"Die Voestalpine stehe vor der größten wirtschaftlichen Herausforderung des vergangenen Jahrzehnts“, betont Vorstandschef Herbert Eibensteiner. Innerhalb weniger Tage sei die Nachfrage in den wichtigsten Kundensegmenten des Konzerns eingebrochen. Das reiche von massiven Kapazitätsreduktionen bzw. laufenden Produktionsstillständen in der Automobil- und Luftfahrtindustrie über die Segmente des Maschinenbaus bis hin zur Öl- und Gasindustrie.

Die Konsequenz: In rund 50 europäischen Konzerngesellschaften wurde Kurzarbeit angemeldet. „Der Vorstand versucht, mit diesen Maßnahmen den Schaden für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Voestalpine bestmöglich zu minimieren.“ Eibensteiner: „Wenn unsere Kunden die Nachfrage stark reduzieren, Produktionen einstellen und Lieferketten temporär zum Erliegen kommen, müssen wir sofort reagieren.“

Kämpfen um jeden Job

Der Vorstandschef verspricht aber, „wir werden in den nächsten Monaten um jeden einzelnen Arbeitsplatz hart kämpfen“. Das neue Kurzarbeitsmodell der österreichischen Regierung sei dafür „eine gute und sinnvolle Maßnahme. Wir können damit als Unternehmen rasch und flexibel auf diese beispiellose Krise reagieren.“

Was bedeutet das für die österreichischen Standorte? „Von den 22.000 Beschäftigten werden wir rund 20.000 zur Kurzarbeit anmelden“, sagt Konzernsprecher Peter Felsbach auf Nachfrage. Die Kurzarbeit werde fast flächendeckend, also auch für die gut 9000 steirischen Voestalpine-Mitarbeiter, angemeldet. Wobei das nicht bedeute, dass dann tatsächlich alle Mitarbeiter auf Kurzarbeit gehen. Die Details werden nun geprüft, die Anmeldung könnte schon bis Ende dieser Woche erfolgen.

Herbert Eibensteiner
Herbert Eibensteiner © APA/Helmut Fohringer

Komplett ausgenommen seien nur Gesellschaften im Projektgeschäft, die vielfach noch entsprechende Aufträge abarbeiten. Bei den meisten Mitarbeitern sei überdies geplant, dass das Maximum von 90 Prozent bei der Arbeitszeit ausgeschöpft werde, so Felsbach. Man wolle das Instrument möglichst flexibel und individuell angepasst nutzen. Das tatsächliche Ausmaß der Kurzarbeit werde sich in den nächsten Wochen auf Basis der Produktionsauslastung definieren. Eibensteiner betont aber, dass „betriebsbedingte Kündigungen aus heutiger Sicht in Österreich nicht geplant sind“.

Fragezeichen über Großbaustelle

Allerhöchste Priorität habe die Gesundheit der Mitarbeiter, man habe hier umfassende Maßnahmen gesetzt. „Mein besonderer Dank gilt in dieser schwierigen Zeit jenen, die nach wie vor in der Produktion mit voller Kraft im Einsatz sind und damit einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung unserer kritischen Infrastruktur in vielen Werken leisten“, so Eibensteiner.

In der Steiermark gibt es im Zusammenhang mit der Coronakrise noch ein weiteres heikles Thema: die Großbaustelle für das neue Edelstahlwerk in Kapfenberg. Zuletzt gab es bekanntlich intensive Debatten über mögliche vorübergehende Stilllegungen von großen Bauprojekten. Derzeit laufe die Baustelle noch, wenn auch etwas reduziert, so Felsbach. Sollte ein temporärer Baustopp verfügt werden, müsste man entsprechend reagieren.

International ist die Voestalpine auch mit einer Reihe von temporären Werkschließungen konfrontiert. Einige Standorte u. a. in Frankreich, Italien, Peru, Brasilien oder den USA stehen derzeit demnach still.

Andritz: Gewinnwarnung

Ende der Vorwoche hat die Andritz AG als Vorsichtsmaßnahme für die rund 3800 Mitarbeiter in Österreich Kurzarbeit angemeldet. Der Technologiekonzern mit Sitz in Graz nahm zu Wochenbeginn aufgrund von zu erwartenden negativen Auswirkungen durch die weltweite Krise zudem seine bisherige Umsatz- und Gewinnprognose zurück.

Kurzarbeit auch bei Pankl

Am Montag gab auch der Auto-, Flugzeug- und Rennsportzulieferer Pankl Racing Systems bekannt, dass man für die etwa 1100 Mitarbeiter an den Standorten Kapfenberg und Bruck für drei Monate Kurzarbeit angemeldet hat. Unternehmenschef Wolfgang Plasser begründet den Schritt damit, dass zuletzt „der Großteil unserer Kunden vorübergehende Werksschließungen bereits umgesetzt oder zumindest angekündigt“ habe. Daher werde auch Pankl die Produktion in den nächsten beiden Wochen allmählich herunterfahren, „wir erwarten, nach Ostern teilweise wieder starten zu können“.

Sowohl die steirischen Arbeitgeber- als auch die Arbeitnehmervertreter haben zuletzt lautstark für das neue Kurzarbeitsmodell „getrommelt“ und den Appell ausgegeben: „Kurzarbeit statt Kündigung.“ Nicht nur aufgrund wiederholt erfolgter Nachbesserungen des Modells, sondern auch aufgrund der aktuellen Ausnahmesituation auf dem Arbeitsmarkt ist es für das AMS noch nicht möglich, Daten zu den Anträgen in der Steiermark zu liefern. Es wird aber betont: „Es gibt dazu sehr viele Anfragen und Beratungsgespräche, auch Anträge kommen laufend herein.“

Gernot Pagger, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung, betont: „In den steirischen Betrieben wird in verschiedensten Szenarien geplant – bei einigen davon spielt die neue Kurzarbeit eine wichtige Rolle.“ In vielen Betrieben sei man derzeit aber auch damit beschäftigt, „das System als Zulieferer aufrechtzuerhalten und die eingehenden Aufträge abzuarbeiten. Mehrheitlich wird in den Industriebetrieben produziert“.