Als Spitzenforschungszentrum für elektronikbasierte Systeme (EBS) wurden die Silicon Austria Labs (SAL) vor sechs Jahren gegründet. Seit fast zwei Jahren führt die Kärntnerin Christina Hirschl das „Herzstück der Mikroelektronik-Forschung“ mit Standorten in Graz (Zentrale), Villach und Linz. Sie lobt die „sehr mutige Entscheidung der Eigentümer“. Diese war wegweisend: Zur Gründung von SAL 2018 war vom mit 43 Milliarden Euro dotierten European Chips Act – 2022 gestartet – noch keine Rede. Heute werde ein Drittel der 25 Projekte, an denen bei SAL derzeit in enger Anbindung an die Industrie gearbeitet wird, im Rahmen des EU-Chips Acts gefördert.
Investitionen in Reinraum
Aktuell beschäftigt SAL 345 Mitarbeiter, 48 davon in Linz, 111 in Graz und 186 in Villach, rund die Hälfte sind Forscher. Finanziert wurde bzw. wird SAL aus Mitteln der öffentlichen Hand – 128,5 Millionen Euro bis 2026 – sowie rund 100 Millionen Euro aus Industriemitteln und nationaler wie auch internationaler Forschungsförderung. Rund 20 Millionen Euro flossen allein in die Ausstattung des MicroLabs – Österreichs größten Forschungsreinraum am Standort Villach. Hier findet Forschung und Prototypenentwicklung statt. Um Prozessketten zu schließen, sollen nun weitere 22 Millionen Euro aus EU-Mitteln in Geräte investiert werden.
Vervierfachung in Villach
Das Wachstum von SAL lasse sich am Standort Villach ablesen, sagt Hirschl: Die Vorgänger-Einheit Carinthian Tech Research (CTR) brachte 50 Mitarbeiter in die SAL ein, jetzt arbeiten im High Tech Campus Villach fast 200. In Graz erziele man etwa mit der Forschung an Leistungselektronik als Schlüsseltechnologie für die Energiewende Erfolge, Ende September werden 150 Teilnehmer zu einem internationalen „Power Symposium“ in Graz erwartet.
Der Umsatz von SAL wächst Jahr für Jahr um 20 bis 30 Prozent. Starke Wachstumsimpulse verschaffen die sogenannten Pilotlinien des EU-Chips Act, so Hirschl. In drei von fünf solcher Projekte bringt SAL derzeit seine Expertise ein, dafür fließen Förderungen im Ausmaß von 42 Millionen Euro innerhalb von vier Jahren nach Österreich.
Gleichzeitig engagiert sich SAL verstärkt in der Quantentechnologie. Diese ermögliche noch nie dagewesene Anwendungen bei hochkomplexen Berechnungen. SAL will auch einen Beitrag zu den „Quanten-Pilotlinien“ des Chips Act leisten, die 2026 für eine EU-Finanzierung anstehen. SAL habe sich als europaweit koordinierende Forschungseinheit beworben, erzählt Hirschl. „Wir dürfen das Thema Quantentechnologie nicht verschlafen.“ Ziel sei ein eigener, für die Industrie zugänglicher Quantencomputer. Investitionssumme: „15 Millionen Euro plus.“
Internationaler werden
Nach den beiden Branchengrößen Infineon und AVL sichere sich SAL die österreichweit drittgrößten Anteile an Fördermitteln aus dem Chips Act der EU. Ziel sei es, noch globaler zu werden, derzeit seien 60 Prozent der Kooperationspartner aus Österreich, 40 Prozent international, hier vor allem aus Europa.
Die Rezession geht freilich auch an den Silicon Austria Labs nicht spurlos vorüber, erklärt Hirschl. „Die Krise ist angekommen, auch wir haben gestoppte Projekte, weil etwa Industriepartner insolvent wurden.“ Dennoch müsse gerade jetzt in Europa mehr und nicht weniger in Forschung investiert werden, appelliert sie: „Europa muss im globalisierten Spiel mitmachen.“ Das gilt auch für SAL. Führende Anbieter im Forschungsbereich haben zwischen 2000 und 10.000 Mitarbeiter. Der Weg zum europäischen Player im Forschungsbereich ist für SAL weit, aber vorgezeichnet.