Die heimische Bierbranche blickt auf ein „erfreulich stabiles“ Jahr 2024 zurück: Der Gesamtausstoß im Vorjahr – Bier inkl. alkoholfreiem Bier und Export – belief sich auf 10,09 Millionen Hektoliter, ein Plus von 1,1 Prozent. Während der Inlandsabsatz von Bier und alkoholfreiem Bier bei 8,53 Millionen Hektoliter um 0,5 Prozent unter Vorjahres-Niveau lag, stieg der Export um neun Prozent auf 1,56 Millionen Hektoliter an.
„Respektables Ergebnis“
Für Karl Schwarz, Obmann des Verbandes der Brauereien ist das laut Aussendung „ein angesichts der Umstände durchaus respektables Ergebnis.“ Neben der allgemein schwierigen Wirtschaftslage mit weiterhin hoher Inflation liege der leichte Dämpfer hierzulande vor allem an der schwächeren Konsumlaune in der Gastronomie. „Viele genießen ihr Bier weiterhin, aber ab dem zweiten oder dritten Glas Bier sind die Konsumenten dann doch eher zurückhaltend“, so Schwarz.
In Summe wurden 2024 fast sechs Millionen Hektoliter Märzenbier getrunken – 70 Prozent Anteil Anteil an der Produktionsmenge ab. Große Erwartungen setzt die Branche weiter auf alkoholfreie Biere.
„Keine logische Erklärung“
Negativ schlugen sich im Vorjahr die enttäuschten Erwartungen der Bierbrauer im Zusammenhang mit der Fußball-EM zu Buche: „Der Juni war eine herbe Enttäuschung“, so Schwarz. „Sowohl in Österreich als auch in Deutschland gab es während der Europameisterschaft zweistellige Rückgänge im Bierabsatz.“ Erklärung dafür gäbe es – so Schwarz – „keine, die uns logisch erscheint.“ Wohl hatte der Juni drei Verkaufstage weniger als im Vorjahr, „aber das ist nur ein Teil einer möglichen Erklärung.“
„Hochschaubahn für Bierbrauer“
Schwarz spricht von einer „Hochschaubahn für Bierbrauer im ersten Halbjahr.“ Außerhalb des Gastronomie-Geschäfts waren „extreme Auf und Abs“ zu verzeichnen, die es „in dieser Form, solange ich im Geschäft bin, nie gab.“ Bier werde immer öfter „aktionsgetrieben“ gekauft – das führt zu extremer Volatilität, die es den Brauern nicht leichter macht. „Auf Plus 30 folgen Minus 20 Prozent in einem extrem kurzen Zeitraum.“
„Hitze ist schlecht für das Braugeschäft“
Zu schaffen mache den Brauern auch der Klimawandel – und das nicht nur auf Rohstoff-Seite: 2024 geht als eines der heißesten Jahre seit Messbeginn in die Geschichte ein, gepaart mit einer der längsten Hitzewellen. „Hitze ist schlecht für das Braugeschäft – außer für die alkoholfreien Biere, die auch bei tropischen Temperaturen noch gut nachgefragt werden“, analysiert Schwarz. Auch sonstige Wetterextreme, wie etwa das Hochwasser im September, prägte die Brauereien – vor allem jene im Osten des Landes waren durchaus stark betroffen und daher temporär nur eingeschränkt leistungsfähig.
Für heuer gibt sich Schwarz „vorsichtig optimistisch“, selbst wenn der Kostendruck – die Brauereien kämpfen insbesondere mit den nach wie vor hohen Energiekosten – auf absehbare Zeit hoch bleiben werde. Aufwind erhofft man sich für 2025 vor allem vom Boom im Saison- und Städtetourismus, der sich auch im Vorjahr als Absatztreiber erwiesen habe.
Schwarz: Keine kräftigen Preiserhöhungen zu erwarten
Zurückhaltend gab sich Schwarz mit Blick auf die Preisentwicklung. Zwar würden sich die Brauereien bemühen, Kostensteigerungen an die Käufer weiterzugeben, man dürfe aber nicht vergessen, dass in der Brauwirtschaft ein hoher Wettbewerbsdruck herrsche. Den hierzulande rückläufigen Markt könne man außerdem nicht mit höheren Preisen kompensieren, gab der Verbandsobmann weiter zu bedenken. Auf kräftige Erhöhungen müssten sich die Biertrinker daher in naher Zukunft höchstwahrscheinlich nicht einstellen.
Mehrweg-Anteil steigt
Der Mehrweg-Anteil bei Bier lag 2024 bei 67 Prozent. Mehrweg-Spitzenreiter ist seit Jahren die 0,5- Liter-Glas-Flasche. Die kleinen Mehrweg-Gebinde haben einen steigenden Anteil: Um der seit Anfang Jänner 2024 verpflichtenden Mehrwegquote im Lebensmitteleinzelhandel und steigenden Kundenwünschen nach mehr Mehrweg zu entsprechen, forcierten viele Brauereien ihr Angebot an (kleinen) Mehrweg-Glasflaschen. Die Einführung der neuen mehrwegfähigen Standard-Kleinflasche „Vichy“ im April 2024 sei ein Erfolg. Der Mehrweg-Anteil bei 0,33 Flaschen stieg damit binnen eines Jahres von 25 auf nunmehr 31 Prozent an.
Umstellungskosten in Millionenhöhe
Auch beim Mehrweg-Pfand gab es Anfang 2025 eine Neuerung: Per Februar hoben die heimischen Brauereien nach 40 Jahren den Pfandsatz für die klassische 0,5-Liter-Mehrweg-Bierflasche von 9 auf 20 Cent brutto pro Flasche an. Die nunmehr geltende Pfandhöhe orientiert sich am Wiederbeschaffungswert von neuen Flaschen.
Trotz der Umstellungs-Kosten im „zweistelligen Millionenbereich“, die ausschließlich von den Brauereien getragen werden, war die Pfanderhöhung alternativlos: Viele Jahre lang war diese nicht umgesetzt worden, da branchenseitig befürchtet wurde, Konsumenten an Einweggebinde zu verlieren. Doch aufgrund des niedrigen Einsatzes wurden immer häufiger Mehrweg-Gebinde „nicht retourniert, sondern entsorgt.“ Das führte dazu, dass die Brauereien verstärkt Flaschen nachkaufen mussten und damit zu einem Schaden in Millionenhöhe für die Brauereien und weitere Getränkeproduzenten. „Die neue Pfandhöhe schafft wieder Anreiz, die Flaschen in den Kreislauf rückzuführen“, erklärt Karl Schwarz. Mehrweg-Bierflaschen „müssen im Umlauf bleiben“ – sind sie doch „Öko-Vorreiter“ und können bis zu 40 Mal wiederbefüllt werden.
Ein Problem durch Pfandtourismus an der deutsch-österreichischen Grenze erkennt der Verband nicht. Derzeit handle es sich vorwiegend um Einzelfälle, die in der Summe nicht ins Gewicht fallen würden, meinte Schwarz.
Brauereien tragen Umstellungskosten
In Vorbereitung auf die Umstellung haben die Bierbrauer Schätzungen vorgenommen, wie viele 0,5-Liter-Mehrweg-Flaschen sich in Umlauf befinden. Gepaart mit Lagerstandserhebungen im Handel geht Schwarz von einem Aufwand in der Höhe von fast 10 Millionen Euro für die Brau-Branche aus. „Wir können nur mit Annahmen und Näherungswerten arbeiten, die genauen Kosten werden wir Ende 2025 kennen.“ Die Umstellung der Automaten auf das neue Pfand verlief – so Florian Berger – „friktionsfrei.“