Toskana light. Ewiges Eis, nicht mehr ganz so ewig. Die Steiermark kann touristisch viel, aber am lohnendsten ist die Grüne Mark als politisches Reiseziel. Wie unter einem Brennglas lassen sich hier die tektonischen Verschiebungen besichtigen, ein Dorado als Studienobjekt. Zwei Pole prägen den Hotspot: eine kommunistisch geführte Hauptstadt und eine freiheitliche Führung auf Landesebene. Dazwischen klafft ein Hohlraum, den die alten zentristischen Parteien ÖVP und SPÖ beanspruchen, aber nicht mehr ausfüllen. Das erledigen in einem schleichenden, Meloni-artigen Prozess die beiden Ränder zur Linken und Rechten. Sie vermarkten sich nicht mehr als Peripherie, sondern als weiche, inklusive Mitte. Elke Kahr, die Grazer Bürgermeisterin („Ich bin nicht links, ich bin Kommunistin“) und Mario Kunasek, der neue Landeshauptmann, erweisen sich als idealtypische Besetzung für diese Operation. Kahr führt die Stadt als zugewandte Sozialarbeiterin, Kunasek das Land als jungväterlich integrative Klammer. Er kann Folklore, und er kann Betroffenheit. Vor allem kann er ÖVP.