„Es hat gebraucht, aber jetzt läuft‘s“, zieht Anna Holzer über ihre ersten Monate als Betreiberin der Aichingerhütte am Dobratsch Bilanz. Die Jungwirtin hat sich im Vorjahr mit gerade erst 19 Jahren selbständig gemacht. Beim Female Wirtschaftstalk, bei dem Kleine Zeitung Geschäftsführerin Xenia Daum und Moderatorin Barbara Haas als Gastgeberinnen fungierten, gab sie am Dienstag Einblick in ihren Werdegang und ihre Unternehmensphilosophie.

Dabei nahm sie sich kein Blatt vor den Mund. „Natürlich hat man wenig Freizeit, aber ich mache das, solange es mir taugt“, sagt Holzer. Derzeit kann sie noch auf die tatkräftige Unterstützung ihrer Familie zählen – allerdings „keine Dauerlösung“, wie sie betont. Mit Freunden betreibt sie auch eine Landwirtschaft, wo unter anderem Fleisch, Wurst und Speck für die Aichingerhütte produziert werden. Bald soll Fisch dazukommen. „Wegstecken“ gelernt habe sie, wenn einzelne Gäste nicht zufrieden sind. Unterstellungen, ihr sei alles in den Schoß gefallen, ärgern sie jedoch noch immer. Denn sie ist stolz, dass sie ihren Start in die Selbstständigkeit ohne Kredit aber mit erarbeiteten Ersparnissen finanziert hat.

„Passt nicht auf die Alm“

Skeptisch zeigt sich die CHS-Maturantin gegenüber dem Potenzial von Digitalisierung. Ein QR-Code für die Bestellung der Speisen, passt für sie „nicht auf die Alm“. Ihrer Meinung nach sollen „die Gäste sich miteinander unterhalten und nicht aufs Handy schauen“. Sie gibt offen zu: „Die Gäste bekommen von mir nicht den Wlan-Code.“ Beifall für dieses Bekenntnis gab es dafür unter anderem von Hotelierin Andrea Grossmann (Hotel Balance). Digitale Hilfsmittel für den Einkauf, nach dem Susanne Laggner-Primosch (Rechtsanwaltskammer) fragte, gibt es ebenfalls nicht. Denn wie Holzer betont: „Man bekommt ein Gespür. Ich gehe fast jeden Tag einkaufen und es bleibt fast nie etwas übrig.“

Die Nächte auf 1650 Meter Seehöhe, die Unternehmensberaterin Monika Kanatschnig (Hill International Kärnten) als mögliche Herausforderung ansprach, machen der Jungwirtin keine Angst: „Ich fühle mich da sicherer als in der Villacher Innenstadt.“ Ihrer Meinung nach habe ihr für die Unternehmertätigkeit die „Schule nichts gebracht“. Wohl auch ein Grund, warum die junge Frau bei Mitarbeitern weniger auf Lebensläufe als auf ihr Bauchgefühl vertraut. Mit ihrer natürlichen Offenheit begeisterte sie unter anderem Gäste wie Andrea Riedl (Jacques Lemans), Irene Slama (iscon), Petra Rodiga-Laßnig (Kelag Connect) und Iris Straßer (Verantwortung zeigen).