AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

AK-ExperteVermögen in Österreich besonders ungleich verteilt

Reichstes 1 Prozent besitzt über 22 Prozent des Vermögens, Hälfte der Bevölkerung besitzt nur 3,6 Prozent des Gesamtvermögens - Einkommensverteilung hingegen ausgewogener - Erbschaften und niedrige Vermögenssteuern in Österreich verstärken Ungleichheit.

"Österreich ist im Spitzenfeld der ungleichsten Länder der Eurozone", so der AK-Experte
"Österreich ist im Spitzenfeld der ungleichsten Länder der Eurozone", so der AK-Experte © weyo - stock.adobe.com (Marian Vejcik)
 

Die Vermögensverteilung ist in Österreich besonders ungleich, konstatiert Arbeiterkammer-Experte Matthias Schnetzer im APA-Gespräch. Die von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) dazu seit 2010 erhobenen Zahlen zeigen in den letzten Jahren keine wesentliche Verbesserung. "Österreich ist im Spitzenfeld der ungleichsten Länder der Eurozone", so der Ökonom.

Das sieht man an der Verteilung der Nettovermögen: Alleine das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt 22,6 Prozent des gesamten Nettovermögens. Die reichsten 5 Prozent verfügen über 43,1 Prozent des Gesamtvermögens, die reichsten 10 Prozent haben 56,4 Prozent in ihrem Eigentum. Die reichsten 20 Prozent, also das reichste Fünftel, zählt 72,8 Prozent des Gesamtvermögens zu ihrem Besitz. Hingegen hat die ärmere Hälfte der Bevölkerung praktisch kein Vermögen: Auf die ärmeren 50 Prozent entfällt nur 3,6 Prozent des Gesamtvermögens.

Österreich ist im Spitzenfeld der ungleichsten Länder der Eurozone

Arbeiterkammer-Experte Matthias Schnetzer

Dabei ergaben sich in allen drei bisher von der OeNB durchgeführten Befragungsrunden (2010, 2014, 2017) kaum Veränderungen. Das reichste eine Prozent hat seit dem Jahr 2010, wo es über 22,9 Prozent des gesamten Nettovermögens verfügte, nur minimal auf 22,6 Prozent verloren. Der Anteil der ärmeren Hälfte der Bevölkerung stieg leicht von 2,8 auf 3,6 Prozent. Auf die reichsten 20 Prozent entfielen im Jahr 2010 noch 76,6 Prozent, im Jahr 2017 waren es 72,8 Prozent. Weil die Veränderungen nur sehr klein sind liegen diese laut Experten im Rahmen der statistischen Unsicherheit. Die Verteilung ist also recht konstant.

Der sogenannte Gini-Koeffizient, der den Grad der Ungleichheit misst, lag bei der Erhebung im Jahr 2017 bei 0,73. Bei einem Wert von 1 hat ein einziger Superreicher alles Vermögen, beim Wert von 0 hat jeder genau das gleiche. Je näher der Wert also bei 1, desto ungleicher ist das Vermögen verteilt.

Dabei sind in den Daten der Nationalbank, die durch stichprobenartige Befragungen bei Haushalten gebildet werden, die Superreichen noch gar nicht enthalten, gibt der Verteilungsexperte Schnetzer zu bedenken. Denn die Daten beruhen auf exakt 3.072 Interviews mit Haushalten. Die Wahrscheinlichkeit, die wenigen Milliardäre bei einer Stichprobe zu erwischen, sei schon extrem niedrig. Noch niedriger sei die Wahrscheinlichkeit, dass ein zufällig gezogener Milliardär auch tatsächlich seine Vermögensverhältnisse offenlege.

Im Gegensatz zur ungleichen Vermögensverteilung sei die Einkommensverteilung ausgewogener, so Schnetzer: Während der Anteil der reichsten 10 Prozent am Gesamtvermögen bei über 56 Prozent liegt, ist ihr Anteil am Gesamteinkommen "nur" 22 Prozent.

"Beim Vermögen ist Österreich keine Mittelschichtsgesellschaft", so Schnetzer. Auch wenn das allgemeine Bewusstsein so sei, dass sich kaum jemand selber als "arm" oder "reich" betrachte. Bei einer Selbsteinschätzung würden sich die Österreicher mehrheitlich falsch, nämlich in die Mittelschicht, zuordnen. "Die Ärmeren reden es sich schöner, die Reichen verorten sich in der Mittelschicht", meint der Ökonom.

