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KonjunkturprognoseCorona-Krise: Starker Euro bereitet EZB Sorgen

Die EZB belässt in ihrer ersten Sitzung nach der Sommerpause den Leitzins unverändert (bei 0,0 Prozent), beim Notkaufprogramm legen die Währungshüter vorerst nicht nach. Doch der starke Euro macht Sorgen.

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© APA/AFP/YANN SCHREIBER
 

Trotz bedenklich niedriger Inflation und des beispiellosen Konjunktureinbruchs in der Corona-Krise legen Europas Währungshüter vorerst nicht nach. Der Leitzins bleibt bei 0,0 Prozent, die Europäische Zentralbank (EZB) steckt im Rahmen ihres Notkaufprogramms unverändert 1,35 Billionen Euro in Staats- und Unternehmensanleihen bis mindestens Ende Juni 2021. Der Einlagensatz für Banken bleibt weiterhin bei minus 0,5 Prozent.

Volkswirte schließen aber nicht aus, dass die EZB ihr Notkaufprogramm bis zum Jahresende noch einmal aufstocken könnte. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hatte erst kürzlich vor einer zu optimistischen Einschätzung der aktuellen konjunkturellen Erholung nach dem Coronaeinbruch gewarnt. Der jüngste weltweite Anstieg der Neuinfektionen werde die Konsumlaune und die Stimmung in den Unternehmen noch für einige Zeit belasten, sagte Lane. Er machte deutlich, dass es noch einige Zeit dauern werde, bis sich die Wirtschaft vollständig von der Coronakrise erholt haben werde. Daher sei weiterhin eine deutliche Unterstützung durch staatliche Hilfsmaßnahmen und durch die Geldpolitik notwendig.

Einbruch um 8,0 Prozent

Die aktuelle Euro-Stärke betrachtet die Notenbank mit Sorge. "Wir müssen die Angelegenheit aufmerksam beobachten", sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Die weitere Konjunkturentwicklung im Euroraum beurteilt die Notenbank aber einen Hauch weniger düster als noch im Juni. Die Währungshüter erwarten heuer zwar weiter eine beispiellose Rezession: "Es handelt sich um eine Krise wie nie zuvor", sagte Lagarde. Die Notenbank geht aber in ihrem Basisszenario aktuell von einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 8,0 Prozent aus. Im Juni hatten die Währungshüter noch einen Einbruch um 8,7 Prozent prognostiziert. 2021 wird die Wirtschaft im Währungsraum der 19 Länder nach der neuesten Vorhersage um 5,0 Prozent zulegen (Juni-Prognose: 5,2 Prozent).

Die Wertpapierkäufe der Notenbank helfen Staaten wie Unternehmen: Sie müssen für ihre Papiere nicht so hohe Zinsen bieten, wenn eine Zentralbank als großer Käufer am Markt auftritt. Anfang Juni hatten die Währungshüter im Kampf gegen die dramatischen wirtschaftlichen Folgen der Pandemie ihr Kaufprogramm PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) um 600 Milliarden Euro auf 1,35 Billionen Euro fast verdoppelt. Die Mindestlaufzeit wurde um ein halbes Jahr verlängert.

Inflation unter 2,0 Prozent

Hauptziel der EZB ist ein ausgewogenes Preisniveau bei einer mittelfristigen Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent. Die Inflation liegt allerdings seit geraumer Zeit deutlich entfernt von diesem Zielwert. Europas Währungshüter sind daher seit Jahren im Anti-Krisen-Modus. Die seit März 2015 mit Unterbrechung laufenden anderen Kaufprogramme der Notenbank für Anleihen hatten mit gut 2,9 Billionen Euro Ende August bereits ein gewaltiges Volumen erreicht.

In der Coronakrise hat sich der Trend zu schwachen Teuerungsraten verstärkt. Im August sanken die Verbraucherpreise in der Eurozone zum ersten Mal seit 2016 wieder. Die Inflationsrate fiel nach einer ersten Schätzung des Statistikamtes Eurostat auf minus 0,2 Prozent. Im Juli hatte die Rate noch bei plus 0,4 Prozent gelegen.

Der starke Euro

Sinkende Verbraucherpreise sind ein potenzielles Risiko für die Konjunktur. Sie können eine Abwärtsspirale auslösen, wenn Verbraucher und Unternehmen auf weiter fallende Preise spekulieren und Investitionen immer weiter nach hinten schieben.

Auch der stärkere Euro, der insbesondere gegenüber Dollar zugelegt hat, kann auf die Inflation drücken. Dadurch verbilligen sich Einfuhren in den gemeinsamen Währungsraum, für die Exportwirtschaft ist das ein Nachteil. Nach Einschätzung von Volkswirten der Landesbank Helaba bleibt die Ausweitung des Notkaufprogramms als Option bestehen, auch um einer weiteren Aufwertung des Euro entgegenzuwirken.

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