US-Präsident Donald Trump hat im Handelsstreit mit China zusätzliche Zölle von 100 Prozent auf alle chinesischen Waren angekündigt. Er reagiere damit auf Pläne der Volksrepublik, ab dem 1. November umfassende Exportkontrollen für fast alle ihre Produkte zu verhängen, schrieb Trump am Freitag auf seiner Plattform Truth Social. Die neuen US-Zölle sollten ebenfalls zum 1. November in Kraft treten und auf die bestehenden Abgaben aufgeschlagen werden.

Zudem stellte Trump Exportkontrollen für sämtliche wichtige Software in Aussicht. Einige Stunden zuvor hatte er mit dem Verweis auf chinesische Exportkontrollen für „Seltene Erden“ mit neuen Zöllen gedroht und ein geplantes Treffen mit seinem Amtskollegen Xi Jinping infrage gestellt. Eine chinesische Stellungnahme lag zunächst nicht vor.

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US President Donald Trump attending a joint press conference with Britain's Prime Minister Keir Starmer (unseen) following their meeting at Chequers, in Aylesbury, central England, on September 18, 2025, on the second day of the US President's second State Visit.
Chinese President Xi jinping delivering a speech during the Shanghai Cooperation Organization (SCO) Summit 2025 at the Meijiang Convention and Exhibition Centre in Tianjin on September 1, 2025.. Stock markets diverged and the dollar rose on September 19 at the end of a week marked by central bank decisions, as attention turned to a call between US President Donald Trump and Chinese counterpart Xi Jinping. (Photo by ANDREW CABALLERO-REYNOLDS and SUO TAKEKUMA / various sources / AFP)
US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping © AFP/Andrew Caballero-reynolds

Die Zölle würden über bereits bestehende Einfuhrbeschränkungen hinaus gelten und spätestens ab dem 1. November in Kraft treten, erklärte Trump am Freitag auf Truth Social. Er kündigte zudem Einschränkungen beim Export „kritischer Software“ nach China an.  Einige Stunden zuvor hatte er mit dem Verweis auf chinesische Exportkontrollen für „Seltene Erden“ mit neuen Zöllen gedroht und ein geplantes Treffen mit seinem Amtskollegen Xi Jinping infrage gestellt. Er sehe keinen Grund mehr für das in zwei Wochen geplante Treffen am Rande des APEC-Gipfels in Südkorea, schrieb Trump. 

„Zunehmend feindselig“

Dabei verwies er auf die chinesischen Ausfuhrkontrollen gegen Seltene Erden. Trump hatte Xi bereits in seiner ersten Amtszeit mehrmals getroffen. Unter anderem trafen sich beide Staatsoberhäupter persönlich 2019 im japanischen Osaka, 2017 war Xi nach Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida gereist.

Trump begründete seine Aussage damit, dass China angeblich „Briefe an Länder in aller Welt“ geschickt habe, in denen Exportbeschränkungen für seltene Erden und andere Materialien angekündigt würden. Dies „sei aus dem Nichts gekommen“, könne den Welthandel lahmlegen und vielen Staaten schaden. Die Volksrepublik werde zunehmend „feindselig“, meinte Trump. In seinem neuen Post spezifizierte er nun, dass China ab November unter anderem Exportkontrollen auf beinahe alle Produkte angekündigt habe, die es herstelle.

US-Börse gehen tiefrot ins Wochenende

Die US-Börsen haben sich am Freitag mit einer tiefroten Tendenz ins Wochenende verabschiedet. Trumps bereits zuvor getätigte Aussagen zu China galten als wichtigster Belastungsfaktor bzw. Impulsgeber..

A trader works at his desk on the floor of the New York Stock Exchange (NYSE) in New York on October 7, 2025. Wall Street stocks edged higher early Tuesday, extending an upbeat stretch as markets continue to look past a US government shutdown that has curtailed economic data releases. (Photo by TIMOTHY A. CLARY / AFP)
Der Dow Jones gab um starke 1,90 Prozent auf 45.479,60 Punkte nach und verbuchte damit bereits seinen 5. Verlusttag in Folge.  © AFP/Timothy A. Clary

Der Dow Jones gab um starke 1,90 Prozent auf 45.479,60 Punkte nach und verbuchte damit bereits seinen 5. Verlusttag in Folge. Beim S&P-500 gab es ein Minus von 2,71 Prozent auf 6.552,51 Einheiten zu sehen. Dies war laut US-Finanzinformationsdienst CNBC der stärkste Rückgang seit dem April. Der Nasdaq Composite sackte um 3,56 Prozent auf 22.204,43 Einheiten ab, nachdem er im Frühhandel noch ein neues Rekordhoch markiert hatte.

„Der Streit zwischen den USA und China um seltene Erden scheint zu eskalieren“, schrieb Marktanalyst Christian Henke vom Handelshaus IG. Trump sei offensichtlich der Geduldsfaden gerissen. Die Angst vor einem weiteren Handelskrieg wie im Jahr 2018 sei an den weltweiten Börsen zurückgekehrt.

China beherrscht den Markt für Seltene Erden

Die sogenannten Seltenen Erden sind extrem wichtig für Elektronik von Smartphones bis Fernsehern sowie in der Autoproduktion und der Rüstungsindustrie. China spielt eine zentrale Rolle bei der weltweiten Versorgung mit den Mineralien.

Die Regierung in Peking hatte am Donnerstag eine Verschärfung ihrer Exportkontrollen für Seltene Erden und die dazugehörigen Technologien angekündigt. Demnach unterliegt nun auch die Ausfuhr der Technologie zum Abbau und zur Verarbeitung der strategisch wichtigen Rohstoffe Beschränkungen. Beobachter hatten den Schritt als Versuch gewertet, vor dem nun fraglichen Gipfeltreffen die eigene Verhandlungsposition zu stärken. China nutze seine Marktmacht zunehmend als politisches Instrument, hieß es. Im April hatte die Regierung in Peking bereits mehrere Seltene Erden und verwandte Materialien auf ihre Exportkontrollliste gesetzt.

Die USA und China haben sich in diesem Jahr mit Zöllen und Gegenzöllen überzogen. Auch in anderen Bereichen wie dem Schiffbau liegen sie über Kreuz. Allerdings vereinbarten die beiden größten Volkswirtschaften der Welt im Handelsstreit eine 90-tägige Pause, die voraussichtlich um den 9. November endet. Bei Seltenen Erden handelt es sich um eine Gruppe von Elementen, die für viele Hochtechnologie-Produkte wie Laser, Militärausrüstung sowie für Magnete in Elektroautos und Windturbinen benötigt werden. China ist mit einem Marktanteil von rund 90 Prozent der weltweit dominierende Anbieter.