Die Kitzbüheler Gams thront letztlich über allem; und ein kleines Indiz, wer in der „Gamsstadt“ wirklich was zu sagen hat, ist die goldene Gams am Revers des Anzugs. Denn die bekommen nur die wenigsten; und am allerwenigsten die, die nicht aus der Stadt sind. Zwar hat sich die Bezirkshauptstadt zur (Zweit-)Heimat der Reichen und Schönen entwickelt, im Hintergrund aber sind es nach wie vor wenige, die die Fäden ziehen. An erster Stelle steht hier Bürgermeister Klaus Winkler, der als oberste Baubehörde naturgemäß in einer Stadt, die zu den exklusivsten Immobilienecken des Landes zählt, viel zu reden hat. Seit 2004 ist der ÖVP-Politiker im Amt, auch wenn er 2022 mit der eigenen Namensliste neun der 19 Gemeinderatsmandate erobert hat.
Wer in Kitzbühel gewissermaßen immer im Spiel ist, ist die Familie Reisch. Skipionier Franz Reisch legte einst den Grundstein zum Aufschwung des Ski-Ortes, dessen Sohn Hermann war ebenso Bürgermeister, der 2021 mit 92 Jahren verstorbene Anwalt Klaus Reisch war immer die graue Eminenz – der von Tochter Signe geführte Rasmushof und das Zielgelände der Hahnenkammabfahrt auf dem Golfplatz auf dem Grund der Reisch-Familie garantiert eine gewisse Mitsprache im Ort. Signe Reisch wurde als langjährige Obfrau des Tourismusverbandes lange Zeit als mächtigste Frau des Ortes tituliert, ganz so ist es nicht mehr.
Ihr Wort hat Gewicht
Ihr folgte Christian Harisch 2020 als Obmann nach – und der ist mit der „Harisch Hotel Group“ sozusagen zum „Big Player“ in Sachen Tourismus geworden. Mit dem „Weißen Rössl“, dem „Schwarzen Adler“, dem „Lebenberg“, dem „Goldenen Greif“, dem „Lisl“ und einigen anderen umfasst die Hotelgruppe des Anwalts in der Zwischenzeit mehr als zehn Häuser, auch in Sylt und London ist die Gruppe schon vertreten. Auch Harisch‘ Wort hat also Gewicht, auch wenn sich in der Stadt die Interessen naturgemäß auf vielen Schultern verteilen lassen.
Je näher man dem Hahnenkammrennen kommt, desto mehr kommen aber der Kitzbüheler Skiclub, seit 2009 von Michael Huber geleitet ins Spiel. Und natürlich die Agentur von Ex-Hahnenkammsieger und Ex-Weltmeister Harti Weirather und dessen Frau Hanni Wenzel: Weirather, Wenzel und Partner, kurz WWP. Sie lenken die Geschicke des Rennens, Weirather machte das Rennen zum Event, das auch wirklich Geld in den KSC und in die Stadt pumpt. Kitzbühel, das ist zweifellos neben dem Wiener Opernball das Society-Event des Jahres. Und Weirather, dessen WWP zunächst von Mirjam Hummel-Ortner und Philipp Radel geführt wurde und nun operativ schon bei der Generation danach und Marco Schlegel und Robert Schmidle geführt wird, gibt sozusagen die Maske für die Woche vor. Huber besteht auf die richtige Mischung zwischen VIPs und „echten“ Sportfans, Weirathers WWP lässt sich Jahr für Jahr neue Details einfallen, um die Aufenthaltsdauer der finanzkräftigen Klientel zu verlängern.
Nicht zu vergessen: Zumindest während der Rennen spielt auch Red Bull schon eine entscheidende Rolle im Geschehen der Stadt und im Erstellen von Events. Aktuell ist nach wie vor Thomas Überall, selbst Kitzbüheler und lange Zeit Head of Sports bei Red Bull, für alle Aktivitäten der Marke auch in Kitzbühel verantwortlich, heuer kommt er das letzte Mal in dieser Funktion, wird künftig nur noch als Berater tätig sein und sich ganz auf seine Rolle als Geschäftsführer des Red-Bull-Rings konzentrieren. Doch: Red Bull sorgt nicht nur für Attraktionen und Aktionen, sondern man holt auch manch internationale Stars nach Tirol. Heuer soll es übrigens Zlatan Ibrahimovic sein, der kommt.