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NeuausrichtungÖBAG: Aus der Verstaatlichten wird ein Staats-Fonds

In den 1970ern war die verstaatlichte Industrie eine tragende Säule der österreichischen Wirtschaft. In den 1980ern kam der Niedergang. In den 1990er und 2000er Jahren wurde privatisiert. Doch nun sind wieder Zukäufe möglich.

Die ÖBAG hat eine neue Strategie
Die ÖBAG hat eine neue Strategie © APA/PHILIP STOTTER
 

Von einer strategischen Neuausrichtung der österreichischen Staatsholding war schon die Rede, als diese noch als ÖIAG firmierte. Inzwischen ist die Phase der verwaltenden ÖBIB überdauert und bei der nunmehrigen ÖBAG gibt es die Neuausrichtung zum aktiven Beteiligungsmanagement bei den Beteiligungsfirmen Post, Telekom Austria, OMV, Casinos und Co.

Die Staatsholding hat nicht nur ihren Sitz nach Wien-Alsergrund verlegt, wo sie von außen unscheinbar Büros bezogen hat. Sie hat ihren Zugang zum Beteiligungsmanagement geändert, der nicht so unscheinbar ausfallen wird, wie es die Büros tun. Das geht aus dem Strategiepapier hervor, auf dessen Basis ÖBAG-Vorstand Thomas Schmid am Freitag bei der Wirtschaftskonferenz "Salzburg Summit" erstmals öffentlich zur Neuausrichtung der Staatsholding spricht.

Standortstärkung

Die ÖBAG ist erst im Jänner aus der ÖBIB entstanden, der frühere, ÖVP-nahe Generalsekretär des Finanzministeriums, wurde Ende März zum Alleinvorstand bestellt. Die Neuausrichtung, nicht zuletzt durch das neue ÖBAG-Gesetz induziert, wurde neu ausgearbeitet. "Die ÖBAG ist die zeitgerechte Antwort auf die Anforderungen des derzeitigen Wirtschaftslebens", sagt Vorstand Schmid zur APA.

Der ÖBAG geht es im Allgemeinen um eine Standortstärkung, eine Stärkung der österreichischen Hauptquartiere der Beteiligungsunternehmen und eine Stärkung des Forschungs- und Entwicklungsstandortes Österreich über den Kapitalmarkt. Der Fokus liegt auf den Beteiligungsunternehmen, aber auch Zukäufe sind nicht ausgeschlossen. Zu einem Vorbild ist der finnische Staatsfonds Solidium geworden, aber mit Details sich etwa auch bei einem norwegischen Fonds inspirieren lassen.

"Wir agieren nach den Regeln des Kapitalmarkts und haben die positive Entwicklung des Standort Österreichs im Fokus unseres Handelns", sagt Schmid. "Nachhaltigkeit, Diversität und Digitalisierung haben für uns strategische Relevanz, genauso wie klare finanzielle Zielsetzungen."

Wertsteigerung als Ziel

Naturgemäß geht es stark um die Wertsteigerung, um das Dividende-Verdienen für den österreichischen Staat - und es muss mehr werden: Hierbei gibt es ein Novum, dass erstmals ein Ziel der Wertsteigerung definiert wurde. Es handelt sich um eine Bandbreite, die sich an internationalen Benchmarks orientiert, mehr will die ÖBAG nicht verraten. Üblicherweise ist das im unteren einstelligen Prozentbereich.

Nicht vorgesehen ist es, Fördergeber zu sein oder sich Sanierungs- und Restrukturierungsfällen anzunehmen. Auch beihilfenrechtliche Vorhaben wird es ebenso wenig geben wie Start-up-Förderungen. Dafür gibt es andere Gesellschaften.

Einkauf in Schlüsselindustrien

Die Konzentration liegt auf Schlüsselindustrien. Zwar sind keine Einkaufstouren geplant, es werden aber strategisch wichtige Unternehmen für Österreich definiert, wo die ÖBAG an Ort und Stelle sein will, wenn sich auf Eigentümerebene etwas ändert. Als gutes Beispiel kann ein traditionelles und erfolgreiches Familienunternehmen verwendet werden, wo es etwa ein Übergabeproblem gibt.

Bevor ein ausländischer Fonds einsteigt, will die ÖBAG im Fall des Falles einen Mehrwert durch eine eigene Minderheitsbeteiligung schaffen. Gleichzeitig soll die Möglichkeit geschaffen werden, dass weitere heimische Investoren einsteigen können und es im Bestfall zu einem Börsengang kommt. Das könnte der Fall sein, wenn Banken wegen neuer Vorschriften Beteiligungen aufgeben müssten. Betont wird, dass der Druck auf die Öffentlichkeit steigt, wenn die ÖBAG wo einsteigen sollte, auch wenn das entsprechende Unternehmen nicht börsennotiert ist.

Vorstellbar ist für die ÖBAG auch die Installation oder Beteiligung an einem Innovationsfonds, wie ihn erst dieser Tage Wirtschaftskammer- und Nationalbankpräsident Harald Mahrer wieder thematisierte. Freilich braucht es dazu vorher einen politischen Beschluss. "Für einen Nachhaltigkeitsfonds bedarf es einer politischen Entscheidung, wir sehen uns aber in Themen wie Nachhaltigkeit und Kapitalmarktorientierung mit diesem Vorschlag stark unterstützt", sagt Schmid. "Das entspricht auch der Strategie der ÖBAG, Investitionen in grüne Technologien voranzubringen und mehr privates Kapital zu mobilisieren."

Aktives Beteiligungsmanagement

Beim Bestandsportfolio, auf dem der Fokus liegt, gibt es nun ein aktiveres Beteiligungsmanagement mit vordefinierten Zielen. Für jedes Unternehmen ist festgelegt, wie der Wert gesteigert werden soll: Was sind die Hebel, wie will man vorgehen. Die Unternehmensstrategien werden dahingehend abgeklopft, ob sie mit den Eigentümerzielen zusammenpassen. Gleichzeitig betont die ÖBAG, dass man sich als normaler Aktionär fühlt, also salopp formuliert nicht besser sei, als andere Teilhaber. Die Beteiligungsunternehmen sollen in einem langfristigen Ansatz weiterentwickelt werden und so wettbewerbsfähig bleiben.

Insgesamt liegt der Fokus auf Nachhaltigkeit aus der Kapitalmarktperspektive heraus (ESG, environmental social government, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) sowie deren Messbarkeit im Sinne von Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Freilich ist auch die Digitalisierung wichtiges Thema. Die Diversität in den Beteiligungsfirmen soll steigen. Zudem will man Vorreiter in Coporate Governance für Österreich sein.

"Als Staatsholding haben wir eine einzigartige Position, weil wir an einer langfristigen und nachhaltigen Wertsteigerung arbeiten", so Schmid.

 

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