Wertvoller als Gold und immer öfter Objekt der Begierde für Diebe und Räuber: Welche Juwelen auch immer Ihnen nun in den Sinn kommen mögen, Sie liegen falsch: Das, was kriminelle Banden in Südamerika derzeit zu immer häufiger gewalttätigen bewaffneten Raubüberfällen veranlasst, kommt aus – Schlachthöfen.
Es geht dabei um heiß ersehnte Teile aus dem (toten) Rind, die dem Tier selbst vermutlich zu Lebzeiten keine große Freude bereitet haben dürften: Gallensteine. Diese erzielen Preise von bis zu 5800 Dollar (rund 5600 Euro) je Unze (rund 30 Gramm) – eigentlich eine Maßeinheit für Edelmetalle. Was allerdings durchaus passend ist – der Preis ist mehr als doppelt so hoch wie jener für Gold.
Gallensteine entstehen bei spezieller Fütterung
Gallensteine entstehen dem Fachmedium „Agrarheute“ zufolge vor allem bei älteren Weiderindern bei spezieller Fütterung. Hauptlieferanten seien Brasilien, Australien und Kolumbien, während in Europa und den USA Rinder meist jung geschlachtet werden. Intensive Zucht sowie kraftfutterreiche Fütterung würden die Gallensteinbildung verringern, schreibt das englische Blatt „Daily Mail“, das ebenfalls über das Phänomen schreibt. Zuerst hatte über das Phänomen übrigens das amerikanische „Wall Street Journal“ berichtet.
Hohe Summen für Gallensteine
Und wer sind die Abnehmer? Anhänger der Traditionellen Chinesischen Medizin, die vor allem in China zu finden sind und offenbar bereit sind, hohe Summen für die Gallensteine hinzublättern. Die getrockneten Steine werden zerkleinert und mit anderen Zutaten vermischt. Das habe zu einer „globalen Jagd in den wichtigsten Rindfleisch produzierenden Regionen der Welt ausgelöst“, berichtet die Plattform „Top Agrar“. Auch illegale Händler, die Steuern und Vorschriften umgehen, sowie bewaffnete Banden, die auf den großen Coup aus sind, seien „schnell in das Spiel eingestiegen“. Als wichtigster Umschlagplatz gilt Hongkong, es wurde zur internationalen Drehscheibe für die Gallensteine aus Südamerika.
Wertvolle Steine kommen per Flugzeug
Um Raubüberfällen auf der Autobahn vorzubeugen, werden die Steine innerhalb Brasiliens meist per Flugzeug transportiert, bevor sie vakuumverpackt nach Asien geschickt würden, so „Top Agrar“. Um schlussendlich in Chinas 60 Milliarden Dollar (58 Milliarden Euro) schwerer traditioneller Medizinindustrie zum Einsatz zu kommen. Die zu einer Pille gepressten Rinder-Gallensteine sollen die Fieber senken, Infektionen heilen und gegen die Folgen eines Schlaganfalls helfen.