„Wir starten ins Jahr 2010 mit einem wirklich magischen und revolutionären Gerät“. Um starke Worte war Apple-Gründer und -Retter Steve Jobs nie verlegen. Ende Jänner 2010 schon gar nicht. Immerhin hatte Jobs wieder einmal eine neue Geräteklasse in petto. Zu einer Zeit, als die Gerüchteküche noch mit vergänglichen Zutaten kochte, galt es in den Wochen davor doch als gewiss, dass Apple nach Mac, iPhone und iPod mit einem „iSlate“ auf den Markt kommen wird.

„Wir nennen es: das iPad“, überraschte der Mann in Schwarz. „Wir alle verwenden Smartphones und wir alle verwenden Laptops. Aber die Frage ist: Ist dazwischen Platz für ein drittes Gerät?“, fragte Jobs, um rasch selbst die Ja-Antwort zu geben. Allerdings mit sportlichen Anforderungen versehen: Egal ob „beim Internetsurfen, im Erledigen von E-Mails, beim Videoschauen, Musikhören, Spiele spielen oder Bücher lesen“ – in all diesen Dingen, so Jobs, müsste das dritte Gerät besser sein als ein Smartphone oder ein Laptop. „Sonst hat es keine Daseinsberechtigung“, spricht der leidenschaftliche Vordenker das für ihn ohnehin Undenkbare aus.

„Das Gerät ermöglicht es, das Internet in den Händen zu halten“, wechselte Jobs schnell wieder in den Jubelmodus. Dass der limitierte Arbeitsspeicher auf offener Bühne vier Sekunden brauchte, um die Homepage der New York Times zu öffnen, störte weder Steve Jobs noch die Apple-Fanschar. Das iPad wurde zum Verkaufsschlager. 15 Millionen Stück der ersten Generation lieferte der IT-Krösus aus Cupertino aus und löste so auch bei anderen Herstellern einen Tablet-Boom aus.

Die Konstante

15 Jahre später darf getrost festgestellt werden, dass das iPad zur konstanten Größe wurde. Optisch betrachtet sowieso, ist die Form doch in Wahrheit seit 2010 dieselbe geblieben. Wohl auch ein Grund, warum die Verkaufszahlen des iPad die astronomischen Werte des iPhone nie erreichen sollten.

Schnell merkten die Nutzerinnen und Nutzer nämlich, dass für die wirklichen Anwendungsgebiete des iPad die Hardware über Jahre hinweg ausreicht. Leute verwendeten das Tablet als eBook-Reader und mobiles Fernsehgerät. Erst als Apple ab 2015 mit dem iPad Pro gegensteuerte, das Gerät sukzessive zum Notebook-Ersatz machte und 2020 die Tastaturhülle Magic Keyboard auf den Markt brachte, änderte sich das Nutzungsverhalten. Dass die Erben Steve Jobs so mit dem Versprechen des Gurus brachen, das iPad als dritte Geräteklasse zu positionieren, soll nicht unerwähnt bleiben.

Mit dem iPad zum Rekordumsatz

Ebenso stabil wie das Äußere und das Betriebssystem, das sich nie wirklich vom iOS der Smartphones entfernte, blieben über die Jahre die Absätze der Geräteklasse. Trotz anfänglicher Verkaufsekstase und zwischenzeitlich immer wiederkehrenden Abgesängen.

So verkaufte Apple im dritten Quartal 2024 rund 12,6 Millionen iPads – und damit nahezu exakt gleich viele wie vor zehn Jahren, als 12,3 Millionen Geräte ausgeliefert wurden. Im letzten Geschäftsquartal des Apple-Jahres 2024 waren es sogar wieder deutliche Zuwächse bei den iPad-Verkäufen, die dazu beitrugen, dass Apples Konzernumsatz auf ein neues Rekordhoch stieg, obwohl just der Dauerschlager iPhone etwas an Präsenz einbüßte.

Mehr als 40 Prozent Marktanteil

Im Vergleich mit dem Vorjahr stieg Apples iPad-Umsatz von sieben auf acht Milliarden US-Dollar. Recht passabel für ein „fünftes Rad am Wagen“ und einen „netten Lückenfüller zwischen Smartphone und Laptop“, wie dieser Tage in Betrachtungen des Jubiläums auch zu lesen ist. Eine Pensionierung ist freilich nicht in Sicht. Im Gegenteil, soll doch ein neues iPad Air bereits in den Startlöchern stehen. Dann vermutlich mit erstem 5G-Modem aus dem Hause Apple.

Das deutliche iPad-Plus, auf Jahresbasis immerhin 13,8 Prozent, wiederum wirkt sich auch unmittelbar auf den gesamten Tablet-Markt aus. Dieser wuchs laut Zahlen der Marktforscher von Canalys Ende des Jahres um 5,6 Prozent. Was bereits erahnen lässt, dass Apple seinen Tablet-Marktanteil, der aktuell bei rund 42 Prozent liegt, weiter ausbauen könnte. Auf Platz zwei liegt zurzeit Samsung, mit rund 18 Prozent Anteil. Der chinesische Hersteller Lenovo, Dritter auf dem Podium, kommt auf gerade noch 7 Prozent.