Diese falsche Selbsteinschätzung mache die Debatte über Vermögenssteuern bzw. vermögensbezogene Steuern problematisch - weil alle steuerlichen Maßnahmen auf Vermögen fälschlicherweise als Steuern für die Mittelschicht gesehen werden. Dabei zähle man ab einer Million Euro Nettovermögen - also Vermögen ohne Schulden - schon zu den reichsten 5 Prozent der Bevölkerung. "Die Leute fühlen sich von einer Vermögenssteuer betroffen - obwohl sie es zum größten Teil gar nicht sind".

Armut und Reichtum wird oft vererbt

Erbschaften spielen eine sehr große Rolle bei der Vermögensungleichheit: Bei den 50 reichsten Österreicherinnen und Österreichern haben in 38 Fällen Erbschaften zumindest eine Rolle gespielt, verweist der AK-Experte Matthias Schnetzer etwa auf die Milliardärinnen Heidi Horten oder Ingrid Flick, die Familien Esterhazy oder Swarovski.

Die Rolle von Erbschaften werde in den nächsten Jahrzehnten noch weiter zunehmen: Die Babyboomergeneration wird sterben, damit gibt es mehr Erbfälle - die auf weniger Kinder als in vorigen Generationen verteilt werden. Während die Generation des Nachkriegskapitalismus noch aus eigener Arbeit Vermögen aufbauen und etwa ein Eigenheim erwerben konnte, spiele künftig die eigene Arbeit eine immer geringere Rolle beim Vermögensaufbau, gibt Schnetzer zu bedenken: "Die Vermögensungleichheit wird auf die nächste Generation übertragen".

Dazu komme der in Österreich im internationalen Vergleich sehr geringe Anteil an vermögensbezogenen Steuern: Mit 1,3 Prozent Anteil der Vermögensteuern am Gesamtsteueraufkommen belegt Österreich innerhalb der gesamten Industriestaatengemeinschaft OECD den drittletzten Platz. Hier wirke sich in Österreich praktisch nur die Grundsteuer aus. Anders die Lage in den wirtschaftsliberalen Ländern: In Großbritannien liegt der Anteil der Vermögenssteuern am Gesamtsteueraufkommen zehn mal höher bei 13 Prozent. Bei den Briten gebe es auch eine Erbschaftssteuer - während Österreich in dieser Hinsicht eine "Steueroase" sei. In den USA liegt der Vermögenssteueranteil bei 11 Prozent, in der Schweiz bei 7 Prozent, und in Deutschland bei 3 Prozent und damit immer noch mehr als doppelt so hoch wie hierzulande. Der OECD-Schnitt liegt bei 5,7 Prozent. "Wenn wir die Abgabenlast auf Arbeit senken wollen, aber den Wohlfahrtsstaat nicht aushöhlen wollen, brauchen wir eine Gegenfinanzierung aus vermögensbezogenen Steuern", so Schnetzer.

Der AK-Ökonom verweist auch auf die Rolle des Wohlfahrtsstaats: Das fehlende Privatvermögen bei der ärmeren Hälfte der Bevölkerung werde durch das öffentliche Vermögen ergänzt. So brauche jemand, der im Gemeindebau oder in der Genossenschaftswohnung lebt, kein Eigenheim. Das öffentliche Gesundheits- und Bildungswesen spare dem Einzelnen Geld, zur Erholung kann man öffentliche Schwimmbäder und Parks besuchen - statt im eigenen Garten im Swimmingpool abzukühlen. Wer sich auf ein gut funktionierendes öffentliches Bildungswesen verlassen kann, braucht keine Schulgelder und Studiengebühren für private Schulen oder Universitäten zahlen.

Kürzungen bei öffentlich finanzierten Leistungen treffen daher direkt die Lebensqualität jener, die das nicht durch private Möglichkeiten ersetzen könnten. Hingegen würde das Geld der Reichsten auch eingesetzt für Lobbying - mittels Parteispenden, Finanzierung von Thinktanks oder Kampagnen - um ein vorteilhaftes Umfeld für Vermögen und gegen Umverteilung zu schaffen.

Kommentare (71)

Kommentieren
edug16
3
0
Lesenswert?

AK - Präsident Franz Illeschitz

Illeschitz - Witwe 160 000,00 Schilling Pension - monatlich!

