In der Turnhalle der Mittelschule Mooskirchen wird diese Woche fleißig gehämmert, gebohrt und gelötet. Umgebaut wurde die Halle längst, darum werden auch Kuchen verziert, professionelle Fotos geschossen und Haare geschnitten. Im Rahmen des Projekts "Kreative Lehrlingswelten" dürfen die dritten und vierten Klassen der Schule nämlich verschiedene Lehrberufe ausprobieren und sich mit elf Unternehmen aus der Region vernetzen. "Im besten Fall entdecken die Schülerinnen und Schüler Berufe, die vielleicht nicht in ihrer näheren Lebenswelt sind", sagt Berufsorientierungskoordinatorin Katharina Pukl.

Das Herzstück des Projekts sind 25 mobile Werkbänke, die von den Unternehmen individuell genutzt werden. Bei jeder Station wird ein Werkstück hergestellt, das man sogar mit nach Hause nehmen kann. "Die Schüler sind mit voller Begeisterung dabei, sie können Pfeifen, Armbänder und Herzen aus Metall ausschneiden und Dachziegel decken", sagt Anton Matlas, der sich als Firmenchef der Mooskirchner Dachdecker- und Spenglerei auch um die Lehrlingsbetreuung kümmert.

Technische Berufe heiß begehrt

"Die Möglichkeit, selbst tätig zu werden, gibt es viel zu selten", meint Projektleiterin Erika Reisenegger. Schülerin Lena Zankl-Heidenreich stimmt zu: "Wie man tapeziert, habe ich noch nie gesehen. Heute haben wir selbst Pölster gemacht, damit wir in der Schule nicht mehr so hart sitzen."

Welche Berufe bei der Jugend am besten ankommen? "Die Interessen sind breit gefächert, vor allem die technischen Berufe sind bei den Burschen sehr beliebt", sagt Pukl. "Wir wollen aber auch mit Vorurteilen brechen. Es soll selbstverständlich werden, dass auch Burschen an vermeintlich 'geschlechtsuntypischen' Berufen Gefallen finden und die Frauenquote in technischen Berufen weiter ansteigt", so Pukl. Dass dies in der Praxis höchst erfolgreich ist, beweist etwa Isabel Strasser, die im zweiten Lehrjahr bei der Södinger Firma Keller Grundbau eine Lehre als Baumaschinentechnikerin absolviert und mit den Schülern einen Motor zerlegt. "Damit sie die Berührungsängste verlieren und auch beim Moped selber schrauben."

Die Haare einer Puppe wurden gerne und mehrmals frisiert
© Jakob Kriegl

"Alle Möglichkeiten" mit einer Lehre

Das Ziel der beiden Projekttage ist es, die Neugierde der Schüler zu wecken. "Durch die sozialen Medien bekommen die Jugendlichen vermittelt, dass alles möglich ist. Aber trotzdem ist es etwas ganz anderes, wenn live demonstriert wird, wie etwas gemacht wird", so Reisenegger. "Und es ist auch eine Erkenntnis, wenn jemand draufkommt, dass etwas gar nicht für einen passt. Eine Lehre ist keine Einbahnstraße. Mit Modellen wie der Lehre mit Matura oder Aufstiegschancen innerhalb eines Unternehmens hat man alle Möglichkeiten." Sie rät, so viele Erfolgserlebnisse wie möglich zu sammeln: "Wir haben hier eine Spielwiese, ohne den Druck, bewertet zu werden. Glaubenssätze wie 'das kann ich nicht' wollen wir aufbrechen. Wenn Schüler mit dieser Einstellung motiviert werden, funktioniert es nämlich meist doch und die Freude ist groß", resümiert Reisenegger.

Nach dem ersten Kennenlernen wird der nächste Schritt sein, im Rahmen einer Schnupperwoche im Februar in die Betriebe zu gehen. Wer weiß, vielleicht haben die zukünftigen Lehrlinge ihre Meister schon heute gefunden.