Die EZB hat im vergangenen Jahr die Zinswende eingeleitet. Angesichts nachlassender Inflationssorgen wurde der Einlagezins viermal auf aktuell 3,00 Prozent gesenkt. Die Währungshüter passten den Einlagenzins nun neuerlich um 0,25 Prozentpunkte auf 2,75 Prozent an. Das erklärten sie im Anschluss an ihre Sitzung am Donnerstag.
„Ein graduelles Vorgehen bei den noch ausstehenden Zinssenkungen ist richtig“, sagte die deutsche Wirtschaftsweise Veronika Grimm der Nachrichtenagentur Reuters. Die Entwicklung des verbleibenden Inflationsdrucks hänge auch von der Wirtschaftsentwicklung ab. „Daher ist es richtig, in Abhängigkeit der jeweiligen Datenlage zu entscheiden“, fügte sie hinzu. Eine Senkung um einenn Viertelprozentpunkt erscheine „plausibel, aber es ist auch richtig, vor jeder erneuten Zinssenkung die Situation genau in den Blick zu nehmen“, sagte das Mitglied des deutschen Sachverständigenrats Wirtschaft. „Gerade auf den letzten Metern ist die Glaubwürdigkeit der EZB besonders wichtig.“
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Auch schwache Konjunktur im Fokus
„Die Dezember-Sitzung hat eine klare Botschaft verbreitet, dass weitere Zinssenkungen die Basisannahme von hier aus sind“, so Jens Eisenschmidt, Chefvolkswirt Europa, der US-Bank Morgan Stanley. Für eine Fortsetzung des bisherigen graduellen Vorgehens spreche die hohe Unsicherheit. Dazu zählen Experten unter anderem die künftige Zollpolitik des neuen US-Präsidenten Donald Trump. „Bei einer Verschärfung des Handelskonflikts mit den USA könnte Europa mit Gegenzöllen reagieren und so zu einer hartnäckigen Inflation im Euroraum beitragen“, warnt DZ-Bank-Experte Reicherter. Andererseits berge eine Eskalation des Handelskonflikts Risiken für die Wirtschaft der Euro-Zone, was dann für einen geringeren Preisauftrieb spreche.
Die schwache Konjunktur im Euroraum stand zuletzt im Scheinwerferlicht der Notenbank. Doch die Lage ist nicht nur trübe. So gab es zu Jahresbeginn Umfrageergebnissen zufolge einige Hoffnungssignale. So schaffte die Wirtschaft im Währungsraum laut dem Einkaufsmanagerindex für Jänner erstmals seit dem vergangenen Sommer wieder ein kleines Wachstum. Dabei sorgte insbesondere Deutschland für positive Impulse.
„Das Tempo, das wir sehen werden“
Lagarde hatte bereits am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos dem Sender CNBC gesagt, die Richtung der Zinsentwicklung sei sehr klar. „Das Tempo, das wir sehen werden, hängt von den Daten ab, aber eine allmähliche Bewegung ist im Moment sicherlich etwas, was einem in den Sinn kommt.“ In einer Diskussionsrunde auf dem Forum wies sie darauf hin, dass die Inflation im Euroraum zuletzt bei 2,4 Prozent lag. Und es gebe „starke Zuversicht, dass sie sinken statt steigen wird,“. Die EZB erachtet 2,0 Prozent Teuerung als optimal für die Wirtschaft.
Kreditnachfrage deutlich gestiegen
Zuletzt war die Nachfrage von Unternehmen der Eurozone nach frischen Krediten – vor dem Hintergrund gesunkener Zinskosten – so stark an wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr gestiegen. Die Kreditvergabe legte im Dezember um 1,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu, wie die Europäische Zentralbank am Mittwoch mitteilte. Im November hatte der Zuwachs noch 1,0 Prozent betragen. Auch die privaten Haushalte fragten mehr Kredite nach: Hier gab es mit 1,1 Prozent den höchsten Zuwachs seit August 2023.