Die börsennotierte Muttergesellschaft des oberösterreichischen Motorradherstellers KTM, die Pierer Mobility AG, wird in Bajaj Mobility AG umbenannt und alle von Stefan Pierer nominierten Aufsichtsratsmitglieder werden ihr Mandat zurücklegen, um Platz zu machen für neue Aufsichtsräte des neuen indischen Mehrheitsaktionärs Rajiv Bajaj. Dazu wird am 19. November eine außerordentliche Hauptversammlung stattfinden, wie das Unternehmen am späten Dienstagabend mitteilte.
Der indische Motorradbauer Bajaj, seit 2007 Partner von KTM, hatte im Frühjahr mit einer Finanzspritze das Überleben der insolventen KTM gesichert. Im Gegenzug wurde vereinbart, dass Bajaj das bisherige Joint Venture Pierer Bajaj zur Gänze und damit die Kontrollmehrheit an der KTM-Mutter Pierer Mobility übernimmt. Dazu sollte Bajaj sämtliche von der Pierer Industrie an der Pierer Bajaj gehaltenen 50.100 Aktien erwerben – 100 davon durch direkten Aktienkauf, für weitere bis zu 50.000 Anteilsscheine wurde eine Call-Option über den Erwerb vereinbart. Pierer Bajaj hält derzeit 75 Prozent der Pierer Mobility.
Bajaj darf ohne Pflichtangebot Kontrolle bei KTM übernehmen
Bajaj darf die Kontrollmehrheit übernehmen, ohne damit ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre auszulösen. Das hat vor Kurzem die Übernahmekommission unter Verweis auf eine Ausnahmebestimmung im Zuge eines Sanierungsverfahrens entschieden. Allerdings wurden Bajaj einige Bedingungen auferlegt, um die Interessen der anderen Aktionäre zu schützen.
Noch fehlen wettbewerbsrechtliche Genehmigungen für den Deal. Sobald aber diese erteilt und alle aufschiebenden Bedingungen erfüllt sind, muss Bajaj innerhalb von 20 Börsentagen die vereinbarte Call-Option zur Gänze ausüben und anschließend umfangreichen Informationspflichten gegenüber der Übernahmekommission nachkommen, damit kein Pflichtangebot ausgelöst wird, verlangt die Übernahmekommission.
Bajaj hat der Übernahmekommission laut deren Bescheid mitgeteilt, dass die Genehmigung der EU und der Eintritt aller Bedingungen der Call-Optionsvereinbarung für 10. November 2025 erwartet wird. Anschließend plane Bajaj alle 50.000 Call-Optionen auszuüben.