Personalengpässe überbrücken sowie geeignete Mitarbeitende für einen Job finden – das gehört zu den Kernaufgaben einer Personaldienstleistungsfirma. Rund 45 gibt es nach Einschätzung des Verbandes Österreichs Personaldienstleister im Bezirk Weiz. Ein wesentlicher Grund für die hohe Dichte sei die „industrielle Prägung der Region“, heißt es von Seiten des Verbandes. Dazu komme die geografische Lage. Arbeitskräfte würden auch aus anderen Regionen zur Arbeit pendeln.

Industriestarke Region

Einen Einblick in die Branche gewährt die „expertum GmbH“, die mitten am Hauptplatz in Weiz sitzt. Betriebe wie Andritz, Siemens oder die Knill Gruppe sind nur wenige Schritte vom Standort, der Anfang 2025 nach Weiz kam, entfernt. „Die Oststeiermark ist zwar kleiner als Ballungsräume wie Wien oder Linz, sie hat aber eine sehr starke industrielle Struktur. Der Bezirk Weiz zählt zu den industriestärksten Regionen der Steiermark“, sagt Katharina Fohn-Seeberger, Teamleiterin in Weiz.

Viele international tätige Industrieunternehmen in den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik oder der Metallindustrie haben sich hier angesiedelt. Gerade für Personaldienstleister mit Fokus auf die Industrie sei die Region deshalb ein interessanter Markt.

Katharina Fohn-Seeberger, Teamleiterin in Weiz
Katharina Fohn-Seeberger, Teamleiterin in Weiz © KK

Expertum hat genau solch einen Fokus: „Wir unterstützen Unternehmen dabei, qualifizierte Fachkräfte zu finden, entweder über Arbeitskräfteüberlassung oder über direkte Personalvermittlung in Festanstellung. Darüber hinaus unterstützen wir Unternehmen auch bei Recruiting-Prozessen, Personalplanung und HR-Strategien“, sagt Fohn-Seeberger.

Fachkräftemangel schafft Partner

Warum sich Betriebe an Personaldienstleister wenden? „Unternehmen gewinnen Zeit, Flexibilität und Zugang zu qualifizierten Fachkräften“, so die Teamleiterin. Recruiting, also Personalbeschaffung, sei komplex geworden. Dienstleister würden über Netzwerke, Wissen und geeignete Prozesse schnell passendes Personal finden. Der Fachkräftemangel führe außerdem dazu, dass Personaldienstleister immer stärker zu strategischen Partnern werden.

Marktführer in Österreich ist „Hofmann Personal“, unter anderem mit einem Standort in Gleisdorf. Auch bei Hofmann liegt der Schwerpunkt derzeit auf der Industrie. Darüber hinaus betreue man auch kleine und mittelgroße Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, insbesondere in den Bereichen Lagerei, Spedition und Bau. In der gesamten Oststeiermark würde es rund 1500 Zeitarbeitende bei etwa 80.000 Beschäftigten geben. Erfahrungsgemäß, so Regionalleiter Philipp Windisch, steige die Beschäftigung Richtung Sommer.

Regionalleiter Philipp Windisch
Regionalleiter Philipp Windisch © KK

Im Bezirk sei der Bedarf an Metall- und Elektrofachkräften aufgrund der guten Auftragslage sehr hoch, dennoch herrsche nach wie vor ein starker Facharbeitermangel: „Die Mangelberufsliste ist in diesem Jahr weiter gewachsen. Für die Arbeitskräfteüberlassung werden derzeit keine Beschäftigungsbewilligungen für Drittstaatsangehörige erteilt – eine Maßnahme, die wir dringend benötigen würden, da wir auch über internationale Kontakte zu Fachkräften verfügen“, sagt Windisch.

Eine weitere Herausforderung: Fluktuationen, da offene Stellen oft nicht mit individuellen Wünschen der Kandidatinnen und Kandidaten übereinstimmen.

Wie steht es um die Zukunft?

Dennoch: „Der Bedarf an Personalbereitstellungen ist in den letzten beiden Jahren aufgrund der Rezession bereits zurückgegangen. Für 2026 rechnen wir jedoch mit einem leichten Anstieg, und für 2027 wird ein stärkerer wirtschaftlicher Aufschwung erwartet“, sagt der Regionalleiter Philipp Windisch.

Er betont: „Unsere Branche gilt als Gradmesser für die Wirtschaft: Geht es der Wirtschaft gut, profitieren wir als Erste. Kommt es zu einem Abschwung, sind wir auch oft die ersten, bei denen Personal reduziert wird.“