Unmittelbar vor Weihnachten kam das Aus. „Heimlich, still und leise“, wie kritisiert wurde. Seither hängt das Thema der bisher üppig dotierten Bundesförderungen zum Heizkesseltausch (Aktion „Raus aus Öl und Gas“) sowie der Sanierungsbonus in der Luft. Die Förderaktionen wurden, wie berichtet, am Wochenende vor den Weihnachtsfeiertagen auf der Website der Förderabwicklungsstelle (umweltfoerderung.at) „erfolgreich für beendet“ erklärt, die Mittel seien ausgeschöpft. Neuregistrierungen sind seither nicht mehr möglich, bereits eingebrachte Förderanträge und Registrierungen werden noch abgearbeitet.
Wie geht’s weiter? Das ist offen – und hängt von der neuen Bundesregierung ab. Dass es in Zeiten eines milliardenschweren Sparkurses ähnliche Fördervolumina geben könnte wie bisher, wird bezweifelt. Mehr als 164.000 neue Heizungen sind seit Beginn dieser Aktion gefördert worden, von Bundesseite sind dafür mehr als 1,5 Milliarden Euro aufgewendet worden. Allein 2024, so teilt das Umweltministerium mit, seien „60.000 Heizungen getauscht und weitere 93.000 Anträge gestellt“ worden. Die zuständige Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) sprach sich vor Weihnachten zwar für eine Neuauflage aus, rechtlich sei dafür alles vorbereitet, doch das sei die Sache einer neuen Regierung.
„Gift für Planungssicherheit“
In der Branche sorgte und sorgt das „Abdrehen über Nacht“ nach wie vor für Kritik. Martin Hagleitner, Vorstand der Austria Email AG, Spezialist für Heizungs- und Warmwassersysteme, zeigte sich verärgert über die Art und Weise, niemand in der Branche, die teilweise noch Kampagnen laufen hatte, sei vorgewarnt worden. Diese Vorgangsweise sei „Gift für die ohnehin ramponierte Planungs- und Investitionssicherheit und auch für das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten“.
Auch die Standesvertreter rücken nun mit Warnungen aus. Manfred Denk, Bundesinnungsmeister der Sanitär-, Heizungs-und Lüftungstechniker in der Wirtschaftskammer, befürchtet einen Einbruch bei den Umrüstungen von 100.000 pro Jahr auf nur noch 10.000. Dadurch seien österreichweit 5000 Arbeitsplätze in Gefahr.
Der steirische Landesinnungsmeister Anton Berger kann diese Aussagen nur bestätigen. Die „noch nicht in die Verlängerung gegangene Förderung“, wie er es formuliert, habe für die steirischen Installateure im Vorjahr Umsätze in der Größenordnung von 660 Millionen Euro bedeutet. „Wenn das jetzt fehlt, macht es einen richtigen Brenner, was die Auslastung betrifft.“ Etwa 17.000 geförderte Heizanlagen wurden 2024 auf steirischem Boden errichtet, 7000 davon entfallen auf Biomasse, 10.000 auf Wärmepumpe, wie Berger sagt.
Kommentar zum Thema
Branche rechnet mit Tal des Jammers
Das aktuelle Problem der Branche, die auch unter der Neubau-Flaute leidet: „Wer auf ein neues Heizsystem umsteigen will, wartet auf jeden Fall, bis es klar wird, welche neue Förderung kommt bzw. ob überhaupt eine kommt. Es wurde ein Stop-Szenario aktiviert, ohne dass man überlegt hätte, wie es weitergehen soll.“ Dass es Ende des Vorjahres noch viele Registrierungen für die Förderung eines Kesseltausches gab, sieht der Branchenvertreter zwiespältig: Damit lasse sich nicht planen, weil es nicht einschätzbar sei, wann und ob die Umsetzung des Vorhabens 2025 tatsächlich erfolgt. „Wir sind überzeugt, dass vieles von dem reservierten Budget am Ende des Jahres nicht abgeholt wird.“
Seitens der Heizungsindustrie blickt Interessensvertreterin Elisabeth Berger auf ein spannendes Jahr 2025, wie sie sagt: „Es müssten 50.000 bis 80.000 Anlagen sein, die in den letzten Wochen des Vorjahres noch registriert worden sind. Wenn die realisiert werden, ist die Branche zumindest bis zum Sommer recht gut ausgelastet. Danach ist ein Tal des Jammers zu erwarten, wenn es keine Förderung mehr gibt.“
IV-Chef zwiegespalten
In der Vereinigung der österreichischen Kessel- und Heizungsindustrie (VÖK) gehe man aber davon aus, dass eine neue Regierung Anreize schaffen wird, dass Hausbesitzer im Heizungskeller etwas tun, um den fossilen Energieverbrauch zu reduzieren. „Ich rechne mit weniger Förderung, aber einer Verbesserung der Förderbedingungen, sprich: nicht unbedingt vorhandene, funktionierende Geräte rausschmeißen, sondern, wie in Deutschland, den erneuerbaren Anteil im Heizen dramatisch erhöhen und als Backup für den Winter den bestehenden Kessel belassen,“ sagt Berger – auch im Hinblick auf Entsorgungskosten.
Der Präsident der steirischen Industriellenvereinigung, Kurt Maier, befürwortet grundsätzlich, dass Förderungen und Boni evaluiert werden, „man muss sich die Treffsicherheit der einzelnen Maßnahmen ansehen“. Maier räumt aber ein, dass gerade Förderungen rund um den Heizkesseltausch auch für Konjunkturimpulse bei den Herstellern sorgten und warnt davor, die ganze Energietransformation und CO2-Einsparungen – und solche Förderungen sind ein Teil davon – gänzlich zu stoppen.