1 kg Brot kostete 6,50 Schilling

Antworten
ES52
5
5
Lesenswert?

und was steckt dahinter?

Absicht dieser "Studien" (zusammen mit "Experte" für mich die Schimpfwörter der Jahre) ist immer wieder: Einführung von Erbschafts- und Vermögenssteuern.

Warum soll man Steuern auf z.B. ein sogen. Vermögen wie Haus, Wohnung bzw. Erspartes zahlen, wenn man zuvor bis zu 55 % Einkommensteuer, aus daraus angelegtem Finanzvermögen 27,5 % KESt zahlt?

Bei Übertragung von Haus und Grund fällt Grunderwerbsteuer und Grundbucheintragungsgebühr an.

AK sollte auf ihre Vermögen in 3stelliger Millionenhöhe schauen, die sie ihren Zwangsmitgliedern vorenthält bzw. den eigenen Bonzen zahlt (AK-Direktoren z.B. erhalten über 17.000 Euro monatlich in Wien, bzw. über 15.000 Euro in Stmk + Zulagen + Zusatzpensionen )
Was geschieht mit den jährlichen AK-Einnahmen von 500 Mio Euro, Herr Chefökonom? 220 Mio für eigenes Personal, 80 Mio für sonstigen Aufwand und der Rest? Wie hoch sind die Pensionsrückstellungen, die Vermögen in WErtpapieren und Immobilien?

Antworten
Henry44
5
3
Lesenswert?

Könnte das damit zusammenhängen,

dass es einige Superreiche gibt, deren Riesenvermögen die Statistik verzerren?

Eine Erbschafts- und/oder Vermögenssteuer würde zwar Geld einbringen, aber an der Verteilung statistisch nichts ändern.

Antworten
edug16
5
10
Lesenswert?

AK Vermögensaufbau

Herr AK - Präsident Alois Rechberger hat´s vorgezeigt -
es geht!

Antworten
Helmut67
7
15
Lesenswert?

1000000€Netto

Ich kenne keinen. Vermögen soll höher besteuert werden und wer sich aufregt soll wo anders hin ziehen. Österreich ist doch ein schönes Land zu leben. Eine leichte Umverteilung würde es noch lebenswerter machen.

Antworten
Hieronymus01
14
27
Lesenswert?

Ich versteh die Welt nicht.

mit kommt vor, in diesem Forum schreiben nur Vermögende oder jene die Mitleid mit ihnen haben.

Es geht doch dass jene die hart arbeiten und für die Volkswirtschafte was beitragen entlastet werden.

Was trägt ein betuchter Beerbter oder Begünstigter die es aufgrund ihrer erfolgreichen Vorfahren ein Vermögen hat für die Volkswirtschaft bei?

Jeder Straßenkehrer trägt mehr für die Gesellschaft bei als jener der auf seinen Zinshäusern oder Aktienpaketen sitzt.

Antworten
pescador
28
29
Lesenswert?

.

Immer wieder diese Jammerei, die bösen Reichen und die so armen Armen. In Österreich hat jeder die Chance und Möglichkeiten auf eine gute Ausbildung, einen gut bezahlten Job und sich damit etwas aufzubauen. Nur die meisten Jammerer beziehen ihre Bildung aus der Glotze und arbeiten sollen andere. Das einzige was diese Leute können ist fordern und in Selbstmitleid versinken.

Antworten
checker43
6
21
Lesenswert?

Sie

liegen falsch. Durch Arbeit wird man nicht sehr vermögend, das passiert vorwiegend nur durch Erbschaft.

Antworten
pescador
8
11
Lesenswert?

.

Wenn schon nicht reich, aber man kann durch und mit Ausbildung und Arbeit ein schönes und inhaltsreiches Leben führen. Die Jammerer jedoch stellen diesen Anspruch ohne selbst etwas dazu beitragen zu wollen. Der Staat bzw die Allgemeinheit hat dafür aufzukommen.

Antworten
checker43
3
20
Lesenswert?

Ich ergänze:

Oder durch politische Verbindungen, die einem hervorragend dotierte Posten auch ohne die benötigte Qualifikation verschaffen.

Antworten
kritiker47
2
11
Lesenswert?

Meint die AK

Menschen, wie Schachner, Hoscher, Lercher, Muchitsch, Walch ?

Antworten
CIAO
4
7
Lesenswert?

meine Güte..

wars nicht allerweil so?
Die Herren Grafen die edlen Ritter, das arme Fussvolk...

und wenn man noch soviel Neid züchtet, es wird nicht besser....

