„Wir sind mit Dänemark und den Niederlanden unter den ersten Drei von 29, die jetzt schon durchstarten“. Es schwingt bei Silicon-Alps-Cluster-Chef Robert Gfrerer gehörig Stolz mit, wenn er über das Entstehen des neuen österreichischen Chips-Kompetenzzentrums mit dem etwas technisch geratenen Namen „AT-C3“ spricht.

In dessen Inneren – für die Leitung haben sich mehr als 60 Personen beworben, bis Ende Februar werden die Anhörungen absolviert sein – soll jedenfalls bald rege Betriebsamkeit herrschen. Physisch ist das Zentrum an der TU Graz angesiedelt, inhaltlich lebt es von den Kompetenzen der Konsortialpartner, immerhin einige führende Organisationen des österreichischen Halbleiter-Ökosystems. „Wir wollen die neuen Spieler mit den etablierten zusammenbringen, also regionale Partner näher zu den Leitbetrieben heranführen“, beschreibt etwa Stefan Rohringer, Chef von Infineons F&E-Zentren in Österreich und am Mittwoch in seiner Rolle als Vorsitzender von ESBS-Austria in Graz, ein Ziel.

Neben der Vernetzung, auch hin zu anderen europäischen Kompetenzzentren, soll das österreichische Chips-Zentrum darüber hinaus wichtige Ausbildungsdrehscheibe und Nährboden für eine unternehmerische Innovationsbasis sein.

Deswegen sind auch 55 Prozent der Fördermittel, in einem ersten Schritt fließen immerhin acht Millionen Euro ins Zentrum, explizit für Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) reserviert. Reichen diese etwa ein 100.000-Euro-Projekt ein, werden sie nur rund 20.000 Euro davon selbst tragen müssen und können zugleich auf die vielseitigen Kompetenzen der Netzwerkpartner zurückgreifen. Ein Modell, das dem Ansatz „high risk, high gain“ Rechnung tragen soll. Sprich: Bei einem höheren unternehmerischen Risiko kann schlussendlich auch mehr bewegt und gewonnen werden.

Von links: Stefan Rohringer (ESBS Austria), Helmut Leopold (AIT), Christina Hirschl (SAL), Werner Ecker (MCL), Peter Fuchs (PCCL), Andrea Höglinger (TU Graz), Robert Gfrerer (SAC)
Von links: Stefan Rohringer (ESBS Austria), Helmut Leopold (AIT), Christina Hirschl (SAL), Werner Ecker (MCL), Peter Fuchs (PCCL), Andrea Höglinger (TU Graz), Robert Gfrerer (SAC) © SAC

„60 bis 65 Projekte geplant“

Möglich ist die Bewerbung ab dem zweiten Quartal, in Summe will das bis 2028 durchgedachte Zentrum „60 bis 65 Projekte“ (Gfrerer) auf den Boden bringen. Helfen soll diese Form der Wachstumsförderung, das „Tal des Todes für Ideen“ zu überwinden, wie es Werner Ecker vom Materials Center Leoben (MCL) beschreibt. Ecker: „Die Entwicklungen müssen auf den Markt und sie müssen dort erfolgreich sein“. Dafür müssten Jungunternehmen eben ein entsprechendes Ökosystem vorfinden.

Gar zu 100 Prozent gefördert werden übrigens die Weiterbildungs- und Umschulungsprogramme im Rahmen des Kompetenzzentrums, die von Industrieunternehmen gemeinsam mit der TU Graz ausgearbeitet und ab 2026 ausgerollt werden.

Wo Österreicher Vorreiter sein kann

Inhaltliche Schwerpunkte des Grazer Zentrums werden die Bereiche Chipdesign, Systemintegration, Testing, Prototyping, Manufacturing und Finanzierung sein. Summa summarum sollen Zentren wie das AT-C3 helfen, die Ziele des „EU Chips Act“ zu verwirklichen. Dieser sieht ja vor, die europäische Produktionskapazität für Mikrochips bis 2030 auf 20 Prozent des Weltmarkts zu erhöhen. Womit naturgemäß auch eine Vergrößerung des Ökosystems und verfügbarer Fachkräfte einhergehen muss.

Österreichs Ziel wiederum müsste es sein, im Bereich der Mikroelektronik „global wettbewerbsfähig und in bestimmten Bereichen gar führend zu sein“, sagt dazu Helmut Leopold vom Austrian Institute of Technology (AIT). Möglichkeiten, die Vorreiterrolle einzunehmen, sieht Leopold bei Quantentechnologien und photonischer Sensorik wie auch bei Lösungen für Cybersicherheit und Datensouveränität.