Traditionell befindet sich die Arbeitslosigkeit Ende Jänner auf dem höchsten Stand im Jahresverlauf: So waren beim AMS Steiermark 47.525 Personen als arbeitslos gemeldet. Einschließlich der 8409 Teilnehmenden an Schulungen sind somit momentan 55.934 Steirerinnen und Steirer ohne Beschäftigung: Das ist ein Plus von 5,9 Prozent.
Mehr Frauen arbeitslos
Die unselbständige Beschäftigung in unserem Bundesland geht leicht auf geschätzt 533.000 Personen zurück (minus 0,4 Prozent), die Arbeitslosenquote erreicht damit einen Wert von 8,2 Prozent (+0,6 Prozentpunkte). Zurzeit haben die heimischen Unternehmen dem AMS Steiermark 10.464 sofort verfügbare offene Stellen gemeldet (minus 11,1 Prozent). Bei Frauen stieg die Arbeitslosigkeit mit +11,8 Prozent auf 16.895 Betroffene deutlich stärker an als bei Männern (+5,7 Prozent auf 30.630).
Industrie als Sorgenkind
Die höchsten Zuwächse wurden in den Bereichen Herstellung von Waren (+18,4 Prozent), Verkehr und Lagerei (+13,9 Prozent) sowie im Handel (+12,2 Prozent) verzeichnet. In regionaler Hinsicht stieg die Arbeitslosigkeit am deutlichsten in Voitsberg (+13,4 Prozent), Gleisdorf (+12,5 Prozent) und Graz (+12,4 Prozent).
2488 offene Lehrstellen
1350 Jugendliche (sofort und nicht sofort verfügbar) sind gegenwärtig als lehrstellensuchend beim AMS gemeldet, sie können aus 2488 offenen Lehrstellen wählen (sofort und nicht sofort verfügbar). AMS-Landesgeschäftsführer Karl-Heinz Snobe rät den steirischen Jugendlichen, sich beim AMS als lehrstellensuchend zu melden sowie sich nach einem Lehrplatz umzusehen und bei den Betrieben zu bewerben, da in den nächsten Wochen bereits viele Lehrstellen für den Herbst besetzt werden. „Eine abgeschlossene Lehre ist ein solides Fundament für das weitere Berufsleben und bietet aufgrund des bestehenden Fachkräftemangels ausgezeichnete Zukunftsperspektiven“, so Snobe.
Stärkster Einbruch bei Kleinstunternehmen
Der steirische AMS-Chef hat auch die Entwicklung der Gesamtzahl der unselbstständig Beschäftigten im Bundesland analysiert. Fazit: „Im Jahr 2024 ließ die tiefe und andauernde wirtschaftliche Schwächephase die Zahl der Erwerbstätigen neuerlich schmelzen. Im Jahresdurchschnitt 2024 waren in der Steiermark 546.741 Menschen unselbständig beschäftigt, was um 0,3 Prozent oder 1890 Personen weniger war als 2023.“ Die Steiermark habe damit – nach Oberösterreich – den zweitstärksten Rückgang verbucht. Begonnen habe der aktuelle Beschäftigungsabbau in der Steiermark genau mit Jahresbeginn 2024, so Snobe. Die einzige positive Nachricht dabei sei, dass sich 2024 die Beschäftigung mit diesen minus 0,3 Prozent „weniger schlecht entwickelt hat, als es die rezessive Konjunktur erwarten ließ“.
Die Statistiken zeigen auch: Zwar sei die Nachrichtenlage von Meldungen über den Stellenabbau großer Unternehmen dominiert gewesen. „Tatsächlich gab es den stärksten relativen Beschäftigungseinbruch bei den kleinsten Unternehmen mit ein bis zehn Beschäftigten“, so Snobe. 63.066 Steirerinnen und Steirer, das sind zwölf Prozent aller unselbständig Aktivbeschäftigten, arbeiteten demnach – Stand Ende Oktober 2024 – in solchen Kleinbetrieben, was im Vergleich zum Vorjahr um fast 2000 oder drei Prozent weniger waren. Nach Branchen betrachtet, sei der Rückgang der Aktivbeschäftigten bei Zeitarbeitern am stärksten ausgefallen. Die Branche musste demnach einen Beschäftigungsrückgang von 14,2 Prozent (1697 Beschäftigte, davon 1277 Männer und 420 Frauen) verkraften und sei von der Rezession „besonders belastet“. Platz zwei bei den Jobverlusten nach Branchen nehme der Bereich Herstellung von Autos oder Autoteilen ein. „Im Jahresschnitt verlor dieses Segment sieben Prozent der Aktivbeschäftigten, mit leichten Nachteilen bei den Männern von minus 7,8 Prozent oder 724 Betroffene bzw. minus 5,6 Prozent oder 137 Betroffene bei den Frauen.“ Ein Lichtblick: „In der Medizintechnik, im Luft- und Schienenfahrzeugbau, in einzelnen Bereichen im Maschinen- und Metallbau, in der Herstellung von Elektromotoren oder der Messtechnik, in der Pharmaproduktion und in der Lebensmittelherstellung gab es einen erfreulichen Zuwachs an Beschäftigten“, so Snobe.
„Arbeitsmarkt bleibt bis Sommer jedenfalls unter Druck“
Schwerer getroffen habe es indes den Bausektor mit einer schrumpfenden Aktivbeschäftigung von 1153 Personen, auch der Handel zählte 2024 zu den Verlierern. So habe der Einzelhandel mit knapp über 40.000 Aktivbeschäftigten und einem Frauenanteil von 75 Prozent im Vorjahr 1,9 Prozent seiner Beschäftigten, 789 Personen, verloren.
Wie geht‘s weiter? „Für das erste Halbjahr 2025 ist anzunehmen, dass die Beschäftigung nicht wachsen und die Arbeitslosigkeit in der Steiermark weiter zunehmen wird. Der Arbeitsmarkt in der Steiermark bleibt bis zum Sommer jedenfalls unter Druck“, so Snobe. Sein Appell: „Neben der allgemeinen hartnäckigen Konjunkturschwäche, die anhand der Veränderung in der Beschäftigung der Privatwirtschaft deutlich zu erkennen ist, darf die Beachtung der strukturellen Arbeitsmarktprobleme aber nicht aus dem Blickfeld rücken.“ Ohne „öffentliche Impulse, ohne eine investitionsorientierte Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik“ werde es nicht gehen, sagt Snobe. .