Die Wirtschaftskammer-Wahlen sind geschlagen. Die Wahlbeteiligung sank von 33,7 auf lediglich 26,5 Prozent. Gegenüber den Wahlen 2020 bedeutet das ein Minus in der Wahlbeteiligung von 7,2 Prozentpunkten. Der Wirtschaftsbund kann 61,3 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, das ist ein Minus von 7,9 Prozentpunkten. Er bleibt aber mit einer Zweidrittelmehrheit die bestimmende Kraft in der Interessenvertretung.

Die Freiheitliche Wirtschaft legte bundesweit zu und erreichte 13,6 Prozent der Unternehmerstimmen. Das ist mehr als eine Verdoppelung gegenüber der Wahl vor fünf Jahren (+7,3 Prozentpunkte).

Weitere Ergebnisse

Der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband (SWV) erreichte 9,7 Prozent, ein Minus von 1,1 Prozentpunkten. Die Grüne Wirtschaft (GW) errang 8,4 Prozent, ebenfalls ein Minus von 1,1 Prozentpunkten. Die UNOS legten um 2,6 Prozentpunkte auf 5,3 Prozent zu. Sonstige: 1,7 Prozent.

Das Ergebnis in Mandaten

In Mandaten sieht das Ergebnis wie folgt aus: Wirtschaftsbund (ÖWB) 6.197 oder 68,8 Prozent, SWV 743 (8,3 Prozent), FW 959 (10,6 Prozent), GW 488 (5,4 Prozent), UNOS 222 (2,5 Prozent), FGWÖ 8 (0,1 Prozent), IV 245 (2,7 Prozent), Sonstige 143 (1,6 Prozent).

Gewählt wurde in 593 Wahlkörpern. Dabei konnten insgesamt 774.249 Wahlrechte ausgeübt werden. 204.996 Stimmen wurden abgegeben. Die Mitglieder der Wirtschaftskammern Österreichs haben in sogenannten Urwahlen die Mitglieder in den Fachgruppenausschüssen und die Fachvertreter gewählt. Ausgehend von den Urwahlergebnissen, die von den Landeskammern jeweils für ihren Bereich aggregiert wurden, ergibt sich die Gesamtdarstellung.

Reaktionen

Das Ergebnis sei „ein klarer Auftrag, weiterhin entschlossen für die unternehmerische Zukunft unseres Landes zu kämpfen“, kommentierte Wirtschaftsbund-Generalsekretär und ÖVP-Wirtschaftssprecher Kurt Egger. FW-Bundesobmann Matthias Krenn freut sich über ein „sensationelles Ergebnis“: Es seien „ganz klar positive Perspektiven und Reformvorschläge für Unternehmer und den Wirtschaftsstandort gewählt“ worden. „Eine Organisation, in der immer weniger Unternehmer:innen ihre Stimme abgeben, hat ein massives Legitimitätsproblem“, erklärte SWV-Präsident Christoph Matznetter.

Matznetter sieht „WB-Praxis kritisch“

Besonders problematisch sieht er die Praxis des WB, der als Organisator zahlreicher Gemeinschaftslisten auftritt. „Viele Spitzenkandidat:innen des SWV sind auf diesen Listen vertreten – doch wer sie wählt, stärkt nicht ihre Fraktion, sondern ausschließlich den WB.“ Diese Praxis führe zu „einem völlig verzerrten Bild der tatsächlichen Mandatsverteilung“, erklärt Matznetter. Im vorläufigen Ergebnis werden alle Stimmen dieser Gemeinschaftslisten ausschließlich dem WB zugeschrieben, selbst wenn Kandidat:innen anderer Fraktionen darauf angetreten sind. „Das offizielle Gesamtmandatsergebnis, das diese Ungenauigkeit ausgleichen würde, wird jedoch nie gesondert veröffentlicht. So entsteht bewusst der Eindruck, der WB wäre weit stärker, als er tatsächlich ist“, kritisiert Matznetter, der sich unter diesen Vorzeichen über „österreichweite Zugewinne“ freut.