Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran und die damit in Verbindung stehende Ölpreisentwicklung haben den Wiener Aktienmarkt auch am Freitag belastet. Der ATX verabschiedete sich mit einem Abschlag von 1,61 Prozent auf 5.263,07 Punkte aus dem Geschäft. Damit schloss der österreichische Leitindex die zweite vom Iran-Krieg geprägte Handelswoche mit einem kumulierten Verlust von 2,6 Prozent ab. Für den ATX Prime ging es am Freitag um 1,63 Prozent auf 2.618,16 Zähler hinab.
Vom fast drei Wochen alten Rekordhoch bei knapp 5.867 Punkten ist der ATX nun um rund zehn Prozent zurückgefallen und kratzt damit an der charttechnischen Korrekturzone. Diese Schwelle hatte das Börsenbarometer im früheren Wochenverlauf bereits vorübergehend unterschritten. Die Gewinne seit Jahresanfang sind inzwischen gänzlich abgeschmolzen.
„Erhöhte Risikoaversion“
Auch an den anderen europäischen Handelsplätzen zeigten die Pfeile am Freitag nach unten. Der Euro-Stoxx-50 schloss mit minus 0,56 Prozent auf 5.716,61 Punkten. In Frankfurt ermäßigte sich der DAX in einem ähnlichen Ausmaß um 0,60 Prozent bei 23.447,29 Zählern. Außerhalb der Eurozone gab der FTSE-100 0,43 Prozent auf 10.261,15 Einheiten ab.
Marktbeobachter verwiesen vor dem Wochenende auf eine erhöhte Risikoaversion angesichts möglicher weiterer Ereignisse im Nahen Osten. Zudem bleibt das Muster bestehen, dass sich Aktien- und Anleihenkurse sowie der Euro entgegengesetzt zu den marktbestimmenden Ölpreisen bewegen.
Der Brent-Ölpreis pendelte am Freitag um die Marke von 100 US-Dollar. Irans Revolutionsgarden bekräftigten, dass die Straße von Hormuz geschlossen bleiben soll und drohten mit weiteren Angriffen auf die Öl- und Gas-Infrastruktur der Region. Die USA intensivierten eigenen Angaben zufolge wiederum die Luftangriffe auf den Iran. Die erhöhten Energiepreise schlagen sich durch wachsende Sorgen über die Auswirkungen auf Inflation und Konjunktur wiederum auf die Aktienkurse nieder.
Verluste auch an der Wall Street
Die US-Börsen haben am Freitag im Verlauf einen Erholungsversuch ebenfalls abgebrochen und im Minus geschlossen. Vor dem Wochenende drückten die Intensivierung des Iran-Kriegs und der damit einhergehende Anstieg der Ölpreise auf die Stimmung, nachdem im Frühhandel enttäuschende Konjunkturdaten die Hoffnungen der Anleger auf zumindest eine Leitzinssenkung der Notenbank in diesem Jahr wiedererweckt hatten. Die US-Wirtschaft war im Schlussquartal 2025 schwächer gewachsen als erwartet.
Der Dow Jones Industrial gab um 0,26 Prozent auf 46.558,47 Punkte nach. Am Vortag bereits war der Leitindex wegen der fortdauernden, weitgehenden Sperre der Straße von Hormuz und der damit verbundenen Inflationssorgen einmal mehr unter Druck geraten. Auf Wochensicht resultierte damit ein Minus von 2 Prozent.
Der marktbreite S&P 500 verlor am Freitag 0,61 Prozent auf 6.632,19 Zähler. Für den technologielastigen und schwankungsanfälligen Nasdaq Composite ging es um 0,93 Prozent auf 22.105,36 Punkte nach unten.
Reagiert die EZB?
Fraglich bleibt, wie die Europäische Zentralbank (EZB) auf einen möglichen Inflationsanstieg reagieren würde. Einer Bloomberg-Erhebung zufolge rechnet die große Mehrheit der vor wenigen Tagen befragten Ökonomen damit, dass die EZB ihre Leitzinsen in diesem Jahr noch nicht anheben wird. An den Terminmärkten werden hingegen bereits ein bis zwei kleine Zinsanhebungen um 25 Basispunkte bis Jahresende eingepreist. Knackpunkt dürfte dabei sein, ob die Notenbanker ölpreisbedingte Inflationsanstiege als vorübergehend ansehen können, was insbesondere auf die Entwicklung der Inflationserwartungen im Euroraum ankommen dürfte.
Im ATX gaben UNIQA nach Zahlen 3,5 Prozent ab. Der Aktienkurs hatte sich seit Beginn des Vorjahres jedoch mehr als verdoppelt. Der Versicherer hatte 2025 unter anderem wegen ausbleibender Naturkatastrophen deutlich besser verdient und hob daher die Dividende deutlich an. Analyst Thomas Unger von der Erste Group sprach von erwartungsgemäß starken Zahlen und Ausblick, die eine solide operative Entwicklung und eine anhaltende Wertschöpfung für die Aktionäre untermauern würden. Der höher als erwartet ausgefallene Dividendenvorschlag sei eine positive Überraschung.
Unter den wenigen Gewinnern im ATX befanden sich die Ölwerte. Angesichts der starken Ölpreisanstiege reagierten mehrere Analysten mit Kurszielanhebungen für europäische Branchenvertreter. OMV stiegen um 1,5 Prozent. Klare Abgaben gab es hingegen bei den konjunktursensiblen Industrie- und Bauwerten sowie Banken.