Antworten
HB2USD
29
16
Lesenswert?

Mich ärgern die

Mindestsicherungsbezieher mehr.

Antworten
LUR
12
17
Lesenswert?

Was ist mit ihnen Falsch!?

ASI

Antworten
edug16
16
35
Lesenswert?

AK-Vorstandsmitglied Schachner

Hoscher + Lercher + Schachner = SPÖ

Sich holen, was nur einmal geht!

Freundschaft!

Antworten
altbayer
1
5
Lesenswert?

214.000 im Jahr

sollen es sein.

Antworten
ChihuahuaWelpe56
25
9
Lesenswert?

Im Artikel werden prozentuelle Werte verwendet!

Wie stehts um die absoluten Zahlen? Oder kann man die nur schwer schätzen? Oder müssen die Reichen ihr Vermögen etwa nicht offen legen? Bin gespannt, wann von den Reichen, die Neid-Käulen-Debatte kommt ;)

Antworten
pescador
5
10
Lesenswert?

.

Weshalb sollte jemand sein sein Vermögen offen legen müssen.

Antworten
ChihuahuaWelpe56
3
3
Lesenswert?

Tu ma das nich alle bei unseren Banken?

Und ich schätze Mal, die StatistikAustria darf auf Proforma-Zahlen zugreifen, sonst hätte hier ein Artikel, das 80% der Mitbürger am Monatsende mit einem großen Minus am Konto darstehen, nicht aufwarten können! Gleiches Recht für alle! Das der Didi 189 Mio € verdient hat, ist ja auch dort gestanden! Jetzt wäre es interessant, was Porsche-Piiech mit seiner Familienstiftung verdient!

Antworten
ChihuahuaWelpe56
53
13
Lesenswert?

Privatstiftungen mit sofortiger Wirkung auflösen, Konten einfrieren, Miethäuser und Wohnungen beschlagnahmen ....

Ich meine, es gäbe für eine Gleichheit sicher die passenden Instrumente ... dies oder es gibt bald eine Revolution. Frankreich ist mit seinen Gelbwestenprotesten ja mitten drinnen!

Antworten
shorty
1
1
Lesenswert?

Sie können ja

nach Nordkorea auswandern.

Antworten
Nixalsverdruss
1
10
Lesenswert?

Eine kleine Ungenauigkeit in Ihrem Beitrag:

Bei der Auflösung von Stiftung ist die VOLLE Steuerpflicht vorhanden. D.h. solange das Geld in der Stiftung geparkt ist, kann momentan nicht bzw. nur minimal besteuert werden.

Antworten
VH7F
9
29
Lesenswert?

Seegrund enteignen, fehlt in der Aufzählung,

Und alle sind gleich. Der Kommunismus hat es bewiesen, dass das nur Scheitern kann.

Antworten
ChihuahuaWelpe56
31
14
Lesenswert?

Keine Panik, lieber Rotstrichler!

Ich vermute dein Gehalt ist nicht annähernd so hoch, wie dass eins FPÖ oder ÖVP Politikers (exklusive sonstiger Lobby-Zuwendungen versteht sich ;))

Antworten
shorty
1
2
Lesenswert?

Aha

Und die Politiker der anderen Parteien erhalten weniger?

Antworten
ralfg
16
28
Lesenswert?

.

Jede woche der blödsinn von armut in ö. Es steht jedem offen zu studieren unternehmen zu gründen zu investieren etc. Niemand wird einfach so reich.

Das problem bei den 50% sehe ich folgend. Es wird zu viel geld ausgegeben. Wie soll man sich ein eigenheim kaufen wenn man sich alle 1.5 jahre ein iphone gönnt um 800€. Das sind schon 5 stück 3fach glasfenster. Jeder kann in Österreich etwas besitzen. Es sind nicht die imaginären reichen die einen alles wegnehmen und arm machen man ist selber schuld wenn man am ende des Monats nichts hat. Die fleißigen o.e. besitzen hier inzwischen häuser während sich unsere jugend nur gönnt.

Und dann wieder die jammernden rentner. Man hatte über 40 jahre lang zeit sich um sein alter selbst zu kümmern (bis auf wenige einzelfälle). Warum erfolgreichen menschen wegnehmen um leute zu stopfen die jahrzehnte zu wenig vorgesorgt haben.

Antworten
 
Kommentare 1-26 von 71