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Nach US-RückzugEU arbeitet an Digitalsteuer im Alleingang

Die USA wird die Arbeit an einer grenzübergreifenden Digitalsteuer beenden. Nun will die EU diese im Alleingang einführen.

Digitalkonzerne wie Amazon zahlen verhältnismäßig wenig Steuern
Digitalkonzerne wie Amazon zahlen verhältnismäßig wenig Steuern © APA/HANS KLAUS TECHT
 

Nach der Rückzugsankündigung der USA will die Europäische Union (EU) die geplante Digitalsteuer notfalls auf eigene Faust vorantreiben. Sollte es dieses Jahr zu keiner internationalen Vereinbarung für eine solche Abgabe kommen, sei die EU zum Alleingang bereit, sagte EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni am Donnerstag in Brüssel.

Die EU habe bereits deutlich gemacht, dass sie in diesem Fall auf Ebene der Gemeinschaft einen neuen Vorschlag vorlegen werde. Die USA hatten am Mittwoch angekündigt, sich aus den Gesprächen über eine Digitalsteuer zurückzuziehen. Die Abgabe würde vor allem US-Konzerne wie Google, Amazon, Facebook und Apple treffen.

Globale Lösung

"Ich bedauere den Schritt der USA sehr, mit dem sie bei den internationalen Gesprächen zur Besteuerung der Digitalwirtschaft auf die Bremse getreten sind", sagte Gentiloni. Er hoffe, dass es sich nur um einen vorübergehenden Rückschlag handle und nicht um ein endgültiges Aus. "Die Europäische Kommission möchte eine globale Lösung, um die Unternehmensbesteuerung ins 21. Jahrhundert zu befördern."

Die USA und mehrere EU-Staaten streiten seit Monaten über die Einführung einer Digitalabgabe. Vor allem Länder wie Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien kritisieren, dass global tätige Internetfirmen - vor allem aus den USA - Gewinne in Niedrigsteuerländer verlagerten und so insgesamt kaum Steuern zahlten. US-Finanzminister Steven Mnuchin hatte bereits im Jänner auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos mit Autozöllen gedroht, sollten nach Einschätzung der USA unfaire Digitalsteuern eingeführt werden.

Frankreich brescht vor

Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer hatte die Entscheidung der USA zum Rückzug am Mittwoch damit begründet, dass in den Verhandlungen keine Fortschritte erzielt worden seien. Damit sorgte er vor allem in Frankreich für Unmut.

Finanzminister Bruno Le Maire sprach von einer Provokation. "Wir waren nur Zentimeter von einer Einigung über die Besteuerung von Digitalriesen entfernt", sagte Le Maire dem Sender France Inter. Seine Regierung werde trotz der Einwände der USA noch in diesem Jahr eine Digitalsteuer einführen. Frankreich habe gemeinsam mit Großbritannien, Italien und Spanien bereits auf einen Brief von US-Finanzminister Mnuchin reagiert, in dem er den Rückzug von den Verhandlungen ankündigt.

Die Regierung in Madrid erklärte, Spanien und seine europäischen Verbündeten ließen sich nicht unter Druck setzen. Die geplanten Gesetze richteten sich nicht gegen andere Länder, sondern sollten für ein faires und den gegenwärtigen Bedingungen angemessenes Steuersystem sorgen, sagte eine Regierungssprecherin. In London ließ das Finanzministerium erklären, Großbritannien werde weiter auf eine internationale Einigung hinarbeiten. "Wir bleiben einer globalen Lösung verpflichtet", sagte ein Ministeriumssprecher.

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