien Mittel könnten dann wieder reinvestiert werden.

Günstiger als Netzanbieter

Einen ersten Kunden hat das Unternehmen im Kärntner Hühnerbauern Martin Tschrepitsch. "Ich habe Legehennen. Im Hühnerstall brennt 16 Stunden durchgehend das Licht und am Tag laufen Fütterungsmotoren und die Eierförderung." Rund 1500 Euro im Jahr könne er sich mit der Anlage sparen, die gerade montiert wird.

In der Steiermark verhandelt Emerald Horizon derzeit mit Unternehmen und Gemeinden. Für den Hengsberger Bürgermeister Johann Meyer ist das Modell vor allem deshalb interessant, weil er einen regelrechten Flächenfraß am Land fürchtet. "Stromunternehmen bieten gute Pachtzahlungen für Grünland. Aber wir können nicht alles mit Glas zu machen." Die Gemeinde prüft daher ein Contracting-Projekt für die das Dach des Volksschul-Tunrsaals.

Bei der Fabrik der AVI - Alpenländische Veredelungsindustrie GmbH in Raaba - ist man etwas weiter. Man hat sich klar für so ein Modell entschieden. Nun werden die Angebote von sechs Unternehmen geprüft, darunter auch das Grazer Start-up. "Wir haben eine Dachfläche von 6500 Quadratmetern, die ungenützt ist", erklärt Werksleiter Christian Mairold. Dort soll nun eine Anlage entstehen, die am Tag den gesamten Strombedarf der Fertigung decken kann. "So verbessern wir unsere CO2-Bilanz und tun etwas Gutes für die Umwelt."

"Die Energie liegt auf den Dächern, wir wollen die Einstiegshürde so gering wie möglich halten. So kann man Ökonomie und Ökologie in Einklang bringen", führt Mario Müller weiter aus, der technische Leiter von Emerald Horizon. Als Mitglied des Green-Tec-Clusters achte man auch darauf, dass beim Aufbau der Anlagen vor allem lokale Unternehmen zum Zug kommen. Man wolle möglichst in allen Geschäftsbereichen nachhaltig sein, wie Müller betont. Die Gewinne will das Start-up in die weitere Erforschung CO2-neutraler Energie stecken.

Kommentare (2)
ztirf
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Emerald Horizon - was ist so besonders

Contracting und Dachpacht das bieten doch unzählige andere Firmen auch mit verschiedensten Modellen seit Jahren an. Hauptgrund warum keine PV gebaut wird sind nicht die hohen Investitionskosten, da es normalerweise kein Problem ist für eine PV eine Finanzierung zu bekommen. Hauptprobleme bei größeren Anlagen ist eher die Statik der Dächer und geeignete Netze.

scionescio
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@ztirf: "was ist so besonders"

Das habe ich mich auch gefragt - ich persönlich kenne gut ein Dutzend ähnlicher Firmen und glaube, dass der Dr. Jaindl (wir-energie) nicht nur einer der Ersten, sondern wahrscheinlich auch in Österreich der Experte auf diesem Gebiet ist ... er ist zwar international anerkannt, aber anscheinend kennt er niemanden in der KLZ Redaktion.