„Das ist kein Abgesang auf die Kärntner Wirtschaft“, sagt Studienautor Eric Kirschner vom Joanneum Research. Aber die Ergebnisse der Konjunkturumfrage unter mehr als 200 Betriebsrätinnen und Betriebsräten in Kärnten im Auftrag der Arbeiterkammer hören sich genau so an. Ausblick negativ, Stimmung schlecht, Investitionszurückhaltung, Fachkräftemangel, hohe Kosten, Auslagerung von Produktion ins Ausland.

Die Arbeitnehmervertreter - sie repräsentieren 62.000 Beschäftigte und damit 30 Prozent aller Kärntner Arbeitnehmer - berichten von schwachen Auftragslagen quer durch alle Branchen, vor allem im Bauwesen, im Handel und in der Technologie. Ein Umfrageteilnehmer sagt: „Der Druck auf die Arbeitnehmer steigt. Sie sollen die Lohnerhöhungen der letzten Jahre durch Produktivitätssteigerungen hereinbringen.“ Ein anderer: „Es wird bereits mit der Verlagerung von Forschungs- und Entwicklungsarbeitsplätzen in Billiglohnländer wie Portugal, Ungarn und Asien begonnen.“ Und ein dritter: „Es braucht eine Verbesserung des Kinderbetreuungsgesetzes in Kärnten.“

Gleichzeitig trübe sich der Arbeitsmarkt ein. „Es sind keine Leute da, selbst ungelernte Mitarbeiter fehlen, wie es aus den Betrieben heißt“, sagt Kirschner. Alles in allem drohe Kärnten ebenso wie Österreich und die gesamte EU weiter an Wettbewerbsfähigkeit einzubüßen. „Man bedenke nur, dass Österreich doppelt so hohe Energiekosten hat wie etwa Amerika oder China“, so Kirschner. Und erzählt von Kärntner Unternehmen, die sich bereits proaktiv aus bestimmten Märkten zurückziehen.

KI spiele aktuell „keine Rolle“

Abgefragt hat Kirschner auch, welche Rolle - nach Meinung der Betriebsräte - Künstliche Intelligenz in den Betrieben spielt. Die verblüffende Antwort von zwei Drittel von ihnen: „Eine untergeordnete bzw. gar keine.“ Des Weiteren sehen 77 Prozent keine wesentliche Zunahme des Leistungsdrucks durch KI für die Beschäftigten. So weit, so seltsam.

Goach: „Unsicherheit in der Bevölkerung wächst“

Die Präsentation der brisanten Daten hat AK-Präsident Günther Goach bewusst im Vorfeld der AK-Vollversammlung am Mittwoch gewählt. Er meint: „Ohne politische Gegenmaßnahmen drohen wachsende Unsicherheit in der Bevölkerung und weitere Verluste in der Wirtschaft.“ Vier Resolutionen sollen daher in der Versammlung verabschiedet werden. Die Forderungen: steigende Lebenserhaltungskosten bzw. Lebensmittelpreise eindämmen, Gesundheitsvorsorge und Kinderbetreuung verbessern, österreichweit einheitliche Stromnetzgebühren einführen und den gemeinnützigen Wohnbau stärker fördern. Insgesamt rät Goach - auch im Hinblick auf die baldige Eröffnung der Koralmbahn und die damit wohl einhergehende Belebung des Wirtschaftsraumes - zu Zuversicht: „Wir sollen einen gewissen Optimismus entwickeln.“