Das Auto ist hier nur noch eine Randnotiz, die Mobilität keine leere Worthülse. Wem gehören unsere Städte, wie müssen wir den Platz aufteilen, wie wollen wir uns in einer überalterten Gesellschaft bewegen? Geben wir den Autos mehr als die 30 Prozent, die ihnen eigentlich zustehen würden? Oder weniger? Wie wird der Raum aufgeteilt?

Was unsere Mobilität in Zukunft braucht

Es ist kein Geheimnis, die Städte verändern sich, und unsere Mobilität mit ihnen. Wer will in überfüllten Öffis sitzen, wenn es charmantere Lösungen gibt? Der österreichische Designer Gerald Kiska hat mit seinem Team zum Beispiel für Renault ein Mikromobilitätsprojekt bearbeitet und Renault hat eine Studie dazu gemacht. Die Frage lautete: Wie beeinflusst die Größe des Fahrzeugs das Tempo? „Man hat gesehen, dass die Zeit von A nach B in Paris mit einem Roller 20 Minuten dauert und mit einem Auto eine Stunde. Man ist also um den Faktor drei schneller. Dann hat man ausprobiert, ab welcher Fahrzeuggröße der Verkehr verlangsamt wird. Bei einer Fahrzeugbreite von unter einem Meter ist die Fahrzeit auf 40 Minuten gefallen und bei einer Fahrzeugbreite von weniger als 80 Zentimetern waren es nur noch 20 Minuten. Weil so eine vierte, fünfte, sechste Fahrspur aufgemacht wird, wo nur drei vorgesehen sind. Deshalb sind Regelungen wie in Paris dem Verkehrsinfarkt geschuldet. Da geht sowieso nichts mehr mit einem großen Vehikel.“

Das Kindermädchen auf Rädern

Europas Automobilhersteller stehen in diesem Bereich noch ganz am Anfang. Toyota hat sich in einer überalterten japanischen Gesellschaft schon seit Jahren mit diesem Thema auseinandergesetzt, und zieht heute das ganze Spektrum in die volle Breitseite – vom mobilen Kindermädchen, das aussieht wie eine Knutschkugel bis zu ganz persönlichen Mobilitätsformen.

Toyota Kids Mobi nennt sich zum Beispiel das Kindermädchen auf Rädern, das allen Helikoptereltern die Tränen (vor Freude) in die Augen treiben wird. Innen drin: Ein Sitzplatz, gefahren wird freilich autonom, bespielt wird der Nachwuchs mit Künstlicher Intelligenz. Es ist faszinierend und ernüchternd zugleich, wie weit diese Technologien heute schon im Zusammenspiel sind – und damit nicht mehr aufzuhalten.

Vom Stehroller bis zum wandernden Sitz: So denkt Toyota die Mikro-Mobilität

Seit den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts vertieft sich Toyota in den Themenbereich der Mobilität für ältere Menschen oder Menschen mit physischen Beeinträchtigungen. Heute heißt die Serie „Me“, und nutzt neueste Technologien, um Menschen eine individuelle Mobilität zu ermöglichen. „Boost me“ ist eines dieser Mobilisierer aus einer Trilogie, ein elektrischer Stehroller, den man über Gewichtsverlagerungen oder Rotationsbewegungen steuert – und so Ballsportarten (Tennis, Basketball) auf eine ganz neue Art möglich macht, auch mit Handicaps. „Walk me“ ist wie ein Insekt, mit vier Beinen, das Treppen steigen kann oder über Waldwege spaziert – mit einem Menschen, der einfach auf diesem Stuhl sitzt. „Challenge me“ macht Rollstuhl zum Offroad-Erlebnis-Faktor.

Noch einen Schritt weiter fährt Toyotas Edelmarke Lexus mit dem LS Micro Concept: Ein Single-Dreiradler, mit einem Sitz wie ein Thron, High-Tech-Materialien und voll autonom fahrend. Auch so könnte ein Robotaxi für unsere Städte aussehen: So schmal wie ein breiter Roller, genauso wendig, aber gleichzeitig luxuriös wie ein Auto.

Die humanoiden Roboter kommen 2026

Asiens Autohersteller gehen Vergleich zur europäischen Konkurrenz viel offener mit dem Thema Roboter um. Das Auto ist nicht mehr das alleinige Heilmittel, das „Next Big Thing“ neben fliegenden Autos sind humanoide Roboter, etwa von Xpeng, jenem Autohersteller, der in Graz bei Magna Fahrzeuge fertigen lässt, eigene KI-Chips baut und Roboter mit eigener, menschenähnlicher Haut und Muskeln entwickelt hat. Bei Xpeng spricht man davon, dass man eine „Bindung“ zwischen Mensch und Maschine aufbauen will, man sieht das als technische und philosophische Herausforderung. Roboter sollen in allen Lebensbereichen helfen, unsere Partner werden. Die KI sei dabei nicht alleine entscheidend, vielmehr seien die „Ingenieurs-Arbeiten“ für die Bewegungen die große Herausforderung.

„Humanoide Roboter werden in den nächsten Jahren in den wesentlichen Bereichen die Menschen in ihren Fähigkeiten überholen und wichtige Tätigkeiten abnehmen“, ist man überzeugt. Der Arm des Xpeng-Roboters etwa, so Xpeng-Techniker, sei zu 90 Prozent menschenähnlich. Die Massenproduktion der humanoiden Robotergeneration soll 2026 anlaufen, samt weiblicher/männlicher Ausgabe. Schwierig bleibt die Energieversorgung: Die KI, das Denken, frisst mehr Energie als Bewegungen, die ein humanoider Roboter ausführt.