Der Zustand des Bauwerks ist bedenklich. Mauerputz bröckelt vom Sockel, das Dach muss saniert werden, die Fenster auch. Doch weil es sich bei der Michaelikirche im Herzen Voitsbergs nur um eine Filialkirche handelt, muss die Pfarre die Kosten selbst tragen und wird von der Diözese nicht unterstützt. Seit Wochen wird deshalb um Spenden gebeten.
Sieglinde Uhl ist Vorsitzende des Wirtschaftsrats der Pfarre und weiß um den Ernst der Lage. „Bislang konnten wir 40.000 Euro von treuen Kirchgängern erbeten, um die Kirche aber vollständig zu sanieren, fehlen uns noch 360.000 Euro.“ Die Renovierung des Bauwerks, das in seinem Kern aus dem 13. Jahrhundert stammt, wird in mehreren Abschnitten erfolgen.
Ein Probeabtrag vom Sockel zur Farbabgleichung wurde bereits entnommen, im Mai wird nun mit dem ersten Abschnitt der Bauarbeiten begonnen. Martin Binder, Organist, Architekt und beratendes Mitglied des Wirtschaftsbeirats erklärt: „Voraussichtlich im Juli wird dann eine Turmsanierungsfirma, die mit einem Kran vorgeht, beauftragt, den Spitz zu untersuchen und Problemzonen zu beheben.“
Das große Problem sei, laut Binder, dass bei einer vorangegangenen Sanierung vor rund 50 Jahren falsche Materialien verwendet wurden. „Die Dispersionsfarbe ist nicht atmungsaktiv und muss jetzt abgebeizt und ersetzt werden. Außerdem wurde im Sockelbereich Zement verwendet.“ Auch im Innenbereich kam es in der Vergangenheit immer nur zu kosmetischen Teilsanierungen. „Der Idealfall wäre, eine Bauteilheizung einzubauen, aber das ist derzeit sowieso kein Thema.“
Nach der Turmsanierung soll jedoch noch im Herbst mit der Sanierung des Hauptportals begonnen werden. Beauftragt werden dafür hauptsächlich einheimische Firmen, wie etwa die Bellina Bau GmbH in Köflach.
Historisches Schmuckstück
Die Michaelikirche ist eines der bedeutendsten Bauwerke in Voitsberg. Sie stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert, Voitsberg ist seit 1245 als Stadt nachgewiesen, „damit ist die Kirche also Kernstück der Stadt. Außerdem wurde sie einst von den Bürgern als Bürgerkirche errichtet, da sich die ursprünglich Margarethenkirche, die heute nicht mehr besteht, außerhalb der Stadtmauern befand“, erklärt Binder. Lange Zeit fungierte die Michaelikirche auch als Stadtpfarrkirche, ein Umstand, der sich im Laufe des 20. Jahrhunderts zugunsten der jüngeren Josefskirche änderte.
Heute ist die Michaelikirche zwar täglich geöffnet, es finden hier aber nur im Sommer die Abendmessen statt, sowie diverse kirchliche Feste wie Trauungen. „Sie ist aber eines der bedeutendsten Bauwerke Voitsbergs", bekräftigen Uhl und Binder unisono.