Die Ölpreise sind am Donnerstag nach iranischen Attacken auf den Energiesektor im Persischen Golf kräftig gestiegen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Mai stieg zeitweise über 100 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Am späten Nachmittag wurde ein Fass zeitweise wieder knapp unter der Marke gehandelt, bei 99,60 Dollar, was einem Anstieg von über sechs Prozent entspricht. Im weiteren Handelsverlauf wurde die 100-Dollar-Marke dann aber auch wieder überschritten. Die Sorte Western Texas Intermediate wurde indes bei 94,85 Dollar gehandelt.

Immer stärkere Angriffe der iranischen Streitkräfte gegen die Energiewirtschaft wichtiger Förderstaaten am Persischen Golf haben die Preise angetrieben. Unter anderem wurden im Oman Treibstofftanks im Hafen von Salala mutmaßlich von iranischen Drohnen getroffen.

Schiffe immer wieder unter Beschuss

Zudem geraten Schiffe im Persischen Golf, der Straße von Hormuz und dem Golf von Oman immer wieder unter Beschuss. Die Gefahr durch iranische Raketen und Drohnen hat die Handelsschifffahrt in der Region seit Kriegsbeginn fast komplett zum Erliegen gebracht.

Jüngste Äußerungen von Irans oberstem Führer Modschtaba Chamenei lassen eine längere faktische Schließung der Straße von Hormuz erwarten. Durch die Meerenge wird Rohöl aus dem Persischen Golf vor allem in asiatische Länder geliefert. „Auch muss weiterhin der Hebel der Blockierung der Straße von Hormuz genutzt werden“, wird Chamenei in staatlichen Medien des Iran zitiert.

Der Iran-Krieg sorgt nach Angaben der Internationalen Energieagentur IEA für eine beispiellose Störung der Ölversorgung. Der Krieg schaffe die „größte Versorgungsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarktes“, schreibt die IEA in einer Zusammenfassung ihres monatlichen Ölmarktberichts.

Zu Wochenbeginn war der Preis für Rohöl aus der Nordsee wegen der Eskalation des Iran-Kriegs zeitweise auf knapp 120 Dollar gestiegen. Am Dienstag fiel der Preis dann unter anderem wegen Aussagen von US-Präsident Donald Trump über ein baldiges Kriegsende wieder bis auf fast 80 Dollar. Doch die Erleichterung hielt nicht lange an. Auch die Ankündigung der Freigabe von strategischen Ölreserven verpuffte und die Ölpreise legten wieder kräftig zu.

Der Preis von Gold hat sich indes auf hohem Niveau etwas reduziert. Die Feinunze (31,10 Gramm) kostete in London zuletzt 0,42 Prozent weniger und somit 5.154 US-Dollar.

EU sieht weiter stabile Versorgung mit Öl und Gas

Die Versorgung der Europäischen Union mit Öl und Gas ist nach Angaben aus der EU dennoch sichergestellt. Aus den Treffen der jeweiligen EU-Expertengruppen zu beiden Rohstoffen ging einer Sprecherin der EU-Kommission zufolge hervor, dass derzeit keine Sorge um einen Engpass bestehe. Die Situation müsse aber im Blick behalten werden. Beim Gas gehe es vor allem um Preisfragen.

Die EU-Länder diskutierten den Angaben zufolge bei dem Treffen der Öl-Expertengruppe die Verständigung der Internationalen Energieagentur IEA, als Reaktion auf den Iran-Krieg eine Rekordmenge strategischer Ölreserven freizugeben. Bis zum frühen Abend wollten die EU-Staaten demnach an die Agentur kommunizieren, inwiefern sie sich daran beteiligen. Mit Blick auf die Gasversorgung betonen die Länder der Sprecherin zufolge, es sei noch zu früh, in die Speicherbefüllung einzugreifen.

Angesichts hoher Preise hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen jüngst angekündigt, die Energiekosten senken zu wollen. Demnach sollen mehrere Preiskomponenten der Energierechnung auf den Prüfstand kommen: Neben den reinen Energiekosten auch die Netzentgelte, Steuern und Abgaben sowie die CO2-Kosten.