Ob es purer Zufall war oder geschickt geplant, lässt sich nicht sagen: Unmittelbar, bevor am Mittwoch die EU-Spitzen Ursula von der Leyen und António Costa mit dem japanischen Premierminister Shigeru Ishiba eine Stärkung der Handelsbeziehungen besprachen, verkündete US-Präsident Donald Trump lauthals den Abschluss eines „gewaltigen Abkommens“ mit Japan. Die USA werden demnach 15 Prozent Zölle auf Importe aus Japan erheben, zuletzt waren noch 25 Prozent gefordert worden. Im Gegenzug soll Japan bis zu 550 Milliarden Dollar in Projekte in den USA investieren. Japan soll den Zugang für amerikanische Hersteller von Autos, Lastwagen, Reis und bestimmten landwirtschaftlichen Produkten auf seinen Märkten erleichtern, umgekehrt bleibt der US-Markt für japanische Autos (mehr als ein Viertel des Exportvolumens) weitgehend erhalten. Ausgenommen vom Deal sind weiterhin Stahl und Aluminium, die bei 50 Prozent Zoll bleiben – und damit der US-Autoindustrie Kopfzerbrechen bereiten.
Doch Japan will sich auch gegenüber der EU öffnen – um „unlautere Handelspraktiken und wirtschaftlichen Druck gegen ihre Länder abzuwehren“, wie es Ursula von der Leyen ausdrückte. Es werde weiter, so Premier Ishiba, an der Aufrechterhaltung einer „regelbasierten, freien und fairen Wirtschaftsordnung“ gearbeitet. Vereinbart wurde, die Verteidigungsindustrie zu stärken, gesprochen wurde auch über Seltene Erden; China hat deren Ausfuhr eingeschränkt, was sowohl die EU als auch Japan belastet.
Weiter nach China
Die EU-Delegation reist nach China weiter, wo für Donnerstag ein Treffen mit Präsident Xi Jinping angesetzt ist. Die Grundstimmung könnte besser sein: Erst letzte Woche hatte die EU Sanktionen gegen zwei chinesische Banken wegen deren Unterstützung für Russland verhängt. China wird generell vorgeworfen, die russische Kriegswirtschaft zu unterstützen, dazu gibt es Streit um Subventionen, um neue Zölle für Waren aus China sowie Querelen um Firmen wie Huawei oder TikTok.