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Stabiler GewinnAndritz wegen Coronakrise auf Sparkurs

Trotz Gewinn im ersten Quartal hat die Andritz AG die Kostenbremse angezogen. In Österreich wurden die Mitarbeiter auf Kurzarbeit geschickt.

Die Zentrale der Andritz AG in Graz
Die Zentrale der Andritz AG in Graz © Juergen Fuchs
 

Der börsennotierte steirische Anlagenbauer Andritz hat zwar im abgelaufenen Quartal den Nettogewinn fast halten können, steigt aber wegen der Coronakrise auf die Kostenbremse. Man habe sofortige Anpassungsschritte für kurzfristige Einsparungen und für eine mittelfristige Optimierung eingeleitet, so Vorstandschef Wolfgang Leitner am Donnerstag. In Österreich hat Andritz Kurzarbeit angemeldet.

Ende März verfügte der Technologiekonzern über 1,54 Milliarden Euro an liquiden Mitteln. Darüber hinaus habe die Gruppe Avallinien (Bürgschafts-Kredite) von insgesamt 5,90 Milliarden Euro, von denen erst 2,98 Milliarden Euro ausgenutzt seien. Damit verfüge Andritz über eine solide Liquiditätsposition, wird betont.

Geringer Gewinnrückgang

Im ersten Quartal erzielte Andritz bei 1,51 (1,49) Milliarden Euro Umsatz einen Nettogewinn von 31,5 Millionen Euro, der lediglich 6,3 Prozent unter dem Vorjahresvergleich lag. Am stärksten performte beim Umsatz der Bereich Pulp & Paper mit 18 Prozent Zuwachs auf 713 Millionen Euro, während die Bereiche Metals, Hydro und Separation zwischen 8,0 und 12,0 Prozent nachgaben. Der Auftragseingang bis März kletterte um 11,7 Prozent auf 1,85 Milliarden Euro, am stärksten wuchs man mit +34 Prozent auf 1,08 Milliarden bei Pulp & Paper. Im Segment Hydro gaben die Neuaufträge um 22 Prozent nach, das Ordervolumen bei Metals wurde gehalten. Der Andritz-Auftragspolster lag zum Quartalsultimo bei 7,93 Milliarden Euro, gut 9 Prozent höher.

Trotz des Umsatzanstiegs gab das Ergebnis vor Zinsen und Steuern um 15,3 Prozent auf 70,1 Millionen Euro nach, parallel sank die Rentabilität (EBITA-Marge) von 5,6 auf 4,6 Prozent. Pulp & Paper steigerte das Ergebnis und hielt die Rentabilität, jedoch sank das EBITA bei Metals und Hydro deutlich. Auch die Abarbeitung margenschwacher Aufträge (vor allem bei Metals und Hydro) als Folge eines unverändert starken Wettbewerbs spielten laut Quartalsbericht eine Rolle beim EBITA-Rückgang.

"Der Geschäftsbereich Metals war im Berichtszeitraum sowohl im Bereich Metals Forming als auch im Bereich Metals Processing mit sehr schwierigen Marktbedingungen konfrontiert", heißt es. Vor allem Metals Forming (Schuler) habe durch die Unterauslastung infolge der Krise der internationalen Autoindustrie einen deutlichen Ergebnisrückgang verzeichnet. Der Ende 2019 eingeleitete Kapazitätsabbau in Deutschland werde erst im zweiten Halbjahrs 2020 und verstärkt dann im Jahr 2021 wirksam werden.

Weniger Abschreibungen

Bei Schuler laufen seit vorigem Jahr Anpassungsprozesse - von den gesamten Andritz-Aufwendungen für kapazitive Anpassungen in Höhe von 113 Millionen Euro im vorigen Jahr entfielen nach Angaben von März allein drei Viertel (82 Millionen Euro) auf die Metals-Sparte, die im wesentlichen aus der deutschen Tochter Schuler besteht.

Wegen geringerer Abschreibung stieg heuer im ersten Quartal das Andritz-Betriebsergebnis (EBIT) leicht auf 53,8 (52,9) Millionen Euro. Das Finanzergebnis verringerte sich auf -9,5 (-6,4) Millionen Euro infolge stichtagsbezogener Bewertungen (Wertpapiere, Fremdwährung). Das Konzernergebnis nach Abzug nicht beherrschender Anteile ging leicht auf 31,5 (33,6) Millionen Euro zurück. Wie bereits seit 23. März bleibt die Finanz-Guidance weiter ausgesetzt, heißt es zum Ausblick auf 2020.

Aufgrund der unverändert schwierigen globalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durch Covid-19 und der fehlenden Visibilität hinsichtlich deren weiterer Entwicklung könne aus heutiger Sicht weiterhin keine zuverlässige Aussage zur erwarteten Umsatz- und Ergebnisentwicklung 2020 gegeben werden. "Wir verfolgen die Situation genau und werden je nach Entwicklung weitere Schritte setzen, um die finanziellen Auswirkungen so gering wie möglich zu halten und die Wettbewerbsfähigkeit von Andritz sicherstellen zu können", so Konzernchef Leitner.

"Sollte sich die Situation im Jahresverlauf weiter verschärfen, könnten weitere mögliche marktbedingt notwendige kapazitive Anpassungen in einzelnen Geschäftsbereichen zu finanziellen Vorsorgen für Maßnahmen zu Kapazitätsreduktionen führen, die das Ergebnis der Andritz-Gruppe negativ beeinträchtigen könnten", wird in dem Zusammenhang im Quartalsbericht gewarnt.

Ende März beschäftigte die Andritz-Gruppe 28.411 Mitarbeiter, um 3,4 Prozent weniger als ein Jahr davor. Für die rund 3.800 Mitarbeiter in Österreich hatte man schon im vorigen Monat Kurzarbeit angemeldet. Das sei eine Vorsichtsmaßnahme, um möglicherweise kommende Auslastungsschwankungen abfedern zu können, hieß es damals aus dem Unternehmen.

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